"Trump war eine Anomalie in der Geschichte"

Joe Biden mit der Hand auf seiner Bibel schwört seinen Amtseid. (20. Jänner 2021)
Joe Biden mit der Hand auf seiner Bibel schwört seinen Amtseid. (20. Jänner 2021)Andrew Harnik / AP / picturedesk.com
Donald Trumps Präsidentschaft ist ausgestanden. Jetzt ist Joe Biden der mächtigste Mann der USA. Kann er den Scherbenhaufen seines Vorgängers kitten?

"Bidens Amtseinführung konnte trotz der angespannten Situation sehr würdevoll über die Bühne gehen", schildert ORF-Korrespondent Christophe Kohl in der ZIB2 aus Washington. Demonstranten und Querulanten habe es wohl auch durch das massive Militäraufgebot nur sehr wenige gegeben. 

Auch unter den Republikanern gebe es Zustimmung für die versöhnlichen Worte in der Rede des neuen, demokratischen Präsidenten, so Kohl weiter. Viele loyale Trump-Anhänger hätten heute ein Zeichen gesetzt und statt an Trumps Abschiedsfeier am Flughafen lieber der Inauguration Bidens teilgenommen.

Scherbenhaufen

Joe Biden beginnt bereits an seinem ersten Arbeitstag im Weißen Haus mit einigen Executive Orders, die Trumps Scherbenhaufen beseitigen sollen. So werden die USA unter ihrem neuen Präsidenten wieder dem Pariser Klimaabkommen und der WHO beitreten. Und: Biden erklärte den Kampf gegen die Corona-Pandemie zur obersten Priorität. Er will die Impfung seinen Bürgern flächendeckend gratis zur Verfügung stellen.

Doch es gibt noch zahlreiche andere Baustellen. Die diplomatischen Beziehungen zu Nordkorea hatte Trump gekappt, war aus dem Wiener Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen. Zudem hatte sich der 45. Präsident einen Handelskrieg mit der Supermacht China geliefert und Abrüstverträge mit Russland ignoriert.

Sanierung

Biden strecke zum einen die Hand in Richtung der Republikaner und Trump-Anhängern aus, um Versöhnung zu schaffen, schildert Politologe Michael Werz danach per Schaltung ins Studio zu Armin Wolf. Gleichzeitig habe Biden aber Gewaltexzesse wie etwa den Sturm auf das Kapitol scharf verurteilt. 

Doch kann Biden wirklich alle seine Ziele in den kommenden Jahren durchsetzen? Der neue Mann im Weißen Haus habe nun genug Budget und Verhandlungsmasse zur Verfügung und Erfahrung, um im Senat seine Wünsche durchzusetzen, analysiert Werz. Biden werde wieder eine Außenpolitik wie unter Obama führen. Er wisse, dass die Allianzen mit europäischen und anderen Verbündeten nun wieder saniert und modernisiert werden müssten. 

Anomalie

Kann Biden mit seinen jetzt 78 Jahren in vier Jahren noch einmal kandidieren? "Er ist zwar kein junger Hüpfer, aber seine Erfahrung wird ihn stützen", so Werz. Biden könne jetzt das Fundament legen. Er selbst habe sich immer als "Brücke zwischen den Generationen" gesehen. 

Politologe Michael Werz in der ZiB2
Politologe Michael Werz in der ZiB2Screenshot ORF

War Donald Trump der "schlechteste Präsident" in der Geschichte der USA, wollte Armin Wolf zum Abschluss wissen. "Ich weiß nicht, ob diese Kategorie angebracht ist", sagt Werz. Er wolle ihn nicht in gut oder schlecht einstufen. "Trump war eine Anomalie in der Geschichte und gleichzeitig das Resultat eines Radikalisierungsprozesses, der sich schon seit vielen Jahren abgespielt hat".

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