U-Boot-Kreuzfahrt, Allflug: So urlauben wir 2033

Für das Verkehrsbüro hat Zukunftsforscher Andreas Reiter erhoben, wie Urlaub 2033 aussehen könnte - Futurismus pur.

Schon in naher Zukunft – in 15 bis 20 Jahren – wird sich das Reisen in vielen Bereichen völlig anders abspielen als heute. Anlässlich des Jubiläums "100 Jahre Verkehrsbüro" hat Andreas Reiter, Chef des Wiener Zukunftsbüros ZTB, ein für uns heute nur schwer unvorstellbares Zukunftsbild gezeichnet.

Fernflüge viel billiger

„Es wird zum Beispiel transkontinentale Billigflieger als Standard und vollautomatisierte Budget-Hotels geben", sagt der Zukunftsforscher, der davon ausgeht, dass auch Fernreisen zunehmen werden: „Extrem schnelle Verbindungen zwischen Metropolen werden dazu beitragen, etwa mittels Techniken wie Hyperloop, an denen ja bereits geforscht wird." Darauf deutet laut Reiter auch hin, dass die Lufthansa bereits Interesse an diesen neuen Hochgeschwindigkeitszügen bekundet hat.

Süd nach Nord, Tiefsee und Weltraum als neue Ziele

Aufgrund der globalen Erwärmung verschieben sich die Touristenströme von Süd nach Nord. Als mögliche Zukunftshits gelten etwa Biking in Norwegen, Baden in Südschweden und Wandern auf Island sein. Aber: Es geht auch nach unten und oben. Weltraumflüge werden leistbarer und von UberSpace (laut Reiter dürfte Uber 2033 mittlerweile als Rundum-Mobilitätsanbieter auftreten) um 60.000 US-Dollar offeriert. „Unter Wasser werden U-Boote die neuen Kreuzfahrtschiffe sein, Unterwasser-Lodges in Asien und im Nahen Osten sind schon heute begehrte Destinationen", so Reiter. Freilich wird das aber auch im Jahr 2033 immer noch im Luxus-Segment angesiedelt sein.

Skifahren in Nordkorea

Länder wie der Iran, Nordkorea (Skifahren in Masik-Ryong) und Afghanistan (Downhill-Biking) werden als bislang abgeschottete Regionen an Bedeutung gewinnen. Gleiches gilt etwa für Sibirien (Vulkan Kamtschatka, alte Militäranlagen aus Sowjet-Zeiten) oder für vom Untergang bedrohte Südseeparadiese wie Tuvalu.

Original-Schauplätze gefragt

„Für die globale Mittelschicht, also Asiaten oder Lateinamerikaner, gilt künftig die Devise‚ 'Europe First'. In Zeiten der Fakes werden Originale, wie beispielsweise Hallstatt, zu historischen Highlights und Massen-Destinationen", sagt der Zukunftsforscher. „Und die Alpen werden für Chinesen, die gerade das Skifahren entdecken, zum Winter-Prestige."

Teheran, Tirana und Trondheim boomen

Bei Städtereisen entwickeln sich zum Beispiel Teheran, Tirana und Trondheim zu Trendstädten schlechthin und bieten Partylife vergleichbar mit der heutigen Touristenhochburg Barcelona. Andererseits werden Top-Destinationen zum Teil limitiert: Venedig, Dubrovnik und Co. sind angesichts der immer weiter wachsenden Touristenströme nur noch gegen Voranmeldung und Zusatzgebühr zu besichtigen. So könnte der Sonnenuntergang am Markusplatz in zwei Jahrzehnten rund 190.000 Lire (laut Reiter ist ein Austritt Italiens aus der Euro-Zone wahrscheinlich) kosten, umgerechnet 90 bis 100 Euro.

Wellness wird noch wichtiger

Ein weiterer Trend, mit dem zu rechnen sein wird, ist Medical Wellness: Vorsorge, Regeneration und Anti-Aging werden in einer alternden Gesellschaft verstärkt nachgefragt. Ebenso das Thema Digital Detox – also Offline-Locations zur Regeneration, in denen Stille, Ruhe und manuelle Tätigkeiten die Atmosphäre bestimmen.

