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Tinder-Schwindler zockte Frauen gnadenlos ab

Shimon H. hat mehreren Frauen Geld abgeknöpft. Seine Spuren führen nach Europa.
Heute Redaktion
13.09.2021, 17:57

Der Israeli Shimon H. wird wegen schweren Betruges gesucht: Er gab sich laut einer norwegischen Zeitung unter falschem Namen als Erbe eines milliardenschweren Diamantenimperiums aus und schlug Firmen lukrative Geschäfte vor. So habe er seit 2008 mindestens ein Dutzend Frauen, Ehepaare und Unternehmen hinters Licht geführt.

Auf Tinder flirtete H. mit Frauen – chattete und telefonierte mit ihnen und gab den charmanten Gentleman, bis er irgendwann Geld verlangte. Er schickte Liebesbekundungen, übernachtete mit Damen in Nobelhotels oder jettete mit ihnen im Privatflugzeug um die Welt – bis ihm seine Opfer völlig vertrauten. Dann stellte er Forderungen: 10.000 Euro Vorauszahlung, um ein Millionengeschäft abzuschließen. Oder unbeschränkten Zugriff auf die Kreditkarte.

Mehr als halbe Million ergaunert

Doch H. flog auf. Das norwegische Boulevardmagazin VG hat den Tindler-Schwindler in monatelanger Recherche überführt. Es hat eines der Opfer, Pernilla Sjoholm aus Schweden, kontaktiert und sie über die Machenschaften über ihren angeblichen Freund, den sie unter dem Namen Simon Leviev kennenlernte, aufgeklärt.

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Als Pernilla ihn telefonisch zur Rede stellt, zeigt H. sein wahres Gesicht: "Wenn du gegen mich vorgehst, wirst du das dein ganzes Leben bereuen. Du wirst dafür bezahlen", droht er ihr. Sie und ein weiteres Opfer, Cecilie Fjellhoy aus Norwegen, haben H. inzwischen trotzdem angezeigt.

Insgesamt soll der Tindler-Schwindler mehr als eine halbe Million Euro ergaunert haben. Schon 2011 sei er in Israel wegen Diebstahls, Betrugs und Fälschung angeklagt gewesen. Vor Gericht sei er jedoch nie gestanden, da er sich nach Europa absetzte. Im Jahr 2016 wurde der stets gut gekleidete Israeli schließlich in Finnland wegen mehrfachen Betrugs zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und dann 2017 nach Israel ausgeliefert. Dort kam er gegen Kaution frei – und ist seither untergetaucht.

Der Betrüger war unter den Namen Michael Bilton und Simon Leviev unterwegs. Haben Sie Kontakt zu ihm gehabt? Schreiben Sie an [email protected]!

Spuren führen in die Schweiz

Doch nicht nur in Schweden, Norwegen, Deutschland oder den USA versuchte, er mit Frauen anzubandeln. Seine Reisen führten ihn auch in die Schweiz, berichtet der "Tages-Anzeiger". Sjoholm erhält ein Video, das H. mit einem Luxus-SUV, einem gemieteten Cadillac Escalade zeigt. Das Nummernschild ist in Appenzell-Innerrhoden registriert. "Das Auto ist im Schnee stecken geblieben, unglaublich!" H. chattete unter dem Namen Michael auch mit einer Frau, die sich in der Schweiz aufhielt.

Und auch weitere Spuren führen in die Schweiz: Laut dem Bericht hat H. über die Kreditkarten seiner Opfer Flüge mit der Zwischenstation Zürich gebucht. Mittlerweile laufen gegen den mutmaßlichen Betrüger Strafverfahren in Israel und in Deutschland. In Schweden, England und Norwegen sind wegen Betrugs Anzeigen eingegangen. Noch befindet sich der Gesuchte aber auf der Flucht.

So strickte der Betrüger sein Netz

Auch Tamara* aus Luzern passte ins Beuteschema. Die 30-jährige, blonde Frau lernte den Betrüger unter dem Namen Michael auf Tinder kennen. "Im September 2018 trafen wir uns das erste Mal im Hotel Savoy und gingen essen", so Tamara zum "Heute"-Schwesternmedium "20 Minuten". Insgesamt habe er sie vier Mal ausgeführt, das letzte Mal Anfang Februar im Flughafenrestaurant Raddison Blu am Flughafen Zürich.

Geld habe für ihn anscheinend keine Rolle gespielt. "Wir bestellten immer die teuersten Flaschen Wein und er hat mich immer eingeladen." Nichts hätte darauf hingewiesen, dass er ein Trickbetrüger sei. Zudem sei die Beziehung rein platonisch gewesen. "Michael trat mir gegenüber als gläubiger Jude auf, der jeden Schabbat begeht und außerhalb der Ehe keinen Sex hat", sagt Tamara.

Dazu habe gepasst, dass er ihr von seiner rund fünfjährigen Tochter erzählt hatte, die in Schweden lebte. "Er zeigte mir sogar Bilder und Videos von ihr." Sie zeigt sich geschockt: "Ich hätte niemals gedacht, dass er mich die ganze Zeit angelogen hat."

*Name der Redaktion bekannt

(woz/dk/pic)

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