Thaliastraße wird ab Juni zum "Klima-Boulevard"

Zahlreiche Bäume und Stauden-Beete, Wasserspiele und bis zu sechs Meter breite Gehsteige: Ab Juni wird die Thaliastraße in Ottakring umgebaut.

Ab Juni starten die Arbeiten für den ersten Bau-Abschnitt in der Thaliastraße. Diese wird vom Lerchenfelder Gürtel bis zur Feßtgasse neu gestaltet. Durch die Pflanzung von zahlreichen Bäumen und die Gestaltung moderner Staudenbeeten sowie der Installation von Wasserspielen soll das Mikroklima im stark verbauten Gebiet verbessert werden. Mit bis zu sechs Meter breiten Gehsteigen wird die Thaliastraße zudem zum "Boulevard", wo Fußgänger sicher flanieren können. Denn durch Straßenumbau-Maßnahmen sowie zusätzliche Beleuchtungen soll die Sicherheit gesteigert werden.

Die starre Trennung von Fahrbahn und Gehbereich wird mittels einer fast niveaugleichen Ausgestaltung der Thaliastraße aufgebrochen. Zukünftig wird ein nur mehr drei Zentimeter hoher Randstein die Fahrbahn von Gehweg beziehungsweise Parkstreifen trennen. Die Gehsteige selbst werden bis zu den bestehenden Gleisen vorgezogen. Dadurch ergibt sich eine Erweiterung der Gehsteigbreite auf etwa sechs Meter.

Radfahren gegen die Einbahn in den Quergassen

In den Quergassen (einzige Ausnahme ist die Liebhartsgasse zwischen Bachgasse und Thaliastraße) wird künftig Radfahren gegen die Einbahn ermöglicht. Zudem wird das bereits bestehende Angebot der Rad-Abstellanlagen erweitert. Mit Ausnahme der Straßenbahn wird die Höchstgeschwindigkeit im ersten Teilabschnitt vom Gürtel bis zur Feßtgasse 30 km/h betragen.

Entlang des gesamten Straßenzuges sowie in den angrenzenden Seitengassen werden heuer im ersten Bau-Abschnitt 91 Bäume gepflanzt, viele Sitzmöbel, ein Dutzend Trinkbrunnen sowie 23 Nebelstelen und drei Wasserspiele mit Bodendüsen installiert. Das bei allen Wasserelementen anfallende Wasser wird in die angrenzenden Grünflächen als zusätzliche Bewässerung geleitet.

Begrüntes Wartehäuschen für die Feßtgasse

Für eine Verbesserung der Lichtsituation werden zehn neue Leuchten in den Bereichen der künftigen Aufenthaltszonen sorgen. Zum konsumfreien Verweilen sollen entlang des ersten Bauabschnittes rund 120 Sitzgelegenheiten einladen. Die Station Feßtgasse stadtauswärts wird zudem etwas nach Osten verschoben, so dass ein begrüntes Wartehäuschen Platz findet.

Die Wendgasse wird – anschließend an die Straßenbahnhaltestelle – als erweiterter Platzbereich der Thaliastraße gestaltet. Sitzmöglichkeiten unter schattenspendenden Bäumen und ein groß angelegtes Wasserspiel sorgen dabei für Erholung und Abkühlung. Hierfür wird die Wendgasse künftig als Sackgasse von der Bachgasse kommend geführt.

Zwei Wasserspiele am Hofferplatz

Am Vorplatz des Familienfreibades am Hofferplatz werden zehn Bäume gepflanzt und zwei Wasserspiele errichtet. Ein großer, mit Betonstein gepflasterter Aufenthaltsbereich inklusive elf Sesseln, drei Tischen und einer Bank lädt künftig zum Verweilen ein. Die dort befindliche City Bike Station wird in die Seitengasse versetzt.

"Ich freue mich auf die Aufwertung dieser so zentralen Straße in meinem Heimatbezirk, im Zentrum steht auch auf dieser stark genützten Straße abschnittsweise Begrünung und Cooling, um auf die durch Klimawandel bedingten Hitzeinseln zu reagieren und den Aufenthalt in der Einkaufsstraße angenehmer zu gestalten. Der Wunsch nach Bäumen und Cooling-Maßnahmen wurde von Seiten der Ottakringerinnen und Ottakringer massiv eingefordert und wir kommen diesem Wunsch natürlich nach, ist unser Ziel doch stadtweit die Bekämpfung der Hitzeinseln", meint Planungs-Stadträtin Ulli Sima (SPÖ). 

