Der Plot zu "Ghostland" liest sich wie aus dem Klischee-Handbuch des Horror-Genres. Eine Mutter zieht mit ihren beiden Teenie-Töchtern in das abgeschiedene Landhaus einer kürzlich verstorbenen Tante.
Eben erst angekommen werden die drei Frauen von einem freakigen Duo auf äußerst brutale Weise überfallen. Halb totgeprügelt und schrecklich gequält schaffen sie es, sich ihrer Peiniger zu entledigen.
Die traumatische Nacht verfolgt Beth (Crystal Reed/Emilia Jones), Vera (Anastasia Phillips/Taylor Hickson) und ihre Mutter Colleen (Mylène Farmer) auch Jahre später noch. Nach einem nächtlichen Anruf ihrer Schwester beschließt Beth, die das Erlebnis in ihrer erfolgreichen Arbeit als Horror-Schriftstellerin verarbeitet, wieder an den schrecklichen Ort zurückzukehren. Doch ihrer Entscheidung soll nicht ohne Konsequenzen bleiben.
Ohne Klischees geht es nicht
Auch wenn sich die Storyline liest wie schon unzählige Male gesehen, weiß "Ghostland" den Zuschauer von den ersten Momenten an zu fesseln. Regisseur Laugier gibt selbst zu, mit seinem aktuellen Film das Rad nicht neu zu erfinden. Gleichzeitig merkt er an, dass ein Horrorfilm vom Anspruch lebt, gewisse Erwartungshaltungen des Publikums in das Genre zu erfüllen.
Und diese zu erwartenden Klischees setzt der 46-Jährige, der sich mit dem kontroversen "Martyrs" einen Namen in der Szene gemacht hat, in "Ghostland" gekonnt in Szene. Jones und Hickson geben eine authentische Darstellung der zu Tode geängstigten Teenie-Mädchen ab. Unter dem entstellend wirkenden Make-up blitzt oft täuschend echte Angst hervor.
Laugier hat seine Darsteller zum Äußersten getrieben. Das wäre auch beinahe schief gegangen. Taylor Hickson (20) zog sich beim Dreh im ländlichen Kanada eine lange Narbe im Gesicht zu, die mit 70 Stichen genäht werden musste. Der Regisseur hätte sie dazu gedrängt, härter gegen eine Glasscheibe zu trommeln, da nichts passieren könne. Die Schauspielerin trägt die Erinnerung daran bis heute an ihrer linken Wange. Vor Kurzem hat sie Klage gegen Laugier eingereicht.
Ein weiteres Merkmal von "Ghostland" ist die brutale Gewalt, die sich wie ein roter Faden durch die Arbeit Laugiers zieht. Ungeschminkt, echt und knallhart konfrontiert der Filmemacher das Publikum mit manchmal sehr verstörenden und grenzwertigen Gewaltszenen, die bei zartbesaiteteren Zusehern schon mal für ein wirklich angewidertes Wegsehen sorgen können.
Der Sound trägt verstärkend dazu bei, dass "Ghostland" für einiges Aufsehen in den Kinos sorgen wird. Nicht nur einmal wirft es einen dank geschickt in die Handlung verpackter "Jump Scares" fast aus dem Klappsitz.
ACHTUNG SPOILER!!!
Wenn dann auch noch der großer Plot-Twist einsetzt, bleibt einem nicht mehr viel übrig, als für ein paar Momente mit offenem Mund dazusitzen, um den Moment geistig zu verarbeiten.
Fazit
Genre-Fans kann man "Ghostland" getrost ans Herz legen. Auch wenn man schon desensibilisiert ist, bietet der Film sicher die eine oder andere Nuance, an der sich ein Kenner erfreuen kann. Leute mit schwachem Nervenkostüm sollten bei "Ghostland" lieber passen. Falls sie sich doch ins Kino trauen, sei ihnen ein alter Trick empfohlen - in Antizipation schrecklicher Szenen hilft es immens, sich präventiv die Ohren zuzuhalten. Damit entschärft man Horrorfilme garantiert um mehr als die Hälfte. Versprochen. (baf)