Überlastung, wenig Platz: Kritik an Hotline 1450

Ein Mitarbeiter der Hotline 1450 übt Kritik an den Arbeitsbedingungen.
Ein Mitarbeiter der Hotline 1450 übt Kritik an den Arbeitsbedingungen.Bild: iStock/Symbolbild
Ein Mitarbeiter der Corona-Hotline 1450 erhebt schwere Vorwürfe: Arbeitsüberlastung, mangelnde Hygiene, wenig Platz und ignorierte Mitarbeiter-Anliegen lautet die Kritik.
"Wir sind ausgelaugt, absolut ausgelaugt" – so wird die Situation der medizinischen Fachkräfte bei 1450 beschrieben, berichtet "vienna.at". Das Stresslevel ist extrem, die Rahmenbedingungen schlecht und: "Wir haben acht Stunden die Angst der Menschen im Ohr", so ein Mitarbeiter, der anonym bleiben will.

Die Telefone bei 1450 laufen dieser Tage auf Hochtouren. Derzeit besteht das Stammpersonal aus 19 Schwestern und Pflegern sowie einigen Medizinstudenten. Doch Krankenstände verhindern eine volle Besetzung. Anrufer befinden sich daher teilweise lange in der Warteschleife: "Wir führen viele Deeskalationsgespräche. Teilweise wird uns sogar mit dem Umbringen gedroht."

Fonds Soziales Wien weist Kritik zurück

Von Seiten der Träger-Organisation, der Fonds Soziales Wien (FSW), wird die Kritik zurückgewiesen. Man habe nach dem Ausbruch der Corona-Krise versucht, so schnell wie möglich Strukturen zu erweitern und Personal aufzubauen. Dennoch konnten Wartezeiten am Anfang nicht vermieden werden, die Anzahl der Anrufe waren um das 70-fache gestiegen. Am 24. März hätte es jedoch nur mehr 27 Sekunden gedauert, bis ein Anruf entgegengenommen werden konnte. Die Abwicklung eines Verdachtsfalls dauerte im Durchschnitt 18 Minuten.

CommentCreated with Sketch.0 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch.Mittlerweile wurde das Personal aufgestockt, doch nicht immer handelt es sich dabei um medizinisches Fachpersonal. Und: Durch den Personalausbau wurden die Räumlichkeiten zu klein: "Eng-an-eng" wird die Sitzposition beschrieben, von einem "Social Distancing" könne nicht die Rede sein. Der FSW kontert: Am 19. März wurde ein zweiter Standort in Betrieb genommen, um den Mitarbeitern mehr Platz und Räume zu bieten.

Keine Reinigung am Wochenende

Auch um die Reinigung des Arbeitsbereichs ist es in Corona-Zeiten bei 1450 nicht so gut bestellt: Geputzt wird nur von Montag bis Freitag. Am Wochenende können sich die Mitarbeiter zwar die Hände waschen, Papiertücher zum Abtrocknen gibt es aber keine (mehr). Der Reinigungsdienst sei verbessert worden, so die Auskunft von Vienna Communications, dem Call Center, in dem die Hotline untergebracht ist.

Ein weiteres Problem ist die fehlende Kommunikation, so der anonyme Mitarbeiter. Dies ziehe sich durch zahlreiche Bereiche, beginnend bei fehlenden Updates. So wurden die Mitarbeiter etwa nicht über gesperrte Gebiete informiert. Anrufer aus Wien, die erst vor kurzem einen Urlaub in Tirol gemacht hatten, wollten wissen, wie sie sich nun verhalten sollen. Doch bei 1450 hatte darauf niemand die Antwort. Dieser mangelnde Informationsfluss ist nicht nur "extrem frustrierend", sondern 1450 verliere auch die Glaubwürdigkeit, so die medizinische Fachkraft.

Auch Vorwürfe gegenüber Ärztefunkdienst

Weiters gibt es laut dem 1450-Mitarbeiter auch ein Problem mit dem Ärztefunkdienst: Kinder ohne Sozialversicherungsnummer würden nicht angefahren werden, selbst bei einem Verdachtsfall komme der Ärztefunkdienst bis zu drei Tage lang nicht vorbei. Der Ärztefunkdienst dementiert diese Vorwürfe: Es werden alle Personen angefahren, auch jene ohne Sozialversicherung – das betreffe beispielsweise Flüchtlingskinder oder Obdachlose. Auch die Wartezeiten lassen sich leicht erklären: Zwar wäre es möglich, alle Verdachtsfälle innerhalb eines halben Tages anzufahren, aufgenommene Proben könnten aber aufgrund der Test-Kapazitäten nicht so schnell durchführt werden. So würden viele Abstriche in der Zwischenzeit unbrauchbar werden.



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