Trauma für Hund nach Ausbildung, Frau klagt auf 18.560€

Australian Shepherd/Symbol
Australian Shepherd/SymbolGetty Images/iStockphoto
Nach einem Schicksalsschlag brauchte eine Frau (21) einen Therapiehund, gab ihren Bounty zu einer Trainerin. Das Tier erlitt ein Trauma, sie klagt.

Ein kurioser und zugleich tieftrauriger Rechtsstreit rund um eine gehandicapte 21-Jährige und ihren Hund beschäftigt bald ein Landesgericht. 

Anna hatte so viel vor, doch dann schlug das Schicksal unbarmherzig zu: Nach der Führerscheinprüfung und Schule wollte Anna (Anm.: Namen von Opfer und Beschuldigter und Hund zum Schutz der Persönlichkeitsrechte geändert) studieren, bekam im Sommer 2018 "Australian Shepherd" Bounty, machte mit dem Hund eine Ausbildung bei der Rettung. Doch wegen eines Gendefektes erkrankte die junge Österreicherin schwer, kann seit 2019 kein eigenständiges Leben mehr führen und brauchte einen Assistenzhund. 

30.000 Euro für Ausbildung

Mutter (44) und Tochter suchten verzweifelt einen Ausbildungsplatz für Bounty. Denn viele Hundetrainer haben die Therapiehunde von Geburt an, bilden die Tiere aus und stimmen sie dann auf den neuen Besitzer ab. Nach längerer Suche wurde endlich eine Hundetrainerin (32), die einen einjährigen "Australian Shepherd" nimmt, im selben Bundesland gefunden. Die Finanzierung übernahm großzügig der "Lions Club", der Verein überwies monatliche Beträge (Gesamtkosten laut Voranschlag: 30.000 Euro) an die Ausbildnerin.

Mit April 2019 begann Bountys Ausbildung, der Shepherd lebte monatelang bei der Trainerin. "Anna litt sehr, weil Bounty über 90 Minuten Autofahrt entfernt war, sie anfangs ihren Liebling kaum, dann nur bei den Übungen sah. Aber die ersten Monaten verliefen recht gut und vielversprechend", so Annas Mutter.

"Hund war verängstigt"

Doch kurz vor der ersten Prüfung kamen Mutter und Tochter Zweifel: "Der Hund war völlig verändert, verängstigt, wurde beim Training oft zu Boden gedrückt und am Hals gedrückt. Meine Tochter und der Hund wurden von der Trainerin oft zusammengestaucht, teils auch vor allen anderen Leuten in der Öffentlichkeit", so die Mutter. Bei einer Übung in einer Hundezone folgte Bounty der 32-Jährigen nicht, die Ausbildnerin warf die Flexi-Leine nach Bounty und traf den Hund am Kopf. 

Wunde am Kopf

Die Mutter brachte Bounty am nächsten Werktag zum Tierarzt, dort wurde eine kleine Wunde am Kopf festgestellt. Die Tierärztin, die Bounty kennt, erstellte einen besorgniserregenden Befund (siehe Fotostrecke) aus: Der Hund sei traurig, ängstlich, zittert. Schließlich übergab die Mutter den Fall an Anwältin Astrid Wagner, die nun den Teil der Ausbildungskosten plus 4.000 Euro Schmerzensgeld, in Summe 18.560 Euro gerichtlich einklagen will. "Der Hund ist schwer traumatisiert, die junge Frau dadurch ebenfalls. Das Gutachten spricht klar für ein Trauma. Der Hund wurde mit Gewalt gezüchtigt und das geht gar nicht."

Schwere Vorwürfe

Auffallend: Die 32-Jährige hat zwar einen Gewerbeschein, jedoch ist sie keine qualifizierte Hundetrainerin, soll auch bei den Rechnungen (siehe Fotoserie) getrickst haben und den Ausbildungsvertrag (siehe Fotoserie) im November 2020 auf April 2020 rückdatiert haben. "Sie war überfordert, hatte sechs, sieben Hunde parallel in Ausbildung, zudem noch eine andere Firma. Und sie ging grob mit meiner Tochter und Bounty um", so die 44-jährige Mutter, die abschließend meint: "Ich hätte es schon früher stoppen sollen, nur wir hatten echt Angst vor der Trainerin."

Trainerin: "Nie Gewalt"

Im Gespräch mit "Heute" zeigt sich die Hundetrainerin über die Vorwürfe erschüttert: "Ich habe den Hund nur genommen, weil mir die junge Frau leid tat. Der Vorfall mit der Leine stimmt. Aber: Der Hund war aggressiv, völlig außer Rand und Band und darum habe ich ihm die Leine zugeworfen, um ihn abzulenken. Und dabei streifte die Leine seinen Kopf. Ich habe mich oftmals entschuldigt. Natürlich habe ich niemals Gewalt angewendet, ich arbeite mit Tieren seit gut 15 Jahren. Als ich von der Klage erfuhr, zog es mir die Schuhe aus, ich war völlig fassungslos. Die Vorwürfe stimmen so sicherlich nicht."

Für die Hundetrainerin gilt die Unschuldsvermutung.

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