Italien warf Spanien am Dienstagabend im Londoner Wembley aus der EURO. Die Squadra Azzurra setzte sich gegen die Iberer nach dem 1:1 in 120 Minuten im Elfmeterschießen durch, spielt am Sonntag gegen England oder Dänemark um den Titel.
Spanien, das über weite Strecken des Matches spielbestimmend war, muss die Heimreise antreten. Der tragische Held: Alvaro Morata. Einmal mehr.
Der Juve-Stürmer wurde von Teamchef Luis Enrique im Halbfinale überraschend nicht von Beginn an aufgeboten. Der Trainer verzichtete auf eine klassische Sturmspitze. Flügel Mikel Oyarzabal wurde an vorderster Front aufgeboten. Nachdem Federico Chiesa die Italiener mit 1:0 in Führung gebracht hatte (60.), brachte Enrique seinen Stürmer Morata.
Er erlebte eine durchwachsene Endrunde. In der Gruppenphase traf er gegen Polen (1:1), gegen Kroatien besorgte er im Achtelfinale das zwischenzeitliche 4:3 in der Verlängerung (Endstand: 5:3). Dennoch war und ist er in seiner Heimat schlimmen Anfeindungen ausgesetzt. Seine Kritiker bemängeln seine Chancenauswertung. In den vergangenen Wochen wurden im Netz Grenzen überschritten. Morata verriet in einem TV-Interview, dass er, seine Frau und sogar die gemeinsamen Kinder mit dem Tode bedroht werden, seine Familie in den "sozialen" Medien mit Hassnachrichten bombardiert wird.
Umso größer war wohl seine Genugtuung und Erleichterung, als Morata am Dienstag 18 Minuten nach seiner Einwechslung nach einem sehenswerten Doppelpass mit Dani Olmo zum 1:1 traf und Spanien somit in die Verlängerung schoss (80.). Beim Torjubel war Morata anzusehen, welch große Last zumindest zwischenzeitlich von seinen Schultern abfiel.
Bitter: Nur rund eine dreiviertel Stunde später lastete dafür der Druck der gesamten Nation auf seinen Schultern. Italien führte im Elfmeterschießen mit 3:2. Morata trat gegen Gianluigi Donnarumma an. Der italienische Schlussmann hielt. Jorginho traf zum 4:2 – die Österreich-Bezwinger stehen im Finale (2:1 nach Verlängerung gegen das ÖFB-Team im Achtelfinale).