Triage im AKH: Zu viele Kinder mit Lockdown-Symptomen

Blick ins AKH Wien (Archivfoto)
Blick ins AKH Wien (Archivfoto)Josef Bollwein / SEPA.Media / picturedesk.com
Die Kinder- und Jugendpsychiatrien Österreichs platzen aus allen Nähten. Dennoch wird niemand abgewiesen. Bald psychiatrische Betreuung auch zu Hause.

Die Coronavirus-Pandemie trifft alle. Doch Social Distancing, Home Schooling und Lockdowns hinterlassen vor allem bei Kindern und Jugendlichen ihre Spuren. Der fehlende Kontakt zu Gleichaltrigen, eingeschränkte Bildungsangebote, fehlende Lehrstellen und Zukunftsängste belasten seit fast einem Jahr ihren Alltag. Die Folgen können Depressionen, Angstzustände oder Essstörungen sein. Die nun dazu führen, dass die Kinder- und Jugendpsychiatrien des Landes überfüllt sind.

Schwere Fälle nehmen zu

Aufgrund der Überbelegung bei der stationären Aufnahme komme mittlerweile ein Triage-System zum Tragen. Man müsse differenzieren, wie schwer der Fall sei, ob eine Eigengefährdung oder die Gefährdung anderer Personen bestehe. "Fälle, bei denen eine akute Gefährdung des eigenen Lebens oder das anderer im Raum stehen haben Priorität", erklärt Paul Plener, Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie am AKH Wien und Professor an der MedUni Wien, im "Heute"-Gespräch.

Weniger akute Fälle müssen nach hinten gereiht werden.

Jedoch würde man auch hier bereits an die Grenzen stoßen, da auch der Schweregrad der Krankheiten derzeit immer mehr zunehme. Weniger akute Fälle, die allerdings trotzdem einer stationären Behandlung bedürfen müsse man deshalb derzeit nach hinten reihen.

Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Paul Plener
Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Paul PlenerMed. Universität Wien

Depressionen und Essstörungen

"Seit Beginn des Jahres haben wir vor allem eine Zunahme von wirklich schweren Depressionen mit deutlicher Suizidalität gesehen", sagt Plener. Ein zweiter Trend, der sich abzeichnet, seien Essstörungen. "Heute" berichtete.

Die Dynamik habe sich schon während des ersten Lockdowns entwickelt: "Aus Sorge zuzunehmen haben viele begonnen ein sehr restriktives Essverhalten zu zeigen und sukzessive Sport zu treiben. Die haben über die Zeit so viel Gewicht abgenommen, dass sie jetzt in körperlich bedrohlichen Zuständen sind."

Trotz Überfüllung: Niemand wird zurückgewiesen!

Doch trotz der Überfüllung wird weiterhin selbstverständlich niemand zurückgewiesen: "Die Leute können und sollen weiterhin zu uns kommen. Wir werden eine Lösung finden", verspricht der Klinikleiter. "Hilfe ist möglich, man muss sich nur trauen über die Schwelle zu steigen und Hilfe anzunehmen."

Betreuung zu Hause ab März

Außerdem gibt es ab März gemeinsam mit dem Psychosozialen Dienst der Stadt Wien ein weiteres Angebot: Mit dem sogenannten "Home-Treatment" sollen 50 Kinder und Jugendliche mit intensivem psychiatrischem Therapiebedarf zu Hause betreut werden können - anstatt stationär aufgenommen zu werden. "Die Grundidee ist, dass man das genauso intensiv macht, wie man das im stationären Bereich machen würde", so Plener.

Je nach Bedarf sollen Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Pfleger oder auch Ergotherapeuten zum Einsatz kommen. "Man bietet einen therapeutischen Rahmen, der einer stationären Behandlung gleicht, hat aber den Vorteil, dass man das Kind nicht aus sozialen Bezügen herausnimmt."

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