TikTok-Video mit Tipps zum Geldverdienen geht viral

Eigentlich hatte Sarah Frank nur ein Video für ihre Fans auf TikTok laden wollen. Als dieses viral ging, gab es unvorhergesehene Folgen.

Als die Tiktokerin Sarah Frank Ende Juli ein 53 Sekunden langes Video auf ihren Kanal lud, dachte sie sich nichts dabei. Schließlich handelte es sich um ein Video, wie es hunderte andere auch gibt. Darin erklärt die Teenagerin, wie sie sich nebenbei eine kleine Summe an Taschengeld dazuverdient. "Das ist ganz einfach, ihr müsst dazu nur auf der Website mit Namen Prolific eine Reihe an Fragebögen ausfüllen", erklärt sie im Clip.

Doch dann geht das Video viral und zählt nur einen Monat später bereits 4,1 Millionen Views. Tausende Personen, die das Video gesehen haben, melden sich plötzlich auf der Wissenschaftsplattform an und beginnen damit, an den Studien teilzunehmen. Das Problem dabei: Es handelt sich dabei hauptsächlich um Personen mit sehr ähnlichem Hintergrund, in derselben Altersklasse und sogar oft mit demselben Geschlecht. Für wissenschaftliche Studien, die auf eine durchmischte Teilnehmergruppe angewiesen sind, ist das nicht ideal.

Nutzerzahl verdoppelt

Schnell fiel den Forschenden, die ihre Studien über diese Seite anpreisen, auf, dass etwas nicht stimmte. So schrieb ein Wissenschaftler aus San Francisco auf Twitter: "Ich analysiere 300 Teilnehmer und Teilnehmerinnen, 91 Prozent davon sind weiblich, sieben Prozent männlich. Ich glaube nicht, dass ich etwas falsch codiert habe. Wie kann sowas passieren?"

Ähnliches berichtet ein Mitglied des Stanford Behavioral Laboratory laut theverge.com. "Wir haben festgestellt, dass wir einen enormen Zuwachs an Partizipierenden auf Prolific verzeichnen können – von 40.000 auf 80.000. Das ist großartig, aber unsere Studien haben plötzlich eine große Geschlechter-Neigung mit bis zu 85 Prozent Frauenanteil. Außerdem ist das mittlere Alter nun bei 21 angesiedelt."

Andere Nutzende erzürnt

Lange Zeit war für die Forschenden nicht klar, wie es zu diesem plötzlichen Umschwung bei der Demografie ihrer Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen konnte. Erst als die Psychologin Hannah Schechter über das Video von Frank stolperte, glaubte sie, eine Erklärung gefunden zu haben. "Es ist vielleicht etwas weit hergeholt, aber wenn man das Timing, die Viralität und die Demografie der Followerinnen und Follower dieser Userin in Betracht zieht…", schrieb sie auf Twitter.

Über die plötzliche Popularität der Wissenschafts-Website ärgern sich aber auch die alteingesessenen Userinnen und User. "Jetzt ist es einfach eine weitere Seite, auf der wir nur Pennies verdienen", äußert sich ein Nutzer, der angibt, zuvor pro Woche rund 30 Dollar über Prolific verdient zu haben. Auch Frank sei aufgefallen, dass neuerdings weniger Studien auf der Website erhältlich sind. "Ich habe einige gemeine Kommentare erhalten, die mich anklagen, ich hätte die Website im Alleingang ruiniert und sei egoistisch – dabei habe ich gar keine Kompensation für mein Video erhalten."

Rückgang zu bemerken

Der Co-Gründer und CTO von Prolific, Phelim Bradley, glaubt aber nicht, dass der Hype der Website nachhaltig schaden wird. So sei bereits jetzt wieder ein kleiner Rückgang in den Nutzerzahlen zu beobachten, sagt er gegenüber theverge.com. "Vor TikTok waren ungefähr 50 Prozent unserer Userinnen und User Frauen. Einige Tage lang stieg dies auf 75 Prozent an, jetzt sind wir aber wieder bei rund 60 Prozent angelangt."

Bradley schätzt, dass rund 4.600 verschiedene Studien aufgrund des TikTok-Videos gestört wurden. Viele davon könnten jedoch gerettet werden – wenn auch nicht alle. Außerdem hat Prolific die Website-Kosten an jene Studienleiterinnen und -leiter zurückgezahlt, deren Studien durch den TikTok-Hype unbrauchbar geworden sind.

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