Die Türkei erlebt bei der WM ein Debakel – und kassiert jetzt heftige Kritik aus den eigenen Reihen. Nach dem 0:2 gegen Australien setzte es gegen Paraguay die nächste Niederlage, mit dem 0:1 ist das Aus bereits nach zwei Gruppenspielen besiegelt. Ex-Nationalspieler Halil Altıntop rechnete gnadenlos mit der Mannschaft ab.
Der frühere Stürmer konnte nach dem Schlusspfiff kaum fassen, was er gesehen hatte. Bei MagentaTV sprach Altıntop von einer riesigen Enttäuschung und erklärte: "Ich habe sehr viele Fragezeichen. Die Enttäuschung ist sehr groß, weil die Mannschaft sehr viel individuelle Qualität hat. Das muss man erstmal sacken lassen."
Besonders ärgerte den Ex-Teamspieler, dass die Türken trotz einer kompletten Halbzeit in Überzahl keine Antwort fanden. Altıntop hatte nach dem Platzverweis auf eine Reaktion gehofft, sah aber stattdessen dieselben Probleme wie zuvor. "Es hat sich gar nichts verändert. Ob sie jetzt ein Mann mehr waren oder weniger, da ist in der türkischen Mannschaft nichts passiert", sagte der 42-Jährige.
Für Altıntop begann die Niederlage praktisch schon nach zwei Minuten. Paraguay nutzte einen Fehler im türkischen Spielaufbau eiskalt aus und traf früh zur Führung. Genau diese Szene sei sinnbildlich für das gesamte Turnier gewesen. "Das Tor direkt am Anfang spiegelt so viel wider", erklärte der ehemalige Nationalspieler.
Gerade in einem Spiel, das nach der Auftaktpleite bereits Endspielcharakter gehabt habe, könne er ein solches Risiko nicht nachvollziehen. "Das heute ist wie ein Finale, du hast das erste Spiel verloren und musst punkten. Und dann fängst du ein Spiel so Harakiri an, willst hinten herausspielen und machst so einen Fehler."
Auch an die Niederlage gegen Australien fühlte sich Altıntop erinnert. Wieder sei ein Ballverlust der Ausgangspunkt gewesen. "Ballverlust, Umschaltmoment, Ordnung verloren, zack, es klingelt", analysierte er. Entsprechend vernichtend fiel sein Urteil aus. Das Verhalten der Mannschaft sei "an Naivität nicht zu überbieten".