Österreich

Unfall-Opfer vertrieben: 'Arm bitte wieder annähen'

Heute Redaktion
14.09.2021, 15:57

Nach dem schweren Arbeitsunfall in einer Bauschuttdeponie in Purbach (Bezirk Eisenstadt-Umgebung), bei dem einem 37-jährigen Ungarn am Sonntag der rechte Unterarm abgetrennt wurde, wurde jetzt bekannt, dass das Opfer zuerst vertrieben wurde, als er vor dem Krankenhaus parkte. Das Arbeitsinspektorat Eisenstadt hat indes Erhebungen am Gelände der betroffenen Firma durchgeführt.

Nach dem wurde jetzt bekannt, dass das Opfer zuerst vertrieben wurde, als er vor dem Krankenhaus parkte. Das Arbeitsinspektorat Eisenstadt hat indes Erhebungen am Gelände der betroffenen Firma durchgeführt.

Der Schockzustand ließ Tibor A. nach dem schrecklichen Unfall in Purbach offenbar die Strecke mit dem Auto bis zum Krankenhaus in Eisenstadt zurücklegen. „Ich bin mit dem linken Arm ins Spital gefahren. Ich habe damit geschaltet. Schmerzen habe ich nicht gespürt“, erzählte der Ungar am Montag im Wiener AKH auf der Intensivstation.

"Da können´s nicht parken!"

Doch in ärztliche Versorgung zu kommen, erwies sich für den Mann nicht so einfach. Oskar Aßmann von der Plastischen Chirurgie im AKH: „Er hat beim Krankenhaus in Eisenstadt geparkt. Da hat man ihm gesagt ‚Da bei der Notfalleinfahrt können’s nicht parken‘. Also ist er wieder eingestiegen und in die Parkgarage gefahren.“ Tibor A.: „Ich habe einen Parkschein mit der linken Hand gezogen.“

"Arm bitte wieder annähen"

Erst dann lief der Schwerstverletzte bis zur Unfallambulanz, legte dort den abgetrennten Unterarm auf den Tisch und sagte, so Aßmann: „Den Arm bitte wieder annähen.“

Keine Hinweise auf Komplikationen

Die Unfallchirurgen stoppten die lebensgefährliche Blutung, sicherten das abgetrennte Körperteil und alarmierten den Transplantationsdienst im Wiener AKH. Der Ungar: „Ich weiß noch, wie ich in das Spital gekommen bin. Dann weiß ich noch, wie jemand gesagt hat, dass man das AKH in Wien anrufen muss.“

Mit dem Notarzthubschrauber kam Tibor A. dann gegen 17.30 Uhr ins Wiener AKH. Aßmann: „Die Operation ist ideal verlaufen. Die Unfallchirurgen haben sich um die ‚Knochenarbeit‘ gekümmert. Da geht es um die Sicherstellung, dass das Ellbogengelenk wieder funktioniert. Wir (Plastische Chirurgen, Anm.) kümmern uns bei solchen Operationen um die Weichteilrekonstruktion. Es besteht auch ein Risiko wegen der Giftstoffe, die sich in den Stunden der Nichtversorgung des abgetrennten Arms mit Blut bilden können. Aber dem Patienten geht es hervorragend. Die Nieren funktionieren.“ Es gäbe keine Hinweise auf irgendwelche Komplikationen. Die Durchblutung des abgetrennten Unterarms sei offenbar wieder gut.

Komplexes Verletzungsbild

Die Heilung ist davon abhängig, wie gut die Nervenversorgung des replantierten Armteiles des Ungarn wieder funktionieren wird. Aßmann: „In ungefähr sechs Wochen werden wir eine Nervenrekonstruktionsoperation durchführen.“ Erst danach werde sich im Laufe von etwa eineinhalb Jahren herausstellen, ob der Arm wieder funktionieren könne. Einerseits war dem Mann der Unterarm exakt im Ellbogen scharf abgetrennt worden, andererseits hat ihm die Bewegung des Förderbandes die versorgenden Nerven bis in die Schulterhöhe ausgerissen. Das stelle ein sehr komplexes Verletzungsbild dar.

Tibor A. erklärte zwar, Schmerzen zu haben, doch sonst schien er am Montag ausgesprochen wohlauf zu sein: „Das soll schnell vorbei sein, ich will nach Hause.“

Sicherheitsmängel an Anlage

"Es sind Sicherheitsmängel bei der Anlage festgestellt worden", so der stellvertretende Leiter des Arbeitsamtes, Andreas Drivodelits. Details wurden noch keine genannt. "Den genauen Unfallhergang kann man noch nicht definitiv festlegen, weil der Arbeitnehmer alleine auf der Anlage gearbeitet hat", so Drivodelits. Man müsse noch die Zeugenaussage des Mannes abwarten.

Seitens des Arbeitsinspektorates ergehe in weiterer Folge eine Sachverhaltsdarstellung nach Paragraf 78 StPO (regelt die Anzeigepflicht von Behörden, Anm.) an die Staatsanwaltschaft sowie eine Anzeige nach Paragraf 9 Arbeitsinspektionsgesetz an die Bezirksverwaltungsbehörde. Am Dienstag sollen noch weitere Erhebungen im Betrieb durchgeführt werden. Dabei will man sich unter anderem auch die Betriebsanleitung der Anlage ansehen.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen