"The Medium" im Test: Ein Horror-Schocker auf PS5

Aus dem Hause Blooper Team erscheint ein fesselnder Horror-Schocker: "The Medium" entführt uns in eine Parallelwelt mit schaurigem Monster.

"The Medium" versetzt Spieler in die Rolle von Marianne, die über ihre außersinnliche Erlebnisse wahrnehmen kann. Setzt ihre Fähigkeit ein, kann sie sich in einer Art Parallelwelt zur Realität einfühlen und diese sogar zu Teilen erforschen. Da ihre Gabe außerordentlich stark ist, beschränkt sie sich aber nicht nur auf die Parallelwelt. Auch in ihrer Realität kann Marianne Emotionen, Erinnerungen und bedeutende Geschehnisse nicht nur bei Personen, sondern auch mit dem Berühren von Gegenständen wahrnehmen, die anderen einfach verborgen bleiben würden.

Blooper Team hat seine Heldin im neuen Abenteuer für PS5, Xbox Series X|S und PC aber auch mit weiteren Fähigkeiten ausgestattet. So kann sie mit dem berühren von Gegenständen Storyfetzen zu Handlungssträngen zusammensetzen, um mehr über die Geschichte zu erfahren, oder aber auch eine Art telekinetischen Angriff ausführen oder eine Psi-Schutzschicht um sich herum errichten, um sich gegen Angreifer zu wehren. Was allerdings etwas kurios ist: Die übernatürlichen Kräfte müssen, um sie zu aktivieren, an einer Art "Ladestation" aufgefüllt werden.

Game spielt parallel in den zwei Welten

Der Sinn des Spiels, ohne zu spoilern: Marianne soll in der Parallelwelt festsitzende Seelen erlösen, während ein gruseliges Monster genau das zu verhindern versucht. Gespielt wird unsere Heldin dabei in der Third-Person-Perspektive, nur bei der Erforschung von Objekten und Gegenständen wechselt die Kamera in die Ego-Perspektive. Die Spielwelt selbst könnte den größten Horror-Meisterwerken entsprungen sein, allerdings sind die Areale vom Bunker über das Schwimmbad bis hin zum Grusel-Hotel nicht allzu frei begehbar, sondern mit künstlichen Absperrungen versehen.

Eine Besonderheit ist nicht nur der immer wieder geschehende Wechsel zwischen der Realitäten, sondern auch, dass sie zum Teil parallel gespielt werden. Dazu wird mitunter auf Splitscreen umgeschaltet, während man Schleich- und Versteckpassagen in beiden Welten zeitgleich vollführt. Großartig, denn die Spielszenen sind wahnsinnig spannend inszeniert und trotz "doppeltem" Bildschirm geht die Übersicht nicht verloren. Abseits davon spielen sich viele Szenen auch getrennt voneinander in den beiden Welten ab, zwischen denen man später im Spiel durch einen Spiegel wechseln kann.

Sinnvoll gesetzte Schauer-Momente

Das rund 15 bis 20 Stunden lange Game serviert neben der neuartigen Perspektive einen eher klassischen Mix aus Schleich-, Rätsel- und Erkundungssequenzen, die an Spiele-Größen wie "Silent Hill" oder "Until Dawn" erinnern. Immer wieder kommen geskriptete Passagen zum Einsatz, die sich aber nie abnutzen, sondern sinnvoll eingesetzt werden und atmosphärisch umgesetzt wurden. Die eine oder andere Passage vor allem bei vorgefertigten Fluchtpassagen gibt es, jedoch in der man im ersten Durchgang scheitert, da man nicht sofort weiß, was genau von einem verlangt wird. 

Bei Rätseln und beim Schleichen bleibt "The Medium" eher konservativ: Die Passagen leben vom Zusammenspiel der beiden Realitäten und der Levelgestaltung, weniger von den Gefahren in der Spielwelt, von denen es sowieso nicht sonderlich viele gibt. Auch bei Rätseln ist meist sofort klar, was vom Spieler verlangt wird, wenn etwa Durchgänge blockiert sind und per Wechsel in die andere Realität freigelegt werden sollen. Spannend macht das Spiel allerdings, dass man auch aus seinem Körper "aussteigen" und in die "Geisterwelt" wechseln darf, man das allerdings nicht allzu lange tun sollte, da sonst der Spieltod droht. Dazu kommt auch noch das ständige Gefühl der Gefahr, die hinter jeder Ecke lauern könnte.

