Im Rahmen des Heimatkunde-Unterrichts haben türkischstämmige Kinder die Schlacht von Gallipoli nachgestellt. Die türkische Botschaft in Bern war Schirmherrin.
Es waren verstörende Fotos, die aus der prominenten Moschee in der Dammstraße in Wien-Brigittenau auf Facebook auftauchten. Zu sehen sind Kinder im Volksschulalter, die in Tarnkleidung mit exerzieren und auch als mit der türkischen Flagge bedeckte "Märtyrer" posierten. Zuvor waren ähnliche Veranstaltungen in Deutschland gemeldet worden – "heute.at" berichtete. Jetzt ist auch in der Schweiz eine solche Aufführung bekannt geworden, die direkt von der türkischen Botschaft organisiert wurde.
Schweizerisch-türkische Volksschüler haben im Rahmen eines Freifachs im Thurgau in Militäruniformen und mit Spielzeugwaffen blutige Schlachten nachgespielt. Bei der Darbietung in der Unterrichtsreihe "Heimatliche Sprache und Kultur" in einer Mehrzweckhalle Uttwil am 25. März zielten laut vom "SonntagsBlick" publizierten Videobildern sechsjährige Buben gegenseitig aufeinander und posierten als Leichen – zugedeckt mit türkischen Fahnen.
Dabei sei die Schlacht von Gallipoli dargestellt worden – ein Gefecht im Ersten Weltkrieg, bei dem Soldaten des Osmanischen Reiches britische, australische und französische Einheiten zurückschlugen.
Treibende Kraft hinter der Darbietung ist laut der Zeitung die türkische Botschaft in Bern, im Publikum saßen Ehrengäste aus Ankara. Für die Heimatkunde arbeitet die Botschaft mit den Kantonen zusammen. Diese stellen etwa Klassenzimmer zur Verfügung, der Besuch wird im regulären Zeugnis vermerkt.
Etwas zu weit gegangen
Ein Türkei-Experte erklärte der Zeitung, bei dem Anlass würden Kinder gezielt für nationalistische Kriegspropaganda von Staatspräsident Erdogan instrumentalisiert. Beim in dem Fall zuständigen Kanton St. Gallen wusste man laut Angaben eines Amtsleiters nichts von den Kriegsszenen.
Der Organisator des Kurses räumte ein, beim militärischen Schauspiel wohl etwas zu weit gegangen zu sein. Es sei aber "nur" ein historisches Ereignis nachgespielt worden. Ähnliche "Kriegsspiele" gab es laut "SonntagsBlick" auch im Schweizer Solothurn und im Aargau. (roy/red)