Kennen diese Schaulustigen denn überhaupt keine Grenzen? Unfassbar: Weil sie bei einem tödlichen Verkehrsunfall in Schweinfurt (D) aus ihren Fahrzeugen stiegen und die Opfer fotografiert und gefilmt sowie die Rettung behindert hatten, wurden insgesamt 13 Gaffer von der Polizei angezeigt.
Der pietät- und rücksichtslose Fall: Am Montag war eine Autolenkerin (23) auf einer vierspurigen Straße in Schweinfurt mit einem entgegenkommenden Fahrzeug frontal zusammengestoßen – sie starb, die drei Insassen im anderen Auto wurden schwer verletzt. Dann das Unglaubliche: Anstatt zu helfen, sollen laut Polizei mindestens 13 Autolenker auf der Gegenfahrbahn ausgestiegen und in aller Seelenruhe die Fahrzeug-Wracks und die Verkehrsopfer mit ihren Handys gefilmt und fotografiert haben!
Während der Notarzt reanimierte, filmten die Gaffer
Die Gaffer verursachten damit einen Stau – Polizisten mussten daraufhin von der Unfallstelle abgezogen werden, um sich um die Schaulustigen zu kümmern. Ein Notarzt hatte noch versucht, das Opfer zu reanimieren, aber es verstarb vor Ort. Das hatte die Neugierigen laut Polizei nicht davon abgehalten, weiter mit dem Handy drauf zuhalten.
Auf Facebook hatte das zuständige Polizeipräsidium Unterfranken an alle Verkehrsteilnehmer appelliert: "Bitte respektiert die Würde der Toten und Verletzten! … Wie würdet ihr euch fühlen, wenn ihr durch ein Bild in den sozialen Medien vom Tod einer euch nahestehenden Person erfahren würdet?"
Nur Tage zuvor waren 20 Gaffer zur Kassa gebeten worden
Nur Tage zuvor hatte die deutsche Polizei auf der A3 bei Nürnberg 20 Gaffer zur Kassa gebeten, weil sie bei einem Unfall gefilmt und die Rettungskräfte behindert hatten. Seit Mai 2017 gilt es in Deutschland als Straftat, bei Unglücksfällen vorsätzlich Einsatzkräfte zu behindern, die Hilfe leisten wollen. Darauf stehen Geldstrafen oder bis zu ein Jahr Haft – Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) erwägt, das Bußgeld für Gaffer noch zu erhöhen.
Der politische Vorstoß ist überfällig. Grund: Auch die Gaffer aus Schweinfurt kommen mit einem Bußgeld um 60 Euro und einem Punkt beim Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg davon. Erst wer acht Punkte auf seinem Konto hat, wird der Führerschein entzogen.
(tas)