Anschreien, Beschimpfungen, Drohungen, anzügliche Bemerkungen, Essverbote und Trainingsmethoden über der Schmerzgrenze. Im Schweizer Synchronschwimmen soll ein Klima der Angst herrschen. Die Synchronschwimmerin Joelle Peschl sagt: "Ich habe das Gefühl, in dieser Welt bist du kein Mensch." Das SRF berichtet am Montag gleich in zwei Sendungen von den Missständen.
Peschl macht zur körperlichen Überbelastung ein Beispiel: "Man wird halt runtergedrückt im Spagat. Man weint viel, weil man so Schmerzen hat." Dazu ergänzt sie: "Es braucht jemanden, der hilft beim Stretchen, weil das Ideal, das wir brauchen, nicht allein erreicht werden kann. Aber es gibt ein Maß. Und es gibt Leute, die draufstehen, und die Kinder weinen und können nicht mehr atmen, weil der Rücken so fest nach hinten gezogen wird."
In einem internen Dokument, das SRF Investigativ vorliegt, ist die Rede von "Chaos" und "unhaltbaren Zuständen". Im Fokus der Kritik stehen die zwei Co-Sportdirektoren Synchronschwimmen Markus Thöni und Patricia Fahrni. Gegenüber dem SRF weisen sie die Kritik zurück. Sie sagen: "Die psychische und physische Gesundheit unserer Athletinnen hat bei uns oberstes Gebot. Übergriffe werden nicht toleriert." Trotzdem traten die beiden geschlossen zurück.
Freunderlwirtschaft ein starker Kritikpunkt
Ebenfalls stark kritisiert wird die Freunderlwirtschaft in der Jury. Oft sollen Eltern oder Trainer in der Jury sitzen und dann die eigenen Schützlinge deutlich besser bewerten. Die 23-jährige Peschl sagt: "Eine Richterin sagte uns einfach: Es tut mir leid, ihr wart klar besser. Aber ich musste für die anderen richten. Und dort habe ich als Schwimmerin meine Welt nicht mehr verstanden."
Peschl ist nicht die einzige Athletin, die Missstände anspricht. Auch Ladina Lippuner bemängelt die Zustände. Noch Wochen vor der WM gab es große Fragezeichen bei der Planung des Großevents. "Man weiß nicht genau, wann die nächsten Trainingslager stattfinden. Man muss sich spontan auf etwas einstellen können, einfach mitmachen."
Beim Schwimmverband ist man sich aller Vorwürfe bewusst. Sie werden in einem internen Dokument benannt. Schwimmverbands-Co-Präsident Ewen Cameron sagt: "Das tut mir leid, ich habe einfach kein Verständnis für sowas." Der Schwimmverband setze unter anderem bei den Trainerausbildungen an. Cameron sagt, dass der Verband auf die einzelnen Vereine aber wenig Einflussmöglichkeiten habe. Durch die Rücktritte der Co-Sportdirektoren sei nun aber der Weg frei, um die Sportart zu reorganisieren.
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