Welt

Timoschenko will Ukraines Präsidentin werden

Heute Redaktion
14.09.2021, 02:40

Mit der angekündigten Kandidatur bei der Präsidentenwahl am 25. Mai kehrt die frühere Regierungschefin Julia Timoschenko endgültig zurück ins politische Rampenlicht der Ukraine. Die Bühne hatte die charismatische 53-Jährige sowieso nie ganz verlassen, auch nicht in zweieinhalbjähriger Lagerhaft.

endgültig zurück ins politische Rampenlicht der Ukraine. Die Bühne hatte die charismatische 53-Jährige sowieso nie ganz verlassen, auch nicht in zweieinhalbjähriger Lagerhaft.

"Ich habe vor, für den Präsidentenposten zu kandidieren", sagte die 53-Jährige. Sie wolle sich am 29. März auf einem Kongress ihrer Vaterlandspartei (Batkiwschtschina) von den Delegierten bestätigen lassen, sagte die Ex-Ministerpräsidentin. Die Wahl ist für den 25. Mai angesetzt.

Bisher hatte sich die 53-Jährige nicht selbst zu einer Bewerbung geäußert. In Umfragen liegt sie gleichauf mit Ex-Boxweltmeister Vitali Klitschko auf Rang zwei, aber abgeschlagen hinter dem Milliardär Pjotr Poroschenko. 2010 hatte Timoschenko die Stichwahl um das Präsidentenamt gegen ihren mittlerweile gestürzten Erzrivalen Viktor Janukowitsch verloren.

Nach Klinikaufenthalt in Berlin

Während ihrer umstrittenen Freiheitsstrafe wegen Amtsmissbrauchs hatte Timoschenko bereits ein ums andere Mal mit flammenden Appellen bewiesen, dass sie besser als jeder andere die Stimmung im Volk erahnt. Nun scheint sie nach einer medizinischen Behandlung in Berlin voll Tatendrang - obwohl sie in Umfragen nur auf Platz zwei liegt.

Im Rollstuhl und gezeichnet von der Haft hatte sich Timoschenko Ende Februar in der Freiheit zurückgemeldet - mit einer Rede vor Zehntausenden auf dem Unabhängigkeitsplatz (Maidan) in Kiew. Ihr Erzfeind Viktor Janukowitsch, gegen den sie 2010 in der Stichwahl unterlag, ist gestürzt und nach Russland geflohen. Zum Greifen nah scheint nun das Ziel, das die Vollblutpolitikerin seit Jahren im Visier hat: das Präsidentenamt in Europas zweitgrößtem Flächenstaat.

Die in Dnjepropetrowsk geborene "Gasprinzessin" hat nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 ein immenses Vermögen angehäuft. Politische Gegner werfen ihr undurchsichtige Geschäfte vor.

Auf dem Maidan, wo Timoschenko schon als Anführerin der Orangenen Revolution 2004 die Massen in den Bann zog, gab es bereits Pfiffe. Ein böses Vorzeichen sehen Experten darin aber nicht: Timoschenko gilt als Kämpferin - und bis zur Wahl bleiben ihr noch zwei Monate.

So sehen nicht wenige ein offenbar abgehörtes Telefonat als Teil ihrer Strategie. "Ich bin selbst bereit, eine Kalaschnikow in die Hand zu nehmen und dem Dreckskerl in den Kopf zu schießen", sagt Timoschenko darin - wohl mit Verweis auf Kremlchef Wladimir Putin.

International sorgte für Empörung. Aber Kritiker schließen nicht aus, dass der Mitschnitt ein Teil ihrer Wahlkampagne ist. Vor allem im antirussisch geprägten Westen der Ukraine könnte Timoschenko damit dringend benötigte Sympathiepunkte sammeln.

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