Überwachungskamera filmt wüste Schlägerei in Öffis

Wie das Video an die Öffentlichkeit gelangte, ist nicht bekannt.
Wie das Video an die Öffentlichkeit gelangte, ist nicht bekannt.
Auf WhatsApp kursiert momentan ein Video, das eine Gruppe Jugendlicher bei einer brutalen Schlägerei zeigt. Das sind die Hintergründe.

Auf WhatsApp macht derzeit ein Video die Runde, das zeigt, wie sich eine Gruppe Jugendlicher in einer Straßenbahn prügelt. Das Video stammt ursprünglich von einer Überwachungskamera der Basler Verkehrs-Betriebe (BVB). Das bestätigt Sonja Körkel, Mediensprecherin der BVB. Das Video sei im Rahmen eines Strafverfahrens von der Staatsanwaltschaft bei der BVB angefordert worden.

Beat Burkhardt, stellvertretender Präsident des Jugendgerichts, bestätigt den Vorfall im Gespräch mit "20 Minuten". "Die Auseinandersetzung trug sich vor rund einem Jahr zu", sagt er. Im August dieses Jahres sei der Fall vor dem Jugendgericht verhandelt worden.

Erhöhter Persönlichkeitsschutz

Es habe sich bei der Auseinandersetzung um ein Beziehungsdelikt gehandelt, mehr könne er dazu jedoch aufgrund des erhöhten Persönlichkeitsschutzes bei Jugendlichen nicht preisgeben. Einer der Beteiligten sei in die Zuständigkeit des Jugendgerichts Basel-Stadt gefallen, sagt Burkhardt weiter. "Der Minderjährige ist in ein Maßnahmezentrum für Jugendliche eingewiesen worden. Wie lange er dort verweilt, ist jedoch noch offen und hängt vom Erfolg des Aufenthalts ab."

Wie das Video in private Kreise gelangte, ist unklar. Das Jugendgericht Basel-Stadt betont jedoch, dass es dieses nicht zur Verfügung gestellt hat.

"Sobald etwas in Umlauf gerät, verliert man die Kontrolle darüber"

Daniel Betschart, Programmverantwortlicher für Medienkompetenz bei der Stiftung Pro Juventute, weist gegenüber "20 Minuten" darauf hin, dass der Umgang mit Videomaterial dieser Art äußerst heikel ist. "Wenn ein solches Video in Umlauf gerät, entsteht eine Problematik mit mehreren Ebenen", sagt er.

In erster Linie wird das Recht am eigenen Bild verletzt, wenn die Personen im Video zu erkennen sind, so Betschart. "Personen, die das Video unzensiert weiterverbreiten, können sich daher auch strafbar machen." Deshalb ruft die Pro Juventute dazu auf, heikles Material nicht auf sozialen Medien weiterzuverbreiten.

Weiter betont Betschart, dass bei der Verbreitung eines solchen Videos eine große Angriffsfläche für alle Beteiligten entsteht. "Sobald etwas in Umlauf gerät, verliert man die Kontrolle darüber", sagt er. Denn: "Bei einer unzensierten Verbreitung sind sowohl Opfer als auch Täter erkennbar." Sie könnten so beispielsweise plötzlich öffentlich beleidigt werden.

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