Welt

Tod im Sand – nur eine Hand ragte noch heraus

Heute Redaktion
13.09.2021, 23:34

Eine 30-Jährige verschwand bei einem Spaziergang, am nächsten Morgen wurde ihre Leiche entdeckt: Sie erstickte in einer Sandgrube eines Strandbesuchers.

Ashley O. genoss ihre Ferien am Atlantikstrand von Ocean City im US-Gliedstaat Maryland. Die 30-jährige Texanerin aus Plano verbrachte den Sonntag vor einer Woche mit ihren Eltern, bevor sie sich spät in der Nacht um 2 Uhr von ihnen trennte.

Am nächsten Morgen wurde sie von einem Passanten entdeckt – sie lag tot unter dem Sand begraben.

Laut der örtlichen Polizei ist O. erstickt, wiedie Zeitung "USA Today" schreibt. Die Frau lag in einem Loch, das wahrscheinlich Strandbesucher im Verlauf des Tages gegraben hatten.

Ein Spaziergänger entdeckte das Opfer am frühen Morgen. Nach Angaben der Polizei ragte nur noch eine Hand aus dem lockeren Sand. Die Ermittler wissen nicht, ob die Texanerin in die Grube stürzte oder absichtlich in sie hineinstieg.

Die Behörden stufen den Tod der jungen Amerikanerin als Unfall ein. Die Umstände in dunkler Nacht am Strand würden sich aber auch gut für einen perfekten Mord eignen. Gruben im Sand sind tückisch und viel gefährlicher, als man denkt, fand die Zeitung im Gespräch mit Experten heraus.

Unterschätzte Gefahr

Meist werde die Stabilität von Sandgruben überschätzt, so Stephen Van Ryswick vom Geologischen Amt von Maryland. Schwer berechenbar sei, wann ihre Wände zusammenstürzten, sagt er. Während ein Erdloch praktisch senkrechte Wände ertrage, erlaube der sogenannte Schüttwinkel von trockenem Sand bloß eine Neigung von 30 Grad.

Steilere Wände aus feuchtem Sand seien zwar stabil, weiß der Experte. Doch wenn der Sand austrockne, könnten sie bei der kleinsten Erschütterung plötzlich zusammenbrechen. Genau dies, vermutet die Polizei, widerfuhr Ashley O.

Ertrinken im Trockenen

Wenn Sand in die Atemwege gerät, droht unmittelbare Lebensgefahr. Dr. Brian Delligatti von einem regionalen Gesundheitszentrum vergleicht gegenüber "USA Today" das Ersticken im Sand mit dem Inhalieren von Wasser. Blockiere Sand das Atmen, könne in weniger als zehn Minuten der Tod eintreten, warnt der Arzt.

Die Rettungsschwimmer von Ocean City trainieren regelmäßig die Bergung von Verschütteten. (Bild: Town of Ocean City)

Als zusätzliches Risiko kommt hinzu, dass Sand schwer ist. Laut der US-Naturschutzbehörde wiegt ein Liter Sand mit einem Gewicht zwischen 1,6 und 1,8 Kilogramm fast zweimal so viel wie Wasser. Und anders als eine Flüssigkeit fließt Sand nicht weg. Schon wenige Kubikdezimeter Sand drücken mit großem Gewicht auf den Brustkorb. "Mechanisch gesehen, sind die Muskeln der Brustwand womöglich nicht fähig, den Druck zu überwinden und den Patienten atmen zu lassen", sagt Dr. Delligatti.

Dieses Jahr starben schon mehrere Menschen im Sand. Laut amerikanischen Medienberichten erstickte im Juli ein 12-jähriger Kalifornier, als er von einem einstürzenden Tunnel in einer Düne begraben wurde. Im Juni wurde in Indiana ein Teenager schwer verletzt: Er sprang in eine selbst gegrabene, zwei Meter tiefe Grube und die Wände brachen über ihm zusammen.

Warnungen und Regeln

Angesichts dieser Risiken warnen die Behörden davor, Sandgruben zu unterschätzen. In Ocean City begrenzen Vorschriften der Strandwache die Tiefe von Grabungen im Sand auf die Höhe der Knies der kleinsten Strandbesucher, also Kinder. Grundsätzlich gilt: Wer ein Loch gräbt, muss es wieder zuschütten:

(red)

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