Wiener stellt Räuber – und wird dafür selbst bestraf...

Ein Tankstellen-Besitzer erkannte einen Gauner auf der Straße und hielt ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest. Jetzt bekam er Strafverfügung wegen Lärmerregung.

Rund 20 Überfälle auf seine Tankstellen hat Christoph Bösch (56) schon hinter sich. Doch die zwei Raubzüge am 25. und 26. Jänner wird der Mann so schnell nicht vergessen. Denn am Ende stand er selbst als Bösewicht da – obwohl er dem Täter längst verziehen hat. Aber der Reihe nach:

Am 25. Jänner um 5.30 Uhr in der Früh betritt ein kleingewachsener Mann in einer Camouflage-Jacke mit auffälligem Pelzkragen die Turmöl-Tankstelle von Christoph Bösch bei der S-Bahn-Station Wien-Hernals. Er zückt einen Revolver und fordert Geld. Der Kassier fleht ihn an: "Tu mir nichts, ich habe gerade geheiratet!" Der Räuber beruhigt ihn: "Du musst keine Angst haben. Ich auch." Nach diesem Dialog flüchtet der Ganove mit ein paar hundert Euro.

Kamera filmt auch zweiten Überfall

Am nächsten Tag taucht der Räuber mit der Pelzkragen-Jacke wieder in einer Tankstelle von Bösch auf. Diesmal ist es die Turmöl-Filiale in der Schönbrunner Straße (Wien-Meidling). Nach längerem Verweilen im Verkaufsraum tritt der Täter um 3.20 morgens an die Kasse und fordert Geld. Der arabisch sprechende Verkäufer verwickelt ihn in ein Gespräch. Dabei erfährt er, dass der Kapuzen-Mann aus dem Irak stammt und vor sieben Jahren in Österreich Asyl beantragt hat. Er gibt an, verzweifelt zu sein und flüchtet erneut mit der Beute. Von beiden Tathandlungen gibt es gestochen scharfe Kameraaufzeichnungen.

Showdown in Hernals

Zwei Tage später kommt es zum Showdown. Tankstellen-Unternehmer Christoph Bösch fährt mit seinem Pickup zum Schauplatz des ersten Überfalls. Knapp 100 Meter vor der Tankstelle erkennt er den Räuber. Er lässt sein Auto stehen, springt aus dem Wagen und nimmt den Straftäter in den Schwitzkasten. Dieser will in die Jackentasche greifen, wo Bösch die Pistole vermutet. Mit dem Knie im Rücken fixiert er den Kapuzen-Mann. Er ersucht Passanten die Polizei zu rufen. Der Fixierte ruft "Relax!", worauf sich Bösch etwas entspannt: "Ich habe gemerkt, er bietet einen Waffenstillstand an." Dennoch zehrt das Festhalten des Täters an den Kräften des Tankstellen-Besitzers.

Die Zeit vergeht. Minuten fühlen sich wie Stunden an. Das nächste Wachzimmer befindet sich nur eine Straße weiter, dennoch dauert es elf Minuten bis zwei Polizisten bei der Gefahrensituation eintreffen. Bösch wird von ihnen unwirsch zur Seite gedrängt: "Ich wurde sehr schräg angeredet." Ein Polizist soll überrascht in Richtung Täter gemeint haben: "Das ist ja der, den wir suchen." Der Kapuzen-Mann wurde abgeführt. Bösch musste zum Verhör. Was ihn besonders ärgert: "Keiner von der Polizei hat wenigstens "Danke" gesagt.

Überfall-Opfer muss Strafe zahlen

Doch für den Tankstellen-Besitzer ist die Sache mit der Verhaftung des Räubers noch nicht ausgestanden. Denn vor wenigen Tagen flatterte ihm ein Brief von der Polizei ins Haus: Weil er beim Stellen des Räubers lautstark geschrien haben soll, wurde er wegen der Erregung ungebührlichen Lärms angezeigt. Die verhängte Geldstrafe beträgt 50 Euro. Rechtsanwalt Florian Kreiner will für seinen Mandanten jetzt dagegen vorgehen.

"Habe dem Täter schon verziehen"

Turmöl-Unternehmer Christoph Bösch hat seine Kräfte inzwischen wieder aufgetankt. Im Gespräch mit "Heute" erzählt er Berührendes. "Ich habe dem Täter schon längst verziehen. Er hat ein Kind, kein Geld und litt Not. Er war aber bei den Überfällen nicht aggressiv und hat sich auch gegen meinen Zugriff nicht gewehrt. Ich möchte ihm helfen", sagt Bösch.

Tatsächlich beweist der 56-jährige Benzinbruder ein großes Herz: Vor einigen Jahren hat er 19 Afghanen in seinem Privathaus untergebracht. Zudem beschäftigt er auch regelmäßig Haftentlassene und hat mit den meisten gute Erfahrungen gemacht. Gut möglich, dass es auch für den zweifachen Räuber eine zweite Chance gibt.

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