Österreich

Trio schickte beinlosen Senioren zum Betteln

Heute Redaktion
14.09.2021, 02:15

Drei Bulgaren nahmen den wehrlosen Mann aus der Heimat mit. Sie schlugen ihn, setzten ihn zum Betteln auf die Straße. Jeden Tag zwölf Stunden. Dienstag stand ein Peiniger in Wien vor Gericht.

"Um acht Uhr wurde ich mit dem Rollstuhl hingebracht und auf den Boden gesetzt. Um 20 Uhr wurde ich wieder abgeholt", beschreibt Ivan seinen Tagesablauf. Sommer wie Winter musste der Bulgare (75) auf der Mariahilfer Straße oder am Reumannplatz betteln. Flüchten konnte er wegen seiner fehlenden Beine nicht. Er konnte noch nicht einmal aufs WC.

"Niemand hat sich um mich gekümmert, ich musste in die Hose machen", erzählt das Opfer. "Am Abend haben sie mir das Geld abgenommen, manchmal wurde ich geschlagen."

Nur beherzte Passanten kümmerten sich um den Mann, kauften ihm Getränke und Essen. Regelmäßig riefen sie die Rettung. Im Spital überwand sich Ivan und sagte gegen seine Peiniger aus.

Zapryan S. (27) wurde daraufhin festgenommen. Er ist einer der drei Männer, die Ivan 2013 verschleppten. Sie nahmen das Opfer mit nach Wien, einmal fuhren sie nach Paris. Dort musste er auf der Champs-Élysées betteln. "Er hat das freiwillig gemacht", erklärte S. vor Gericht. "Wir haben uns um ihn gekümmert." Das ist die Sichtweise des jungen Angeklagten, der selbst betteln musste. Er handelte im Auftrag seines Bruders und eines Freundes – sie steckten das Geld ein!

Dem Gesetz nach war S. aber Mittäter. Das nicht rechtskräftige Urteil: zwei Jahre Haft wegen Menschenhandels.

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