Und plötzlich tauchst du mitten in einem Porno auf

Wenn ein Porno mit dem eigenen Gesicht im Internet auftaucht, kann das traumatisch sein – umso mehr, wenn man das Video gar nicht selbst gedreht hat.

Es ist die Horror-Vorstellung einer jeden Person: Im Internet kursiert ein Porno, in dem das eigene Gesicht zu sehen ist. Dies, obwohl man in seinem Leben gar nie einen Porno-Film gedreht hat. Aber dennoch kann dies vorkommen. Denn mittels einer Website, die hier nicht beim Namen genannt werden soll, ist es möglich, die Gesichter von anderen Personen mithilfe von künstlicher Intelligenz in bereits bestehende Porno-Filme einzusetzen.

Erstmals über die Website berichtet hat die "MIT Technology Review". Laut dieser ist die Website noch nicht sonderlich bekannt und verfügt erst über eine relativ kleine Nutzerbasis. Diese sei aber äußerst aktiv und gebe den Entwicklerinnen und Entwicklern hinter der Website stets Feedback und Anregungen.

Deep Fake

Möglich sind solche falschen Porno-Videos dank einer Technologie, die sich Deep Fake nennt. Dabei werden Gesichter von anderen Personen auf den Körper fremder Menschen projiziert und können auch animiert werden. Sie bewegen also die Lippen, blinzeln und lachen. Je nachdem, wie ausgeklügelt die Technologie ist, kann dies bizarr, aber auch täuschend echt aussehen.

Das Forschungsunternehmen Sensity AI schätzt, dass rund 90 bis 95 Prozent aller Deep-Fake-Videos im Internet Porno-Videos sind, die nicht einvernehmlich hergestellt wurden. Davon sollen wiederum 90 Prozent aller Videos Frauen zeigen.

Im Internet tauchen immer wieder Tools oder simple Apps auf, die einen solchen Service bieten. Lange sind diese meist nicht online, bevor sie wieder aus dem Netz verschwinden. Die Tatsache, dass eine solche Seite, die nach wie vor im Internet existiert, allein im August 6,7 Millionen Besucherinnen und Besucher verzeichnet hat, zeigt jedoch, dass ein Interesse an solch einschlägigen Websites besteht.

Auf einem neuen Level

Jene Applikation, über die die "MIT Technology Review" berichtet, bringe den KI-Porno aber auf ein neues Level, heißt es im Bericht. Die Seite sei äußerst leicht zu bedienen und man könne für seine personalisierten Videos aus einem ganzen Katalog an Porno-Clips auswählen. Auch hierbei zeigen die meisten dieser Clips weibliche Hauptdarstellerinnen. Das Aufsetzen der neuen Gesichter dauere nur wenige Sekunden.

Die Resultate seien zwar nicht täuschend echt, so "MIT", aber einem unaufmerksamen Publikum könnte dies trotzdem nicht sofort auffallen. Außerdem schreitet die Deep-Fake-Technologie immer weiter voran, weshalb man davon ausgehen kann, dass solche generierten Videos in Zukunft immer echter aussehen werden.

Dagegen vorgehen ist schwierig

Für Betroffene kann dies weitreichende Konsequenzen haben. So können sie sich durch den nicht einvernehmlichen Gebrauch ihres Gesichts verletzt fühlen. Noelle Martin, eine australische Aktivistin, die selbst Opfer einer Deep-Fake-Racheaktion geworden ist, erklärt: "Diese Art von Missbrauch – also wenn jemand deinen Namen, deinen Ruf oder deine Person auf solche Art und Weise verletzt – lässt dich zerbrechen." Bis heute sei es Martin nicht gelungen, zu erzwingen, dass die gefälschten Bilder aus dem Netz verschwinden.

Tatsächlich ist es schwierig gegen solche Seiten vorzugehen. Deep-Fake-Forscher Henry Ajder, der immer wieder auf solche Seiten im Netz stößt und regelmäßig versucht, diese zum Schließen zu bringen, sagt: "Die einzige Lösung wäre, solche Websites illegal zu machen oder das Erschaffen und Konsumieren von Deep-Fake-Pornos mit fremden Personen zu kriminalisieren." Zwar würden solche Websites auch dann wohl nicht gänzlich verschwinden, die Schwelle, eine solche App zu benutzen, würde aber ansteigen.

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