Unfair für Frauen? Wirbel um Transgender-Gewichtheberin

Laurel Hubbard
Laurel Hubbardimago
Laurel Hubbard lebte 35 Jahre mit einer männlichen Zuschreibung. Ihre Olympia-Teilnahme als Gewichtheberin sorgt für Wirbel.

"Ich bin, wer ich bin. Ich bin nicht da, um die Welt zu verändern. Ich will nur ich sein und das machen, was ich mache", sagte Hubbard Ende 2017 im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ihres Heimatlandes in einem ihrer seltenen Interviews.

Warum ihre Aussagen so besonders sind? Hubbard lebte nach ihrer Geburt 35 Jahre lang mit einer männlichen Zuschreibung. Sie ist aber Transgender, also eine Person, die sich dem Geschlecht, das ihr bei der Geburt zugeschrieben wurde, nicht zugehörig fühl, sorgt für Streit.

Hubbard ist heute 43 Jahre alt. Bei Olympia in Tokio ist sie die erste Athletin, die offen ihre Geschlechtsidentität angepasst hat. Und ihre Teilnahme sorgt auch für Streit. Für das Internationale Olympische Komitee (IOC) um Präsident Thomas Bach ist ihr Start ein Zeichen der Offenheit und Inklusion.

"Wie ein schlechter Witz"

"Ich verstehe, dass für Sportbehörden nichts so einfach ist, wie dem gesunden Menschenverstand zu folgen, und dass es bei der Untersuchung eines so seltenen Phänomens viele Unwägbarkeiten gibt. Aber für die Sportler fühlt sich das Ganze wie ein schlechter Witz an", sagte die Belgierin Anna Van Bellinghen, die in Hubbards Gewichtsklasse startet, vor Kurzem dem Portal "insidethegames.com".

Van Bellinghen betonte, dass sie die Transgender-Gemeinschaft voll unterstütze und nicht die Identität von Athleten ablehne. "Jeder, der Gewichtheben auf hohem Niveau trainiert hat, weiß jedoch ganz genau, dass diese besondere Situation für den Sport und die Athleten unfair ist", befand sie weiter. Wie stark darf eine Frau nun sein?

Ein rechtlicher Rahmen für die Teilnahme von Transgender-Athletinnen und -Athleten sei sehr schwierig, "da es eine unendliche Vielfalt an Situationen" gebe, sagte Van Bellinghen weiter. Und es sei ohnehin wahrscheinlich unmöglich, "eine völlig zufriedenstellende Lösung zu finden, egal von welcher Seite der Debatte."

Innerhalb der Regeln

Wie sieht denn der rechtliche Rahmen im Fall Hubbard aus? Das IOC schreibt vor, dass das Testosteronniveau einer zur Frau erklärten Person vor dem Wettkampf für mindestens zwölf Monate bei höchstens 10 Nanomol pro Liter Blut liegen darf. Der Leichtathletik-Weltverband hat einen anderen Wert ausgegeben, und dieser liegt bei gerade mal der Hälfte, also fünf Nanomol.

"Laurel Hubbard ist eine Frau und hat sich unter den Bedingungen des IWF (Weltverband der Gewichtheber) qualifiziert. Wir müssen ihren Mut und ihre Hartnäckigkeit würdigen, dass sie tatsächlich an den Wettkämpfen teilgenommen und sich für die Spiele qualifiziert hat", sagte in Tokio IOC-Chefarzt Richard Budgett und verwies auf die künftigen Richtlinien.

Die Aufmerksamkeit bei Hubbards erstem Olympia-Auftritt wird groß sein. Das Scheinwerferlicht sucht sie nicht, schon gar nicht möchte sie als Vorreiterin wahrgenommen werden oder irgendjemanden bekehren. "Ich glaube nicht, dass ich mutiger als andere bin", sagte Hubbard, die sich kurz vor ihrem Start noch beim IOC für dessen Engagement bedankte. "Ich bin nur ich."

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch.
Nav-Account 20 Minuten Time| Akt:

ThemaCreated with Sketch.Weiterlesen