In der Stadt Lwiw, im Westen der Ukraine, bereiten sich die Bewohner derzeit auf eine russische Attacke vor. Viele sind bereits geflohen, andere graben sich wortwörtlich ein. Kurioses Detail: Unter der Stadt befindet sich ein Tunnel-Netzwerk, das auf die Zeit der Habsburgermonarchie zurückgeht, als die Stadt Lemberg hieß. Teilweise handelt es sich dabei um noch immer benützte Kanalisationstunnel. Aber auch viele längst in Vergessenheit geratene Abschnitte befinden sich unter der Erde – und diese werden nun angesichts des russischen Angriffskriegs wieder ausgegraben.
Die Bevölkerung hofft, in den Tunneln Zuflucht vor russischen Bomben zu finden. Schon im zweiten Weltkrieg diente die Kanalisation unter Lwiw der jüdischen Bevölkerung als Versteck vor den Truppen der Nazis. Erst vergangenes Jahr stießen Forscher auf einen Abschnitt, in dem Spuren einer jüdischen Familie zu sehen waren.
Freiwillige graben nun in Lwiw und der Umgebung verschüttete Tunnel-Eingänge wieder aus. Um diese zu finden, sind sie auf das Wissen der älteren Bevölkerung angewiesen, wie der TV-Sender "Channel 4" vor Ort berichtete. "Wir hoffen, dass wir die Bunker nicht brauchen", so ein Freiwilliger, der im Stadtpark von Lwiw einen Eingang zum Untergrund freischaufelt. Aber man wolle auf einen russischen Angriff vorbereitet sein.
Alle Infos zur Lage in der Ukraine findest du in unserem Live-Ticker!