Österreich

Trotz Rundem Tisch: Ärzte-Streik findet statt

Heute Redaktion
14.09.2021, 01:24

Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) appellierte am Donnerstag an die Ärztekammer, den geplanten Ärzte-Streik am Montag abzusagen. Es gebe keine Streik-Gründe. Wegen Kommunikationsproblemen im Krankenanstaltenverbund (KAV) findet allerdings ab morgen, Freitag, ein "Runder Tisch" statt.

Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) appellierte am Donnerstag an die Ärztekammer, den geplanten Ärzte-Streik am Montag abzusagen. Es gebe keine Streik-Gründe. Wegen Kommunikationsproblemen im Krankenanstaltenverbund (KAV) findet allerdings ab morgen, Freitag, ein "Runder Tisch" statt.
„Meine Hand ist ausgestreckt“, so Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SP) in Richtung Ärztekammer. Die Kampagne der Kammer habe dem System schon jetzt „massiven Schaden“ zugefügt, so Wehsely am Donnerstag. Sie sieht für die Kampfmaßnahmen keinen Grund. „Eskalation und Streik schaden Ärzten und Patienten.“ Und: „Der Streik betrifft nicht nur die Patienten. Es leidet auch massiv die Zusammenarbeit mit verschiedenen Berufsgruppen – etwa mit den Pflegekräften“, sagt Wehsely. Bei einem Streik "werden die OP-Kapazitäten um bis zu 80 Prozent reduziert", warnt Wehsely und appelliert an das Verantwortungsgefühl der Ärzte. "Alle Beteiligten sind aufgerufen, ihre Verantwortung wahrzunehmen."

Kommunikationsprobleme im KAV

Kommunikationsprobleme müsse man allerdings im KAV lösen. Daher sollen bei einem „Runden Tisch“ mit KAV-Vertretern, Personal-Vertretern und Ärztlichen Direktoren ab heute Gespräche stattfinden – ohne Ärztekammer. Wehsely ist überzeugt: "Die Sorgen lassen sich ausräumen." Die Themen: „Es gibt keinen Zwangs-Schichtdienst“, betont Wehsely, auch die Umschichtung von 40 Nachtdiensten in den Tag werde Schritt für Schritt und in Absprache mit den jeweiligen Krankenhäusern vorgenommen. Wehsely betonte, die Arbeitszeit-Umstellung bei den KAV-Ärzten „braucht Zeit“. Die Arbeitszeit-Umstellung erfolge "keineswegs überfallsartig", sagt Wehsely. Künftig soll es weniger 25-Stunden-Diensträder geben – was aber nicht bedeute, dass diese abgeschafft würden, so Wehsely. Auch die "Verlagerung von 40 Nachtdiensten in den Tag" erfolgt laut Wehsely in Etappen. 

Umstellung Schritt für Schritt

Im Juni 2015 habe es 368 Nachtdienste in KAV-Spitälern gegeben, im Juni 2016 waren es noch 348. 40 weitere Nachtdienste weniger soll es jetzt geben, ab Anfang Oktober sei die Hälfte davon in Umsetzung, so Wehsely.

Wehsely kündigte auch eine mögliche Einführung von Rufbereitschaften an: "Dieser Wunsch wurde vielfach geäußert." Alle Spitalsträger sollen darüber Gespräche führen.

Warn-Streik der Ärzte findet statt

Trotz geplantem „Rundem Tisch“ des Krankenanstaltenverbunds stellte die Ärztekammer klar: „Der Streik findet statt.“ Die Ärztekammer habe wochenlang um Gespräche gebeten und sich um eine Aussprache bemüht. Dies wurde seitens der KAV-Generaldirektion und der Stadt Wien konsequent ignoriert. Für offensichtliche Scheinverhandlungen stehe man nicht zur Verfügung, heißt es. Nach dem Streik am Montag tagt am darauffolgenden Dienstag Nachmittag das von der Ärztekammer eingesetzte Streik- und Aktionskomitee, um die weiteren Schritte und Maßnahmen zu beschließen.

Mit einer "Guerilla"-Verteilaktion an 1.500 Patienten in KAV-Spitälern – es gab Goodie-Bags mit Müsliriegeln und Co – machte die Plattform "Schützen wir unsere Spitäler" am Donnerstag in den Ambulanzen in sechs Spitälern mobil. 

 

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