Kasernen-Todesschütze stellte sich aus Angst

Knalleffekt nach dem Todesschuss in der Wiener Albrechtskaserne: Schütze Ali Ü. sitzt seit Montag wieder unter Mordverdacht in Haft. Ein neuer Zeuge gab den Ausschlag.

Exakt 42 Tage lange konnte Ali Ü. (22) bei seiner Familie in Salzburg die Freiheit genießen. Seit Montagvormittag atmet er wieder gesiebte Luft in der Justizanstalt Wien-Josefstadt. Der Soldat, der in der Wiener Albrechtskaserne seinen Kameraden Ismail M. (20) tödlich in den Kopf geschossen hatte, sitzt unter Mordverdacht wieder in Haft.

Staatsanwaltschaft legte Beschwerde ein

Jene rührselige Geschichte, er würde sich mit seinem Rechtsbeistand freiwillig den Behörden stellen, wird von "Heute"-Recherchen nicht gestützt. Viel mehr dürfte sich der Verdächtige – für ihn gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung – aus Angst, von der Polizei abgeführt zu werden, nach Wien begeben haben. Das Oberlandesgericht Wien hat in einem Bescheid vom 27. Februar 2018 nämlich der Beschwerde der Staatsanwaltschaft stattgegeben. Die Ermittlungsbehörde konnte die Enthaftung des Todesschützen am 22. Jänner nicht nachvollziehen.

Oberlandesgericht: "Dringender Tatverdacht"

Nun der Knalleffekt: "Da sich ein dringender Tatverdacht in Richtung Vorsatz erhärtet hat, wird nun wieder wegen Mordverdachts ermittelt und da ist Untersuchungshaft obligatorisch vorgesehen", erklärt Dr. Reinhard Hinger, Senatspräsident des Oberlandesgerichts auf "Heute"-Anfrage. Und weiter: "Der Beschluss datiert vom 27. Februar, ich gehe davon aus, dass er dem Beschuldigten mittlerweile zugestellt worden ist. Die Verhängung der Untersuchungshaft wird dann dem Landesgericht für Strafsachen aufgetragen", so Hinger. Im Klartext: Wäre Ali Ü. nicht "freiwillig" ins Gefängnis gekommen, wäre er von der Polizei zuhause abgeführt worden.

Ali Ü.: "Es war ein Unfall"

Wie berichtet, erschoss der Verdächtige am 9. Oktober den Grundwehrdiener Ismail M. im Wachecontainer der Albrechtskaserne in Wien-Leopoldstadt mit einem Sturmgewehr. Er saß dann 105 Tage in Untersuchungshaft und kam nach einem Lokalaugenschein am 22. Jänner überraschend frei. "Es war ein Unfall", vertraute er heute der "Kronen Zeitung" an.

Staatsanwalt hat neuen Zeugen

Die penibel nachforschenden Ermittler sehen das offenbar diametral anders. Sie ließen sich von seiner Enthaftung nicht entmutigen und bekämpften den Entscheid der Rechtsschutzrichterin. Ein neuer Zeuge dürfte jetzt zum Trumpf der Staatsanwaltschaft werden: Ein ehemaliger Mitgefangener, der mit Ali Ü. in der Josefstadt einsaß, belastet den Todesschützen schwer und gab den Ermittlern zu Protokoll, dass Ali Ü. die entsetzliche Bluttat im Häf'n zugegeben hätte und ein Motiv dafür geäußert hätte. In der "Krone" bestreitet Ali Ü. dies vehement: "Der Mann lügt."

Bei Mord-Urteil droht lebenslang

Wie auch immer, Fakt ist: Ali Ü. wird nun wohl bis zu seinem Prozess eingesperrt bleiben. Es ist davon auszugehen, dass die Staatsanwaltschaft – vor dem Hintergrund der neuen Faktenlage – wegen Mordes anklagen wird. Im Falle einer Verurteilung droht Ali Ü. dann eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Schwester: "Aufklärung, keine Rache"

Auch die Familie des getöteten Rekruten dürfte nun ihr Vertrauen in den Rechtsstaat zurückerlangen. Sie hatte die Enthaftung des Verdächtigen über ihren Anwalt Philipp Winkler heftig kritisiert. Schwester Hanife M. sagte in "Heute" von Anfang an: "Ich glaube nicht an einen Unfall. Wir wollen keine Rache, sondern volle Aufklärung." Ins selbe Horn stößt auch Anwalt Winkler: "Die Tat muss lückenlos aufgeklärt werden. Für mich war es eine riesengroße Überraschung, dass der Verdächtige freikam. Zumal sich seine Situation durch den Lokalaugenschein keineswegs zum positiven geändert hat." (coi)

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