Persönliche Betreuung wird zum Luxus

„Als Gegenpol zum in Zukunft noch größeren Billigsegment wird auch das Luxus-Segment stärker", glaubt Reiter. Persönliche Betreuung durch echte Menschen ist nur noch bei hochpreisigen Touren inklusive. Zum Beispiel der persönliche Chauffeur, statt des selbstfahrenden Taxis. Außergewöhnliche Erlebnisse – statt Produkte – werden Luxus der Zukunft sein, beispielsweise ein Retreat in Bhutan, eine Expedition zu den Königspinguinen auf Feuerland oder Mitarbeit in einem Waisenhaus in Kambodscha.

Gleichzeitig wird der so genannte "Branded Lifestyle" in Form von Kooperation zwischen Luxus-Marken und Hotels immer mehr Einzug in die Angebots-Palette halten. Reiter: „Nutzer-Daten werden mittels Algorithmen ausgewertet. Auf dieser Basis werden dann auf jeden Gast individuell zugeschnittene Mode- oder Sportartikel im Zimmer bereitstehen".

Reisebüros wandeln sich in Erlebniswelten

Laut Verkehrsbüro-Vorstand Helga Freund werden daneben auch Reisebüros nach und nach zu einer Form von Luxus. Ihre Zahl wird sinken, und sie werden vor allem in Hochfrequenz-Lagen in der City, in Airport-Malls oder an Bahnhöfen angesiedelt sein. Dabei soll bereits die Buchung zu einem unvergesslichen Erlebnis werden - etwa dank Indoor-Kletterwand, Food-Court, Abenteuerzone und Mixed-Reality-Kino. Zudem werden Einheimische und Reiseexperten aus der Zielregion in Form von Hologrammen in die Verkaufsgespräche eingebunden.

So funktioniert Reisen 2033

Um zu zeigen, wie der Urlaub der Zukunft aussehen könnte, hat Andreas Reiter das Reiseerlebnis zwei unterschiedlicher Zielgruppen skizziert: zwei Best Ager, die Lehrerin Sarah (55) und ihr Mann, Möbeltischler Michael (58), sowie als Kontrapart der 29-jährige Digital Native und Data Scientist Lukas.

Während das Paar Romantik, Spa und Kulinarik im Sinn hat, steht es Lukas nach Erholung. Für beide gilt, dass sie vor Reisebuchung und -antritt mittels digitaler Datenauswertung (Puls, Blutdruck, weitere Infos aus Wearables und sozialen Netzwerken) Vorschläge für die Destination erhalten. Via VR-Brille und Hologramm-Berater können sie sich vorab das Hotel und dessen Angebote ansehen.

Auch während der Anreise macht High-Tech vieles einfacher – sei es das selbstfahrende Auto, der Travel-Mate (eine App, die quasi als Reiseführer agiert) oder biometrischer Scan und Gepäckroboter am Airport. Dasselbe gilt für den Aufenthalt im Hotel. Dort wird entweder via Gesichtserkennung eingecheckt, vom Service-Roboter ein Welcome-Smoothie überreicht oder – in der Luxus-Variante – alles von echten Menschen persönlich abgewickelt. Nichts wird dem Zufall überlassen: Im Falle eines Flugs wird selbst der Sitznachbar per Big-Data-Analyse etwa nach gleichen Interessen und Neigungen ausgewählt.

Und am Zielort: Für die Best Ager gibt es ein Erlebnis-Package (Taxi-Drohne zu verträumten Plätzen, Konzert im Sonnenuntergang mit holographisch projizierter Opernsängerin, per DNA-Analyse personalisierte Wellness-Angebote) sowie smarte Matratzen und Kissen. Diese passen sich für den perfekten Schlaf anhand biometrischer Daten an die Bedürfnisse der Urlauber an.

Lukas erhält ein fertiges Bewegungs- und Entspannungsprogramm präsentiert. Smarte Sportbekleidung kontrolliert dabei die Körperfunktionen. Zudem kann er Freunde in Form von Hologrammen einladen, eine Vitamin-C-Dusche nehmen oder sich von seinem intelligenten Kissen in den Schlaf massieren lassen. (bart)

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