Einbindung von Anrainern und Geschäftsleuten

Von April bis September 2020 organisierten Bezirksvorstehung und Gebietsbetreuung Stadterneuerung (GB*) eine umfassende Beteiligung. Anrainer, Straßennutzer und Geschäftsleute waren eingeladen, ihre Ideen, Wünsche und Vorstellungen zur Neugestaltung einzubringen. "Es ist schön zu sehen, wie engagiert die Ottakringerinnen und Ottakringer mit ihren Ideen an der Neugestaltung 'ihrer' Thaliastraße mitwirken. Die Gebietsbetreuung Stadterneuerung hat – durch Corona bedingt vor allem online – die Wünsche und Ideen der Anrainerinnen und Anrainer gesammelt. Selbst mitzureden macht Spaß – und stärkt die Nachbarschaft", so Vizebürgermeisterin Kathrin Gaal (SPÖ), die für die Gebietsbetreuung zuständig ist.

Neben Online-Befragungen nutzten auch viele Anrainer weitere Beteiligungsformate, um sich zu informieren und sich einzubringen – wie Videochats, einen Ideenbriefkasten, das E-Mail-Service und telefonischen Kontakt. An fünf Terminen wurde via Live-Videochat mit Experten zu unterschiedlichen Themen diskutiert und Fragen der Teilnehmenden beantwortet. Im Sommer konnten vier Gesprächstermine vor Ort in der Thaliastraße stattfinden. Viele Bewohner und Geschäftstreibende nutzten diese Gelegenheit mitzureden und Ideen für die Neugestaltung einzubringen. Mehr als 2.000 Personen brachten sich mittels Online-Fragebogen ein, am gesamten Prozess haben sich fast 3.000 Menschen beteiligt.

ÖVP bringt Antrag auf Bürgerbefragung ein

"Mein Dank gilt allen, die so intensiv am Beteiligungsverfahren mitgearbeitet haben, das Ergebnis ist großartig. Trotz Corona konnten wir die Bevölkerung und die Wirtschaftstreibenden breit einbinden und deren Wünsche einfließen lassen. Durch die baulichen Maßnahmen schaffen wir mehr Platz und sorgen für mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer und zugleich schaffen wir zahlreiche Oasen, die zu jeder Jahreszeit ihren Charme haben", erklärt Bezirksvorsteher Franz Prokop (SPÖ).

Anlässlich der heute präsentierten Pläne zum Umbau der Thaliastraße bringt die neue Volkspartei Ottakring morgen, Donnerstag, einen Antrag auf Bürgerbefragung in die Bezirksvertretung Ottakring ein. VP-Wien Verkehrssprecher Wolfgang Kieslich und der Bezirksparteiobmann der neuen Volkspartei Ottakring, Stefan Trittner, unterstreichen mit einem Antrag ihre Forderung, dass die Bürger das letzte Wort über den umstrittenen Umbau haben sollen.

152 Parkplätze fallen weg

"Was bei der Mariahilfer Straße möglich war, muss auch bei der Thaliastraße möglich sein. Wenn SPÖ und Grüne von ihren Plänen überzeugt sind und denken, dass die Bürgerinnen und Bürger genau das wollen, dann sollen sie auch mutig und ehrlich genug sein, diese Pläne einer Abstimmung zu stellen. Verkehrsplanung muss mit den Bürgern geschehen, und nicht gegen sie", so Kieslich. "Dieses Bürgerbeteiligungsverfahren war angesichts eines von SPÖ und Grünen vorausgewählten Siegerprojekts, geheim gehaltener Fragebögen und ausschließlicher online Veranstaltungen intransparent, unglaubwürdig und in Summe eine Farce. Die große Mehrheit der älteren Menschen, die keine Videocalls nutzen, konnte gar nicht teilnehmen. Auf dieser Basis darf die zentrale Verkehrsachse und größte Einkaufsstraße in Ottakring nicht umgebaut werden. Ich fordere daher Bezirksvorsteher Prokop sowie SPÖ und Grüne auf, ihre Pläne allen Ottakringerinnen und Ottakringern zur Abstimmung vorzulegen", erklärt Trittner. Zudem würden von 250 Parkplätzen nur 98 übrig bleiben.

Die ÖVP kritisiert das bisherige Planungsverfahren: So wurde erst durch einen Medienbericht im vergangenen Sommer bekannt, dass offenbar schon seit mehreren Monaten ein Siegerprojekt feststand – obwohl das Bürgerbeteiligungsverfahren gerade erst begonnen hatte. Auch die Zahl an ausgefüllten Fragebögen sei mit 2.180 nicht repräsentativ, wenn man bedenkt, dass Ottakring rund 104.000 Einwohner hat. Zudem wurden die Fragebögen bis heute nicht veröffentlicht und können auch von den anderen Fraktionen der Bezirksvertretung nicht eingesehen werden.

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