Nach Russland verschleppt

Ukrainerin (17) spricht über Russlands Erziehungslager

Die 17-jährige Valeriia wurde in ein russisches Umerziehungslager verschleppt. Jetzt berichtet sie über ihre Zeit dort und ihre Flucht.

Newsdesk Heute
Ukrainerin (17) spricht über Russlands Erziehungslager
Eine junge Ukrainerin spricht über ihre Flucht und russische Umerziehungslager. (Symbolbild)
Visar Kryeziu / AP / picturedesk.com

Die 17-jährige Valeria erzählt gegenüber der Newsplattform "Euronews" ihre Geschichte. Sie denkt dabei an die Zeit vor den Krieg zurück. Ihr Leben war normal, sie bereitete sich auf Prüfungen in der Schule vor und verbrachte ihre Freizeit mit ihren Hobbys, Tanzen und Luftakrobatik. Nach dem Tod ihrer Eltern lebte sie seit ihrem 13. Lebensjahr bei einem anderen Familienmitglied.

Plötzlich änderte sich alles

Aber ihr Leben änderte sich auf einen Schlag. Zuerst konnte sie sich unter dem russischen Angriffskrieg nichts vorstellen, gibt sie gegenüber "Euronews" bekannt. Kurz nach Kriegsbeginn trafen russische Truppen in ihrer Heimatstadt Nova Kachowka ein. Die Lage blieb für eine Zeit lang ruhig, es gab keine Explosionen, nichts, erinnerte sich Valeriia. Doch im Oktober 2022 beschlossen die russischen Soldaten die Kinder zu "evakuieren". Dafür sollten diese sich auf dem Marktplatz der Stadt versammeln.

Von dort aus wurden sie dann in Bussen an die Grenze der Krim gebracht. Laut Valeriia endete die Reise bei einem Camp namens "Luchystiy". Dort wurden die Kinder auf Läuse und Covid-19 untersucht. Das Lager soll an ein Altersheim erinnert haben. Spiele und kleinere Möbel gab es aber nicht.

Unterricht war Propaganda

Valeria sorgte sich um ihre Freiheit. Die Tagesabläufe waren unvorhersehbar. "Die Lager waren Umerziehungslager." Ihrer Meinung nach dienten sie dem Zweck sicherzustellen, dass die Mehrheit der Kinder nach Russland ging. Es gab in der Schule keine Möglichkeit Ukrainisch zu lernen.

Der Unterricht soll einfach nur reine Propaganda gewesen sein. Unter dem Programm "University Shift", unterstützt durch das russische Bildungsministerium und das Ministerium für Wissenschaft, sollen dadurch den Kindern die russische Kultur und Geschichte anerzogen werden.

Katastrophale Bedingungen

Die Bedingungen in dem Lager sollten katastrophal gewesen sein. Immer wieder erkrankten die Kinder wegen fehlender Kleidung. Die Qualität des Essens führte häufig zu Magenproblemen und Läuse und Windpocken standen auf der Tagesordnung.

Gelungene Flucht

Weil Valeriias Verwandter in einem besetzten Gebiet wohnte, konnte sie nach einem zweimonatigen Aufenthalt in dem Lager abgeholt werden. Um ihren Traum, ein Mediziner zu werden, erfüllen zu können, startete sie ihre Reise dann alleine vom besetzten Henichesk aus. Mit dem Bus schaffte sie es bis nach Rostow in Russland.

Dank ihres russischen Passes schafft sie es die Grenzen zu überqueren. Die letzte Grenze ihrer Reise in Sumy war aber streng überwacht. Ein Übergang zu Fuß war noch möglich. Sie versteckte deshalb ihren ukrainischen Pass, als sie von der strengen Wache gefiltert wird. Als Valeriia dann endlich auf der anderen Seite der Grenze ankam und die ukrainische Sprache hörte, brach sie in Freudentränen aus.

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    picturedesk.com / Screenshot ("Heute"-Collage)

    Auf den Punkt gebracht

    • Die 17-jährige Valeriia wurde in ein russisches Umerziehungslager verschleppt, wo sie unter katastrophalen Bedingungen lebte und reine Propaganda im Unterricht erfahren musste
    • Nach einem zweimonatigen Aufenthalt konnte sie entkommen und alleine nach Russland reisen, von wo aus sie unter großer Vorsicht die ukrainische Grenze überquerte, um endlich die Freiheit wiederzuerlangen und ihre Ausbildung fortzusetzen
    red
    Akt.