Trotz Grünen in Regierung fehlen Wien sichere Radwege

Mit Pop-up-Radwegen, wie hier auf der Wagramer Straße, wollte Vizebürgermeisterin Birgit Hebein Platz für sicheres Radfahren schaffen.
Mit Pop-up-Radwegen, wie hier auf der Wagramer Straße, wollte Vizebürgermeisterin Birgit Hebein Platz für sicheres Radfahren schaffen.Willfried Gredler-Oxenbauer / picturedesk.com
TU-Experten haben sich das Hauptradverkehrsnetz näher angesehen. Ergebnis: Bei der Hälfte der bewerteten Abschnitte besteht "hoher Handlungsbedarf".

"Als Hauptgrund nicht aufs Rad zu steigen, nennen Wiener Angst im Straßenverkehr und zu viel Kfz-Verkehr", schreibt Martin Blum, Radbeauftragter der Stadt Wien, auf seinem Blog. Obwohl derzeit so viele Radfahrer wie noch nie in der Stadt unterwegs sind, würden noch immer zahlreiche Radwege fehlen.

Pop-up-Radwege statt dauerhafter Lösungen

Das ist insofern beachtlich, als dass die Grünen nun seit zehn Jahren in der Wiener Stadtregierung sind und genau so lange auch den Posten des für den Radwegeausbau zuständigen Verkehrs- und Planungsstadtrats innehaben. Gezählte acht Mal kommt im aktuellen Wahlprogramm der Grünen das Wort Radweg vor, ausführlich wird ausgebreitet, was die Öko-Partei bezüglich Radfahren in Wien nicht noch alles vorhätten. In den vergangenen Monaten hat sich Verkehrsstadträtin und Grüne-Spitzenkandidatin Birgit Hebein aber eher um die Schaffung von temporären Pop-up-Radwegen als für den Ausbau des bestehenden Radwegenetzes gekümmert - und so die ohnehin hitzige Debatte zwischen Rad- und Autofahrern weiter befeuert.

ÖVP lässt Rechnungshof "grünen Pop-up-Populismus" prüfen

Die ÖVP wirft Hebein daher auch vor, "Steuergeld für grüne Wahlwerbung verschleudert" zu haben und beauftragte kürzlich den  Rechnungshof mit der Prüfung des "grünen Pop-up-Populismus". Einem besonders umstrittenen Pop-up-Radweg, der auf der Praterstraße (Leopoldstadt) eingerichtet wurde, entzog sogar eine von Hebein selbst beauftragte TU-Studie die Existenzberechtigung. Laut der von Hebein präsentierten Erhebung der Technischen Universität waren trotz Sommerwetters gerade einmal 900 Radfahrer in einer Spitzenstunde unterwegs. "Die Studie der TU zeigt, dass selbst auf dem ursprünglichen Radweg noch ausreichend Kapazität besteht. Eine zusätzliche Anlage daneben braucht es daher nicht – schon gar nicht in den Wintermonaten", so ÖAMTC-Verkehrsexperte Matthias Nagler.

Bei der Hälfte der analysierten Straßenabschnitte besteht "hoher Handlungsbedarf"

Wo es Lücken und unsichere Stellen gibt, hat die TU Wien nun im Auftrag der Mobilitätsagentur erhoben. Analysiert wurde auch, welche Radwege den größten Effekt für mehr Radverkehr in Wien hätten. Bewertet wurden 1.141 Abschnitte in 362 Straßen. Für viele wohl ein überraschendes Ergebnis: Bei der Hälfte der betroffenen Straßenabschnitte besteht "hoher Handlungsbedarf". Von der Alser Straße über die Äußere Mariahilfer Straße und die Fasangasse, bis hin zur Wallensteinstraße fehlt es an sicherer Infrastruktur. "Das Ergebnis zeigt, dass innerstädtischer Raum künftig wohl anders gedacht werden muss. Mit deutlich weniger Autoverkehr und Stellplätzen", erklärt Blum.

Übrigens: Allein Verbesserungen auf der Währinger Straße, Universitätsstraße/ Alser Straße/Ottakringer Straße, Hernalser Hauptstraße, Alserbachstraße/ Wallensteinstraße, Mariahilfer Straße, Ungargasse/Fasangasse würde schon den Anteil des Radverkehrs heben. 

"Um Lücken zu schließen bzw. derer Priorität herabzustufen, sind mehrere Maßnahmen möglich. Ein Lückenschluss durch die Errichtung eines baulich getrennten Radwegs bzw. einer ,protected bike lane' ist die bevorzugte Lösung. Darüber hinaus besteht aber auch die Möglichkeit, die Funktion der Straße herabzustufen, die erlaubten Höchstgeschwindigkeiten zu senken bzw. die Kfz-Verkehrsmengen zu drosseln", heißt es in der Studie der TU abschließend.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch.
Nav-Account red Time| Akt:
RadfahrenWienUniversitätGrüne

ThemaCreated with Sketch.Weiterlesen