Mit stehendem Applaus des Publikums ist Samstagabend nach zwei Stunden Spielzeit auf dem Salzburger Domplatz die Neuinszenierung des "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen gefeiert worden.
Mit stehendem Applaus des Publikums ist Samstagabend nach zwei Stunden Spielzeit auf dem Salzburger Domplatz die Neuinszenierung des "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen gefeiert worden.
Die beiden Regisseure Julian Crouch und Brian Mertes haben mit beweglichen Skeletten, großen Masken und Puppen, Livemusik und Tanz eine Interpretation von Hugo von Hofmannsthals "Spiel vom Sterben des reichen Mannes" geschaffen, bei der es viel zu schauen gibt, die aber dennoch von der zentralen Botschaft nicht ablenkt: Für Reue ist es nie zu spät.
Zerknirschung, Läuterung und Buße gelingen dem neuen "Jedermann" Cornelius Obonya, der in dieser Rolle in die Fußstapfen seines Großvaters Attila Hörbiger getreten ist, besser als die vorangehenden Attitüden des Genussmenschen und Lebemanns. Mit Fortdauer des Stücks wird seine Darstellung jedoch intensiver und wahrhaftiger. Konträr ergeht es der neuen Buhlschaft Brigitte Hobmeier: Sie hat einen zauberhaft-lebensfrohen Auftritt, bei dem sie im Sommerkleid auf die Holzbühne radelt und Jedermann kunstvoll umgarnen darf, bei ihrer Begegnung mit dem Tod (intensiv: Peter Lohmeyer) hat sie jedoch rücklings von der Bühne zu stürzen und lange reglos liegen zu bleiben.
Aus dem übrigen Ensemble ragen Sarah Viktoria Frick als "Werke", Hans Peter Hallwachs als "Glaube" und Julia Gschnitzer als Jedermanns Mutter heraus. Trotz der einen oder anderen Schwachstelle erfüllt die erste "Jedermann"-Neuinszenierung seit elf Jahren das Versprechen, sich auf die Ursprünge von mittelalterlichem Stoff und Max Reinhardt'scher Festspielidee zu besinnen, mit großer Ernsthaftigkeit und beachtlichem Schauwert. Das künstlerische Risiko hat sich gelohnt, und auch der kaufmännische Erfolg steht fest: Längst sind alle Vorstellungen bis 30. August ausverkauft.
Salzburg wird zur Pilgerstätte
Zur Festspielzeit liegt Österreichs Kulturmetropole nicht an der Donau, sondern an der Salzach: Neben Musik und Theater wandelt sich Salzburg in den Sommermonaten auch für die Kunstszene zur Pilgerstätte - zahlreiche Ausstellungen in namhaften Galerien oder ihren Dependancen geben in der kommenden Woche davon Zeugnis. Die offizielle Festspielausstellung im Foyer des Haus für Mozart bestreitet diesmal die Galerie Krinzinger mit Künstlerin Eva Schlegel, die für die Festspiele auch die bildnerischen Beiträge zu Programmheft, Homepage, Weinetiketten etc. gestaltet hat.
Aber auch rundherum findet sich Altes, Zeitgenössisches und jede Menge Gründe zum Feiern: Etwa runde oder halbrunde Jubiläen, wie bei Thaddaeus Ropac, der unter dem Titel "30 Jahre" jene internationalen Positionen zeigt, die er in seiner Galeristenkarriere in wesentlichen Sammlungen positionieren konnte und am Donnerstag vor der Festspieleröffnung mit einer hochkarätigen Performance aufwartet: Unter der Leitung von Erwin Wurm und Matthias Hartmann, wird mit Nicholas Ofczarek und anderen eine "Wortskulptur" mit dem Titel "Das Kleine im Großen, das Große im Großen, das Große im Kleinen und das Kleine im Kleinen" enthüllt. Aber auch Rudolf Budja feiert das 25-jährige Bestehen als "Introrespexion" mit Werken von Margherita Marzotto, Andy Warhol oder Marianne Sayn-Wittgenstein-Sayn.