Was tötete die Wanderer am "Berg des Todes"?

Im russischen Ural starben 1959 neun Ski-Wanderer unter mysteriösen Umständen. Über die Gründe streiten sich die Forscher bis heute.

Als die zehn Wanderer am 25. Januar 1959 aufbrechen, ist die Welt noch in Ordnung. Voller Vorfreude posieren sie gemeinsam mit Freunden und Unterstützern für ein letztes Gruppenfoto. Dann geht es los: Von Swerdlowsk aus, dem heutigen Jekaterinenburg, wollen die acht Männer und zwei Frauen in den nächsten Tagen den Berg Otorten im Ural besteigen.

Zwar gilt die Route aufgrund des Wetters und des hohen Schnees zu dieser Jahreszeit als sehr schwierig, aber Grund zur Sorge hat keiner der Expeditionsteilnehmer. Schließlich sind sie allesamt erfahren. Trotzdem wird keiner von ihnen das Ziel je erreichen: Einer von ihnen, Juri Judin, muss aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aufgeben, die anderen kommen in der Nacht auf den 2. Februar rund zehn Kilometer vor dem Berg Otorten am Cholat Sjachl (zu Deutsch: "Berg des Todes") ums Leben. Auf welche Weise, ist nach wie vor offen.

Zwar beteuern offizielle Stellen bis heute, dass die Studenten eines natürlichen Todes gestorben und in der eisigen Kälte erfroren seien. Aber die Umstände machen es schwer, das zu glauben. Denn die Körper der Toten fanden sich abseits der von innen aufgeschlitzten Zelte. Die Opfer waren teilweise unbekleidet, ihre Schädel eingeschlagen, die Rippen gebrochen. Einem sollen Zunge und Augen gefehlt haben. Kampf- oder auf das Lager zulaufende Spuren gab es nicht. Tests zeigten außerdem eine hohe radioaktive Verstrahlung der Kleidungsstücke der in der Nacht ergrauten Opfer.

Als wäre das noch nicht rätselhaft genug, gerieten die Untersuchungsakten nach Abschluss der Ermittlungen unter Verschluss. Darüberhinaus wurde der Zugang zu dem Gebiet nach dem Unglück für drei Jahre gesperrt. Bei all dem ist es kein Wunder, dass Juri Judin später in einem Interviewoffenbarte: "Wenn ich Gott nur eine einzige Frage stellen könnte, wäre das: Was ist wirklich mit meinen Freunden in dieser Nacht passiert?"

Theorien zu der Nacht gab und gibt es viele. So könnte die Truppe beispielsweise eine sogenannte Hyperthermie-Demenz entwickelt haben: Dabei fühlen sich die Betroffenen plötzlich überhitzt, vergessen, wie kalt es wirklich ist und entkleiden sich. Das hätte im Fall der Bergsteiger tatsächlich tödlich geendet. Denn in der Unglücksregion herrschten damals Temperaturen um minus 25 Grad. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass es alle Mitglieder gleichzeitig überkommen hat. Zudem würde es nicht die schweren Verletzungen und die radioaktive Kontamination erklären.

Unmittelbar nach dem Gruppen-Exitus fiel der Verdacht zunächst auf das Nomadenvolk der Mansen, die im Norden des Urals zuhause sind. Die Ermittler hielten es für möglich, dass sie sich von den Wanderern bedroht gefühlt und sie deshalb ermordet hätten. Doch Belege für diese Annahme fanden sie keine.

Auch das Wetter selbst wurde verdächtigt. So könnten die Zelte von Blitzen getroffen worden seien, die bei den Mitgliedern zu Verwirrung und Panik geführt haben. Das würde die zerrissene Kleidung der Opfer und das Fehlen der Augen und Zungen erklären und warum sie voller Panik das Weite gesucht hatten, berichtet die "Bild". Auch hiergegen spricht die radioaktive Strahlung.

Andere wie der russische Ufo-Experte Paul Stonehill sind davon überzeugt, dass das Massaker am Berg des Todes das Werk von Außerirdischen gewesen sei. Er ist sich sicher: "Diese Menschen wurden ermordet. Aber der Täter war kein Mensch." So abwegig das ist: Dafür sprechen zumindest die Berichte von anderen Wanderern, die von orangefarbenen Kugeln am Himmel erzählten. Eine ebenso abwegige Theorie steuerte im vergangenen Jahr auch der Forscher und Dokumentarfilmer Mike Libecki bei. Er gibt die Schuld dem Menk. So nennen die Russen den Yeti.

Weil das Massaker während des Kalten Krieges stattgefunden hat, gab es zudem Spekulationen, wonach die Gruppe von einer streng geheimen, sowjetischen Waffe getötet worden sein soll. Eine nachvollziehbare Haltung, die zumindest eine Erklärung für die radioaktive Kontamination, die plötzliche Alterung und das abwiegelnde Verhalten der offiziellen Stellen liefern würde.

Auch der Ansatz des US-Autors Donnie Eichar klingt logisch: Er hält eine besondere Art von wiederkehrenden Höhenwinden, wie sie durch die spezielle Topografie der Gegend hervorgerufen werden können, und damit zusammenhängenden Infraschall-Phänomene für den Auslöser des Panikverhaltens der neun Bergwanderer. Doch auch hier fehlen endgültige Beweise. Und so ist das Unglück am Djatlow-Pass bis heute ungeklärt.

Welche Variante halten Sie für am glaubwürdigsten? Oder haben Sie sogar noch eine andere Idee? Erzählen Sie uns davon – in den Kommentaren!

Im Film "Devil's Pass" (2014) will eine Gruppe US-Studenten den Todesfällen am Djatlow-Pass auf den Grund gehen – und kommt selbst ums Leben. (Video: YouTube/Ascot Elite Entertainment)

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