Österreich

UNESCO droht wieder mit Welterbestatus-Entzug

Heute Redaktion
14.09.2021, 12:49

Die UNESCO hat erneut gedroht, der Wiener Innenstadt den Welterbe-Status abzuerkennen. Grund dafür ist der geplante 66-Meter-Turm am Heumarkt (Landstraße). Der Turm soll bereits um neun Meter niedriger und insgesamt schmäler werden als ursprünglich vorgesehen, doch der UNESCO gehen diese Änderungen aber nicht weit genug.

Projekt-Entwickler und Stadt-Regierung halten nach wie vor an den Plänen fest – sehr zum Ärger der UNESCO. Die Sonderorganisation der Vereinten Nationen kritisiert vor allem, dass es zu wenige gesetzliche Rahmenbedingungen für den Schutz des Welterbes in der Innenstadt gibt. Die UNESCO stößt sich etwa am Vorgehen der Stadt: Ein Investor kommt, plant und erst im Nachhinein wird eine Flächenwidmung beschlossen. Über die Auswirkungen des Heumarkt-Projektes will die UNESCO im Juli in Krakau entscheiden. 

Hochhaus-Dünger wird versprüht

Auch dem ICOMOS (Internationaler Rat für Denkmalpflege) sind die Pläne ein Dorn im Auge. Immer mehr, immer höher, immer weiter – so lautet laut ICOMOS-Austria-Präsident Wilfried Lipp das Motto der Wiener Stadtplanung: "Es ist, wie wenn ein Flugzeug Hochhausdünger über die Stadt versprüht hat und dort, wo Investoren sind, wachsen Hochhäuser heraus."

City-Chef fürchtet Aberkennung

Besorgt zeigt sich auch City-Bezirksvorsteher Markus Figl (ÖVP): "Der Weltkulturerbe-Status der Inneren Stadt darf nicht gefährdet werden! Ich fordere alle handelnden Personen dazu auf, sich auch klar zur Erhaltung dieses zu bekennen und alles zu unternehmen, damit es nicht zu einer Aberkennung kommt!"

Ängste der Bürger ernst nehmen

Kritik kommt auch von ÖVP Wien Planungssprecherin und Gemeinderätin Elisabeth Olischar: „Es ist völlig inakzeptabel, dass einerseits Projektentwickler nur noch angefeindet werden, andererseits die Stadt Wien die Ängste der Bürger einfach nicht ernst nimmt und alles nur, weil die Stadt Wien ihren Aufgaben nicht nachkommt. Nämlich endlich vorrausschauend zu planen und zwischen den beiden Fronten, die mittlerweile mehr als verhärtet sind, zu vermitteln.“

Projekt sorgt für Kontroversen

Verteidigt wird das umstrittene Projekt dagegen von den Grünen: Christoph Chorherr, Planungssprecher und Gemeinderat der Wiener Grünen: „Für uns war immer klar, dass Projekte wie dieses für Kontroversen sorgen. Wer der Stadt jetzt aber vorwirft, sie würde sich dem Spekulationsdruck hingeben, verkennt die Tatsachen. Einer der wesentlichsten Erfolge der Grünen in der Stadtregierung ist die Einführung von städtebaulichen Verträgen, die den Mehrwert für die Bevölkerung klar und nachvollziehbar in einer bindenden Vereinbarung regeln.“

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