Pünktlich zum 20-jährigen Jubiläum von "Tom Turbo" erscheint endlich der erste Kinofilm über den berühmten Fahrrad-Detektiv: "Tom Turbo - Von 0 auf 111" (ab 20.12.). Ein greller Kinderspaß für Langzeitfans und Neulinge, der erzählt, wie das sprechende Fahrrad entstanden ist. Sein Schöpfer, Thomas Brezina, kam dafür extra nach Wien, um den Journalisten Frage und Antwort zu stehen. Mit "Heute" plauderte der Autor und Fernsehstar über Nervösität, Inspiration im Alltag und Achterbahnfahrten.
Pünktlich zum 20-jährigen Jubiläum von "Tom Turbo" erscheint endlich der erste Kinofilm über den berühmten Fahrrad-Detektiv: "Tom Turbo - Von 0 auf 111" (ab 20.12.). Ein greller Kinderspaß für Langzeitfans und Neulinge, der erzählt, wie das sprechende Fahrrad entstanden ist. Sein Schöpfer, Thomas Brezina, kam dafür extra nach Wien, um den Journalisten Frage und Antwort zu stehen. Mit "Heute" plauderte der Autor und Fernsehstar über Nervösität, Inspiration im Alltag und Achterbahnfahrten.
Heute: Herr Brezina, seit 1993 läuft "Tom Turbo" erfolgreich im ORF. Wann kam zum ersten Mal die Idee, daraus einen Film zu machen?
Thomas C. Brezina: Vor etwa eineinhalb Jahren ist diese Idee aufgetaucht und an mich herangetragen worden. Ich hab mir gedacht, es muss wirklich etwas Besonderes sein, nicht nur eine große Fernsehfolge. So ist die Idee entstanden zu erzählen, wie Tom Turbo überhaupt zum Leben gekommen ist - das habe ich in 20 Jahren noch nie erzählt und das war für mich eine Herausforderung, dazu die Geschichte zu schreiben.
Heute: Wie aufwendig war dabei die Suche nach den beiden jungen Hauptdarstellern, Karo und Klaro? Hatten Sie da Mitspracherecht?
Brezina: Ja, das hab ich immer. Wir haben einen Aufruf gemacht und wurden regelrecht gestürmt. Aus aberhunderten Bewerbungen sind 400 Kinder ausgesucht und getestet worden. Am Ende sind dann Theresa und Nepomuk übrig geblieben und wir haben einen Volltreffer gemacht mit den beiden.
Heute: War es für Sie persönlich eine Umstellung vom TV-Moderator zur großen Leinwand?
Brezina: Nein, ich seh mich auch weniger als Präsentator, gerade bei "Tom Turbo" habe ich gelernt zu spielen. Aber ich spiele ja mich selber, das Wichtigste ist, dass ich einfach ich selbst bin und das ist gar nicht so schwierig. (er muss lachen)
Heute: Ist man nach der vielen TV-Erfahrung eigentlich noch nervös?
Brezina: Bei Dreharbeiten, muss ich ehrlich sagen, bin ich nicht nervös. Vor Auftritten immer noch. In dem Moment, wo ich irgendwo auftrete, bin ich immer angespannt und ich glaube, dass gehört auch dazu. Bei Dreharbeiten ist das anders, da feue ich mich einfach drauf.
Heute: Der Thomas Brezina im Film hat ja große Probleme damit, einen Krimistoff zu finden, der echte Thomas Brezina hat über 500 Bücher geschrieben. Hatten Sie jemals so etwas wie eine Schreibblockade?
Brezina: Eine richtige Schreibblockade hatte ich nicht. Es gibt Zeiten, da fließen die Ideen nicht so. Das ist schon bedrückend, da fühle ich mich nicht ganz so wohl. Heute kenne ich eine Menge Tricks, die man da anwenden kann: indem man sich entspannt, verreist, sich mit etwas ganz anderem beschäftigt. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten und aus einem Nichts heraus geht's plötzlich los, dann spürt man, ob eine Idee richtig ist oder nicht. Was im "Tom Turbo"-Film erzählt wird, ist die Wahrheit: Ich wollte über zwei Kinder und ein sprechendes Pferd schreiben, aber es hat nicht funktioniert. Und dann kam die Idee des Fahrrads. Mein eigenes Fahrrad war die große Freiheit als Kind, ich hatte ein Radio und viele Dinge dazugebaut. Plötzlich dachte ich daran zurück, hab mich an den Schreibtisch gesetzt und geschrieben.
Heute: Haben Sie sonstige Inspirationsquellen, auf die Sie immer wieder zurückgreifen können?
