Tschechische Tornado-Orte in trotziger Aufbruchstimmung

Ein Tornado hat Ende Juni nahe der österreichischen Grenze enorme Schäden angerichtet. Die Bewohner haben die Hoffnung auf Normalität zurückgewonnen.

Der Jahrhunderttornado hinterließ eine Spur der Verwüstung: Er forderte in Mähren sechs Tote und mehrere hundert Verletzte. Etwa 1.600 Häuser wurden zerstört. Alleine in der Gemeinde Moravská Nová Ves (dt. Mährisch-Neudorf) wurden 360 Häuser demoliert, 26 davon so schwer, dass sie in der Zwischenzeit abgerissen werden mussten. Einige davon direkt beim Hauptplatz, wo eine große Freifläche entstand. 

Der Kirchturm ist mittlerweile von einem Baugerüst umgeben – die Spitze wurde noch nicht wieder errichtet. Der Tornado hatte die Kirche eine Viertelstunde nach Beginn des Gottesdienstes getroffen. So arg tobte der Sturm, dass der Pfarrer allen Messbesuchern die Generalabsolution für ihre Sünden erteilte. Der halbzerstörte Kirchturm wurde international zu einem Symbol der Naturkatastrophe.

"Heute"-Reporter Paul Resetarits berichtete einen Tag nach der Tornado-"Apokalypse" an Ort und Stelle. Rund 60 Tage danach besuchte er das Tornado-Gebiet nach einer Radtour wieder (Video unten)

Wiederaufbau hat begonnen

Auf rund 580 Millionen Euro wird der finanzielle Schaden geschätzt. Die Aufräumarbeiten sind beinahe abgeschlossen, der Wiederaufbau ist sichtlich im Gang. Anstelle komplett zerstörter Häuser sieht man jetzt vom Schutt geräumte Freiflächen, auf denen neu gebaut werden soll. Was an Gebäuden saniert werden kann, wird repariert. Dächer werden neu eingedeckt, Fensterflächen erneuert.

Unterstützt werden die Arbeiten durch die Solidarität hilfsbereiter Bürger. Innerhalb eines Monats kamen durch Spenden knapp 50 Millionen Euro zusammen. Der Staat sagte für zerstörte Häuser bis zu 200.000 Euro an finanzieller Hilfe zu. Zumeist in Form staatlich garantierter Kredite. Bei unserem Besuch war in Hrušky bereits Aufbruchsstimmung zu verspüren. In bunten mährischen Trachten wurde getanzt und gesungen. Besucher und Helfer von auswärts wurden freundlich empfangen. Die Bewohner versuchen wieder zur Normalität zurückzukehren. Fast trotzig erklärte uns ein junger Ortsbewohner: "Selbst ein Tornado kann unser Fest nicht verhindern."

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