Tödlicher Dezember mit 30.000 Toten pro Tag erwartet

Die erste weltweite COVID-19-Prognose geht von einem "tödlichen Dezember" aus.
Die erste weltweite COVID-19-Prognose geht von einem "tödlichen Dezember" aus.picturedesk.com
1,9 Millionen: So viele Menschen sollen laut einer neuen Studie bis Jahresende noch an Corona sterben. Ein "tödlicher Dezember" wird befürchtet.

Das Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) an der University of Washington School of Medicine prognostiziert, dass im Zuge der COVID-19-Pandemie bis zum 1. Januar weltweit fast 770.000 Menschenleben "durch bewährte Mittel wie Masken und Maßnahmen wie räumliche Distanzierung gerettet werden könnten". Gleichzeitig aber belaufen sich die kumulierten Todesfälle, die bis zum 1. Jänner erwartet werden, auf 2,8 Millionen.

Das bedeutet eine Steigerung von etwa 1,9 Millionen von jetzt bis zum Jahresende. Die Todesfälle im Dezember könnten bis zu 30.000 pro Tag ansteigen, heißt es. "Diese ersten weltweiten Prognosen sind zwar entmutigend, enthalten aber auch einen Wegweiser zur Bekämpfung von COVID-19, dem sowohl Regierungen als auch Einzelpersonen folgen können", so IHME-Direktor Christopher Murray. "Wir stehen vor einem tödlichen Dezember, insbesondere in Europa, Zentralasien und den Vereinigten Staaten."

Die Wissenschaft sei eindeutig und die Beweise seien unwiderlegbar: "Das Tragen von Masken, das Vermeiden von größeren Gruppen und Social Distancing sind entscheidend, um die Übertragung des Virus zu verhindern." Das Institut modellierte für seine Prognose drei Szenarien. Das "Worst-Case-Szenario" sei, wenn die Anzahl der Maskenträger gleich bleibe und die Regierungen das Social Distancing weiter lockern würden, was bis Ende des Jahres zu 4,0 Millionen Todesfällen führen würde.

"Wir stehen vor einem tödlichen Dezember, insbesondere in Europa, Zentralasien und den Vereinigten Staaten."

Ein "Idealfall" von 2,0 Millionen Todesfällen insgesamt käme dadurch zustande, wenn Masken quasi universell genutzt werden und jede Regierung Social Distancing vorschreibt, sobald die jeweilige nationale Sterberate acht pro einer Million Einwohner täglich übersteigt. Das "zu erwartende" Szenario wiederum sei, dass die Verwendung individueller Masken und anderer Hilfsmaßnahmen unverändert bleibe, was zu etwa 2,8 Millionen Todesfällen führen würde. "Der Unterschied zwischen 'Idealfall' und 'zu erwartendem' Szenario im Dezember besteht darin, dass entweder 750.000 Leben gerettet werden oder 30.000 tägliche Todesfälle auftreten."

Beide Szenarien würden jedenfalls einen signifikanten Anstieg gegenüber den derzeitigen Todesfällen insgesamt darstellen, die weltweit auf fast 910.000 geschätzt werden. "Die zu erwartende Verschlechterung der Situation ist zum Teil auf einen wahrscheinlichen saisonalen Anstieg der COVID-19-Fälle in der nördlichen Hemisphäre zurückzuführen", heißt es. Bis heute folge COVID-19 saisonalen Mustern, die auch im Zusammenhang mit dem Auftreten von Lungenentzündungen beobachtet würden. Wenn diese Korrelation weiter beobachtet würde, müssten die nördlichen Länder im Spätherbst und in den Wintermonaten mit mehr Fällen rechnen.

"Die Menschen in der nördlichen Hemisphäre sollten besonders wachsam sein, da der Winter näher rückt und das Coronavirus – wie auch die Lungenentzündung – in kalten Klimazonen häufiger auftritt", sagte Murray. "Wenn man sich die erschütternden COVID-19-Schätzungen ansieht, können einen diese Zahlen überfordern. Die Zahl der Toten übersteigt die Gesamtkapazität der 50 größten Stadien der Welt, ein ernüchterndes Bild, wenn man bedenkt, wie viele Menschen ihr Leben und ihre Existenz verloren haben."

"Wir alle müssen von jenen Nationen lernen, in denen das Virus eingedämmt wurde..."

Die vom IHME ausgearbeiteten Szenarien wiesen darauf hin, dass die Nationen mit den meisten Todesfällen im Vergleich zu ihrer Einwohnerzahl die Amerikanischen Jungferninseln, die Niederlande und Spanien wären. Dieses Szenario prognostiziere bis zum 1. Jänner für die verschiedenen WHO-Regionen folgende Zahlen: 959.685 Todesfälle auf dem amerikanischen Kontinent, 667.811 in der Europäischen Region, 79.583 in der afrikanischen Region, 168.711 im östlichen Mittelmeerraum, 738.427 in der Region Südostasien und 191.598 in der Region des westlichen Pazifiks.

"Wir alle müssen von jenen Nationen lernen, in denen das Virus eingedämmt wurde oder in denen eine zweite Infektionswelle aufgetreten ist und schnell gehandelt wurde, um den Verlust von Menschenleben zu verhindern", sagte Murray. Er warnte auch davor, die Strategie der "Herdenimmunität" zu verfolgen, die große Bevölkerungsteile durch Infektion und Genesung immun gegen das Virus machen soll. Ein "Worst-Case-Szenario" tritt auf, wenn Regierungen zulassen, dass eine Übertragung des Virus quasi durch die gesamte Bevölkerung läuft, was zu erheblichen Verlusten an Menschenleben führen würde.

"Diese erste globale Prognose soll die Problematik der sogenannten Herdenimmunität hervorheben, da diese Strategie grundsätzlich Wissenschaft und Ethik ignoriert und Millionen vermeidbarer Todesfälle zulässt", so Murray. "Das wäre – einfach ausgedrückt – eine unmenschliche Herangehensweise." Im "Worst Case" würde es die höchsten Sterberaten den Niederlanden, Spanien, Amerikanische Jungferninseln, Japan, Schweden, Rumänien, Israel, Republik Moldau, Vereinigte Staaten von Amerika und Montenegro geben.

Im wahrscheinlichsten Szenario auf den Amerikanischen Jungferninseln, Niederlande, Spanien, Belgien, Peru, San Marino, Schweden, Vereinigte Staaten von Amerika, Ecuador und Frankreich. Und im "Idealfall" auf den Amerikanischen Jungferninseln, Spanien, Peru, San Marino, Kasachstan, Ecuador, Belgien, Panama, Mexiko und Kolumbien.

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