Brezina: Meine Inspirationsquelle ist der gesamte Tag. Ich versuche so aufmerksam wie möglich durch den Tag zu gehen, denn Ideen sind überall. Ich mache sehr viele Notizen und von 1.000 Ideen, die ich notiere, verwende ich dann die 50 besten.
Heute: Tom Turbos Bosse, Karo und Klaro, sind sehr kreative, fantasievolle Kinder. Was halten Sie von der gängigen Kritik, dass die Jugend heute keine Fantasie mehr hat?
Brezina: Ich halte von Verallgemeinerungen überhaupt nichts. Das ist absoluter Quatsch. Ich glaube, es gibt unheimlich fantasiebegabte Kinder, nur sie gehören mehr gefordert und gefördert. Man sollte ihnen vermitteln, wie großartig es ist, etwas zu gestalten. Kinder werden heute schon in sehr viele Kästchen hineingepresst, damit sie passen. Davon halte ich nichts.
Heute: Sind die Kinder heute schwerer zu erreichen als vor 20 Jahren?
Brezina: Nein, das spüre ich überhaupt nicht, denn die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder sind völlig gleich geblieben. Sie wollen Abenteuer, sich ausprobieren und in einer Geschichte kann man das. Viele meiner Bücher sind wie Achterbahnfahrten, da muss man sich trauen, in den Wagen einzusteigen und dann geht es rauf und runter, aber man weiß, am Ende kommt man sicher an. Mein Herz gehört all den Kindern, die nicht so gerne lesen, da achte ich drauf, dass meine Bücher so vielen Kindern wie möglich zugänglich sind.
Heute: Wenn man sich so lange mit einer Figur beschäftigt wie Sie sich mit Tom Turbo, wird man ihrer dann irgendwann überdrüssig?
Brezina: Nein. Das darf man nicht. Man muss immer schauen, womit man sich selber überraschen kann, dann überrascht man auch seine Leser. Wenn ich das nicht mehr kann, dann höre ich auf.
Heute: Also hatten Sie noch nie das Bedürfnis, den "Drahtesel" ins Eck zu stellen?
Brezina: Nein, der Tag ist noch fern.
Heute: Spüren Sie überhaupt noch Druck?
Brezina: Na ja, den Druck macht man sich selber, aber das ist gar nicht so schlecht. Ich versuche einfach, mit größtmöglicher Freude meine Geschichten zu erzählen. Wenn eine positive Energie irgendwo hineinfließt, dann spürt man das auch.
Heute: Was würden Sie einem jungen Menschen mitgeben, der heute Autor werden möchte?
Brezina: Ganz einfach: hinsetzen, schreiben und nicht lang nachdenken, was daraus werden könnte. Denn jeder, der nach dem Erfolg späht, hat schon verloren. Jeder, der Spaß am Schreiben hat, hat schon mal eins - Spaß am Schreiben. Das ist die Basis.
Heute: Glauben Sie, dass es heute schwieriger geworden ist, vom Schreiben zu leben?
Brezina: Ja, das glaube ich absolut. Ich rate auch niemanden, Texte an Verlage zu schicken, weil die oft ungelesen zurückkommen. Auf der anderen Seite hat man heute mit dem Internet ganz andere Möglichkeiten, Texte zu veröffentlichen. Wenn jemand heute gerne schreibt, soll er Blogs schreiben. Daraus kann eine Menge werden.
Heute: Nachdem der "Tum Turbo"-Film nun anläuft, gibt es schon Ideen für eine Fortsetzung?
Brezina: Das hängt von mehreren Dingen ab. Ich kann mir aber auch durchaus vorstellen, andere meiner Bücherfiguren in ein Kinoabenteuer zu schicken, weil das immer die Krönung einer Geschichte ist.
Heute: Wie sehen Ihre Zukunftsprojekte abseits von "Tom Turbo" aus?
Brezina: Ich arbeite an mehreren Fernsehprojekten und schreibe natürlich nach wie vor Bücher. Ich verfasse eine neue Reihe, die heißt "Liss Kiss", sowie eine neue Krimiserie für etwas ältere Teenager. Bei mir ist immer sehr viel los.
Heute: Letzte Frage, Herr Brezina: Was ist Ihr persönlicher "Tom Turbo"-Lieblingstrick?
Brezina: Das werde ich oft gefragt. Persönlich habe ich den Turbo-Aufräumtrick am liebsten. Den finde ich faszinierend und äußerst praktisch.
Heute: Vielen Dank für das Interview.
Interview: Constantin Schwab
"Tom Turbo - Von 0 auf 111" läuft ab 20.12. in den österreichischen Kinos.