Ungarn verbietet Kindern Infos über Homosexualität

Am Donnerstag (08.07.2021) tritt in Ungarn das umstrittene Gesetz zur Beschränkung der Information über Homo- und Transsexualität für Personen unter 18 Jahren in Kraft. Noch am Dienstag protestierten in der Hauptstadt Budapest mehrere Tausend Menschen dagegen.
Am Donnerstag (08.07.2021) tritt in Ungarn das umstrittene Gesetz zur Beschränkung der Information über Homo- und Transsexualität für Personen unter 18 Jahren in Kraft. Noch am Dienstag protestierten in der Hauptstadt Budapest mehrere Tausend Menschen dagegen.ATTILA KISBENEDEK / AFP / picturedesk.com
Jenes umstrittene Gesetz in Ungarn, das die Information über Homosexualität für Jugendliche stark einschränkt, ist seit Donnerstag in Kraft. 

Seitens der Europäischen Union hagelt es heftige Kritik an Ungarn. Denn trotz versuchter Interventionen seitens einiger Mitgliedsstaaten, trat am Donnerstag jenes Gesetz in Kraft, das die Aufklärung über Homo-, Bi- und Transsexualität für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren stark einschränkt. Ein Verlag ist schon das erste "Opfer" des neuen Gesetzes und wurde zu einer Strafe von 700 Euro verurteilt. 

Denn bei einem vom Verlag herausgegebenen Kinderbuch geht es um eine Familie mit gleichgeschlechtlichen Eltern. Dabei handelt es sich um eine ungarische Übersetzung eines US-amerikanischen Märchens von Lawrence Schimel. Die ungarische Justiz wirft dem Unternehmen vor, dass ein entsprechender Hinweis, dass die Geschichte keine "traditionelle Geschlechterrollen" abbilde, fehle. Durch den Umstand, das Buch wie andere Märchenbücher behandelt zu haben, habe sich der Verlag strafbar gemacht, erklärte Landrat Richard Tarnai am Dienstag einem lokalen TV-Sender. 

Verlag sieht kein Verschulden

Das gestrafte Unternehmen sieht dies naturgemäß anders: "Regenbogen-Familien sind völlig normal", hieß es in einem auf Facebook veröffentlichten Statement. Außerdem sei die Sexualität der Eltern kein Thema in dem Buch. Auch der Original-Autor Schimel meldete sich via Social Media zu Wort. Er sei stolz ein kleiner Teil zu sein, um allen Kindern in Ungarn die Möglichkeit zu geben, "LGBTIQ-Familien zu sehen, die es in der Welt gibt". 

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EU-Kommission droht mit Konsequenzen

Das Gesetz sieht unter anderem ein Verbot von Büchern, Filmen und anderen Inhaltsträgern vor, die Kindern und Jugendlichen zugänglich sind und in denen Sexualität dargestellt wird, die von der heterosexuellen abweicht. Außerdem soll Werbung verboten werden, in der Homo- oder Transsexualität als Teil der Normalität dargestellt wird. 

Das Gesetz ist allen voran Ministerpräsident Viktor Orban ein großes Anliegen gewesen. Dieser wirft der EU-Kommission unter Führung von Ursula von der Leyen eine "beispiellose Kampagne vor". Die Kommission selbst will im Herbst ein Verfahren einleiten, das zu einer Kürzung der finanziellen Mittel führen könnte. "Dieses Gesetz nutzt den Schutz der Kinder (…) als Vorwand, um Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung schwer zu diskriminieren", sagte von der Leyen am Mittwoch. 

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