Die Türkei zählt zu den fußball-verrücktesten Ländern der Welt. Nach Siegen sind die Spieler Nationalhelden, nach Niederlagen stehen sie am Pranger – und genau das bekam das türkische Team nach der WM-Auftaktniederlage (0:2) gegen Australien zu spüren. Die Nation hatte (zu) hohe Erwartungen und war von der Leistung enttäuscht. Trainer Vincenzo Montella holte deshalb jetzt zum Rundumschlag aus.
"Diese Mannschaft hat in den letzten drei Jahren großartige Ergebnisse erzielt, und ich finde, wir verdienen ein wenig mehr Respekt nach dem ersten Spiel, auch wenn wir es besser hätten machen können", sagte Montella vor dem wichtigen zweiten Gruppenspiel gegen Paraguay. Und er richtete einen Seitenhieb gegen seine Kritiker. "Ich bin sicher: Wenn wir morgen gewinnen, werden einige Leute wieder sagen, wir werden Weltmeister."
Sportlich steht die Türkei bereits mit dem Rücken zur Wand. Verliert das Team auch gegen Paraguay und holen die USA gegen Australien zumindest einen Punkt, wäre das WM-Abenteuer bereits nach dem zweiten Gruppenspiel beendet.
Die Auftaktpleite hatte in der Türkei eine Welle der Kritik ausgelöst. Montella sieht das Umfeld als zusätzlichen Belastungsfaktor für sein Team. "Wir haben dieses Spiel mit klarem Kopf vorbereitet, obwohl um uns herum so viel Chaos war. Ich beziehe mich nicht auf alle Medien, aber es gibt ein paar Individuen, die für Wirbel sorgen."
Mit Kritik habe er gerechnet, erklärte der 52-Jährige. "Aber nicht in diesem Ausmaß." Um die Mannschaft vor dem Schicksalsspiel enger zusammenzuschweißen, lud Montella die Familien der Spieler ins Teamquartier in Arizona ein. "Wir sind vereinter als je zuvor, um es herumzureißen und nach der Niederlage zurückzuschlagen", betonte der Teamchef.