Aufregung in Italien

Mann stirbt bei Polizeieinsatz - jetzt brisante Wende

Schwere Fehleinschätzungen des italienischen Notrufsystems fordern in Bologna ein Todesopfer. Der Marokkaner verstarb noch am Einsatzort.
Newsdesk Heute
22.07.2026, 15:25
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Auf den ersten Blick hat alles ganz anders ausgeschaut, als es dann wirklich war. Die ersten journalistischen Recherchen und die Aussagen von Augenzeugen sowie von Leuten aus dem Rettungsdienst in Bologna zeichnen ein anderes Bild – weder das eines gefährlichen Gewalttäters, den die Polizei mit aller Kraft bändigen musste, noch das einer übertrieben brutalen Amtshandlung durch die beiden Polizisten. Laut NTV wird immer klarer: Es dürfte eine tragische Aneinanderreihung von Fehlern gewesen sein, die zum Tod des 42-jährigen Marokkaners geführt hat.

Am Anfang stand eine fatale Fehleinschätzung. Sowohl die Polizei (112) als auch die medizinische Notrufzentrale (118) haben den Ernst der Lage offenbar nicht erkannt. Die Pannenserie startete schon bei der ersten medizinischen Bewertung in der Einsatzzentrale des italienischen Rettungsdienstes 118. Dort wurde der Notruf über einen Mann in psychischer Ausnahmesituation als "Codice Verde", also als wenig dringlicher Fall, eingestuft. Statt einem Notarzt oder einer spezialisierten Notfalleinheit wurde nur ein Rettungswagen mit vier Freiwilligen vom Italienischen Roten Kreuz losgeschickt – ohne Arzt und ohne professionell ausgebildete Rettungssanitäter.

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Als der Rettungswagen um 12.30 Uhr ankam, lag Fakir bereits am Boden, von Polizisten fixiert. Er schrie immer wieder: "Aiuto, aiuto, basta!" ("Hilfe! Hilfe! Es reicht!"). Auf den Videos sieht man einen Mann, der verzweifelt um Hilfe ruft und nach Luft ringt, während zwei Beamte auf ihm knien und ihn festhalten. Die Staatsanwaltschaft sagt, dass die Rettungswagenbesatzung zunächst nur zusah. Erst sechs Minuten nach ihrer Ankunft, um 12.36 Uhr, nahmen die Helfer Kontakt mit der Leitstelle auf und forderten dann doch einen Notarzt an. Der Notarzt verließ das Spital erst um 12.42 Uhr und kam um 12.53 Uhr – zu spät. Er konnte nur noch den Tod von Fakir feststellen.

Ursache des Problems

Jetzt steht die falsche Einschätzung des Notfalls im Zentrum der Ermittlungen. Die Tageszeitung "La Repubblica" berichtet, dass die Staatsanwaltschaft nicht nur das Verhalten der Polizisten prüft, sondern auch die Entscheidungen des Rettungsdienstes und die Abläufe in der Notrufzentrale 118. Nach allem, was bisher bekannt ist, war Fakir kein polizeibekannter Gewalttäter, sondern befand sich in einem akuten psychischen Ausnahmezustand. Nachbarn berichten übereinstimmend, dass er schon lange vor dem Eintreffen der Polizei um Hilfe gerufen hat. Mehrere Anrainer sagen, Fakir habe verwirrt gewirkt, sei zusammengebrochen, habe geschrien, immer wieder einen Rettungswagen verlangt und mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen.

Kritik aus den eigenen Reihen

Die schärfste Kritik am Einsatz kommt von einem Notarzt des Rettungsdienstes 118 aus Bologna, der anonym bleiben will. Er sagte gegenüber "La Repubblica": Ein Patient in so einem psychiatrischen Ausnahmezustand hätte unbedingt "medizinisch behandelt werden" müssen. Standard wäre hier nicht das Fesseln gewesen, sondern eine ärztliche Begutachtung, gegebenenfalls Beruhigungsmittel und dann ein kontrollierter Transport in die Psychiatrie. Die Leitstelle hätte also schon bei der Alarmierung einen Notarzt schicken müssen.

Mario Balzanelli, Präsident der italienischen Fachgesellschaft SIS118, sieht dramatische Fehler bei Polizei und Notruf. Er sagt zur Nachrichtenagentur ANSA: "Mit hoher Wahrscheinlichkeit hätte Abderrahim Fakir gerettet werden können", wenn der Einsatz medizinisch richtig organisiert gewesen wäre. Balzanelli spricht von einer unglücklichen Kette an Kommunikationsfehlern und kritisiert vor allem die Fixierung in Bauchlage: "Eine Fixierung mit dem Gesicht zum Boden darf niemals erfolgen." Diese Lage mit Druck auf Rücken und Brust sei medizinisch als extrem gefährlich bekannt und könne tödlich enden.

Reaktionen aus der Politik

In Italien hat sich die öffentliche Debatte anfangs nur auf die beiden Polizisten konzentriert. Doch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gehen viel weiter. Es geht nicht nur um die Polizeitaktik beim Niederdrücken und Fixieren von Fakir, sondern auch um die Entscheidungen des Rettungsdienstes – von der Notruf-Einstufung bis zum Verhalten der Rettungswagenbesatzung vor Ort. Gerade dieser Punkt könnte weitreichende Folgen haben. Wäre der Notruf als psychiatrischer Notfall erkannt worden, wäre wohl ein ärztlich besetztes Notfallteam gekommen, das auch Medikamente zur Beruhigung hätte geben können.

Die bisher bekannten Fakten zeigen: Der Tod von Abderrahim Fakir lässt sich kaum auf einen einzelnen Fehler zurückführen. Am Anfang stand eine Fehleinschätzung in der Notrufzentrale. Dann folgte eine Polizeitaktik, bei der ein psychisch kranker Mensch als Sicherheitsrisiko gesehen wurde. Während des Einsatzes passierte der nächste Fehler: Die Rettungskräfte warteten zunächst ab, anstatt sofort eine ärztliche Intervention zu verlangen. Und schließlich wurde Fakir mehrere Minuten lang in einer medizinisch extrem riskanten Bauchlage festgehalten, obwohl er immer wieder sagte, dass er keine Luft bekomme und Hilfe brauche. Erst als er nicht mehr reagierte, wurde ein Notarzt angefordert.

{title && {title} } red, {title && {title} } 22.07.2026, 15:25