Wirtschaft

Tränen und Entäuschung bei AUA-Mitarbeitern

Heute Redaktion
14.09.2021, 12:51

Trotz langer sachlicher Debatten um offene Rechtsfragen beim vom Vorstand verfügten Betriebsübergang auf Tyrolean kam es bei der heutigen Betriebsversammlung der AUA-Bordangestellten zu emotionalen Auftritten. Eine langjährige Flugbegleiterin verabschiedete sich unter Tränen von allen. Sie könne so nicht mehr weiter.

Ein Teilnehmer nannte es vor Journalisten "schäbig, wie die Firma mit den Menschen umgeht. Wir waren doch einmal eine Familie".

Dass die Bord-Betriebsratsspitze bleibt, steht mittlerweile fest. Offizielle Angaben gibt es noch nicht. Veränderungen gibt es allerdings im Vorstand. Dienst trotz Frust

Im Lauf des Vormittags verließen immer wieder Crews grüppchenweise die Versammlung, um ihren Dienst an Bord anzutreten. Damit hielten sich Verspätungen einiger Flüge in engeren Grenzen als beim letztenmal.

Die AUA hat für das verkehrsreiche Pfingstwochenende vorgesorgt. Sollten sich zu viele Piloten "unfit to fly" melden und kein Ersatz aus der eigenen Gruppe aufzutreiben sein, stünden Lufthansa und Swiss bereit, Europastrecken zu übernehmen. Ob dieser Einsatzplan aktiviert werden muss, ist offen.

Betriebsratchef Minhard bleibt

AUA-Bord-Betriebsratschef Karl Minhard hat am Freitag seinen Verbleib bekanntgegeben. Das sei ein Signal auch für andere Piloten gewesen, sagte Minhard vor Journalisten nach der Betriebsversammlung. "Wären wir gegangen, wäre der Kollaps perfekt gewesen", meinte Minhard. Man habe damit Augenmaß bewiesen. Jetzt will er Signale vom Vorstand.

Mit gestrigem Datum seien es 80 Piloten und 170 Flugbegleiterinnen, die das Unternehmen wegen des Übergangs verlassen. 43 der 80 Piloten hatten schon davor einvernehmlich den Abschied bekanntgegeben. Bis Ende Mai dürften zwar noch einige dazu kommen. Anderseits habe die persönliche Entscheidung der führenden Belegschaftsvertreter viele andere bewogen, an Bord zu bleiben, hieß es heute.

Von 17 Bord-Betriebsratsmitgliedern wählten zwei (Piloten) den Abgang. Minhard und seine weiteren verbliebenen Kollegen "wollen weiter für die Rechte der Mitarbeiter kämpfen", wie er sagte. Bisher laufen sechs Klagen gegen den Zwangsumstieg, nächste Woche geht die Gewerkschaft zum Obersten Gerichtshof (OGH). Den Betriebsübergang selbst wertet Minhard weiter als "Schwachsinn", den er immer noch wegverhandeln will.

Passagiere haben wenig Verständnis

Bei den von Verspätungen betroffenen Passagieren hielt sich das Verständnis für den Protest ebenfalls in Grenzen. Weil schon gestern feststand, dass die Transatlantikflüge am Vormittag erst ab Mittag statt finden würden, kamen etliche erst entsprechend später zum Flughafen.

"Es wird sich schon wieder beruhigen", meinte eine AUA-Reisende, deren Route nicht von Verzögerungen betroffen war. Sie will jederzeit wieder die AUA buchen. "Jeder ist seines Glückes Schmied", meinte ihr Mann zum Streit um die Pilotengehälter. Er sieht Proteste gerade im öffentlichen Verkehrswesen schon problematisch.

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