Nach und nach offenbart sich die Story

Generell ist "The Medium" kein Spiel, bei dem einem Blut und Gedärme um die Ohren fliegen, jede Sekunde ein Jumpscare über den Bildschirm blitzt oder Horden von Monster den Spieler durch die Gänge jagen. Das zeigt sich als meisterliche Entscheidung, denn statt billiger Effekte gibt es im Game spannend aufgebaute und echt unheimliche Passagen, die sowohl bei der Erzählung, als auch beim Gameplay einiges hermachen. Dazu gibt es einen sehr intensiven Soundtrack, der die Geschehnisse unterstreicht, und eine tolle Sprachausgabe. Letztere geschieht auf Englisch, Deutsch sind die Untertitel.

Auch bei der Handlung zeigt Blooper Team Zurückhaltung. Nur die Eckpunkte der Story sind anfangs an klar, erst mit dem Fortkommen im Spiel eröffnen sich neue Details, die durchaus gelungen ausfallen und glaubhaft wirken. Leider gibt es im Gameplay aber auch Passagen, die einfach zu simpel und aufgesetzt daherkommen: So muss man manchmal einfach leuchtenden Spuren zu einem Geheimnis oder Objekt folgen und dann wiederum Gegenstände verschieben, die passend mitten am Bildschirm platziert wurden, um sie gleich zu erkennen. Etwas mehr Such- und Rätselmotivation hätte es da ruhig sein dürfen.

Technisch großartige Umsetzung

Ganz große Klasse sind aber wiederum das Design der Spielwelt und die Grafik. Die düsteren Korridore, Gänge, Zimmer und Häuser leben von fantastischen Licht- und Schatteneffekten wie glühendem Feuerschein oder durch das Fenster einfallendes Mondlicht. Dazu kommen auch nette Easter Eggs aus anderen Spielen des Studios wie "Blair Witch", "Observer" und "Layers of Fear". Auch unsere Spielfigur sieht grandios aus, samt passender Mimik und Gestik, was man allerdings nicht wirklich vom Monster oder den paar wenigen anderen Charakteren im Spiel behaupten kann, die eher grob auftreten.

Während sich die Heldin superflüssig spielt und präzise auf die Steuerung reagiert, gibt es in der PlayStation-5-Version fast keine Ladezeiten. Genial ist auch der Einsatz der neuen Möglichkeiten des PS5-DualSense-Controllers. Beim Aufladen des spirituellen Stoßes unserer Heldin lässt der Gegendruck an der Schultertaste langsam nach, bei der Nutzung der Schutzblase spürt man durch das haptische Feedback jeden einzelnen Einschlag der feindlichen Motten im Spiel und der Controller beginnt gar zu zucken, wenn man in Schleichpassagen die Luft anhalten muss. Technisch großartig!

Ein Horror-Schocker auf PS5

"The Medium" spielt dich großteils wie ein klassisches Horror-Erlebnis, begeistert abseits davon aber mit schlau genutzten Möglichkeiten wie den grafischen Effekten und der neuen Steuerungsoption der PS5-Next-Gen-Konsole. Vor allem die gut geskriptete Handlung und die Nutzung der parallelen Spielwelten macht "The Medium" zu einem außergewöhnlichen Horror-Erlebnis. Minuspunkte gibt es für die allzu simplen Rätsel und Erkundungspassagen sowie den im Gegensatz zur Hauptdarstellerin technisch etwas grob umgesetzten Nebenfiguren.

Blooper Team zeigt einmal mehr, für was das Studio gefeiert wird: "The Medium" bietet ein grandioses Art-Design und technisch sauber umgesetzten Psycho-Horror, der auf Klasse statt Masse setzt. Im Angesicht dessen verzeiht man dem Titel seine kleinen Mankos gerne und freut sich über ein spannendes und überraschend ausführliches Grusel-Erlebnis. Bonuspunkte gibt es zudem für die geniale Umsetzung auf der PlayStation 5 beinahe ohne Ladezeiten und mit einem beeindruckenden Feedback durch den neuen DualSense-Controller.

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