Österreich

Unglückslenker: "Hoffe auf Vergebung!"

Heute Redaktion
14.09.2021, 14:56

Nach einem verheerenden Verkehrsunfall in Wien-Favoriten, bei dem ein zwölfjähriges Mädchen und eine 59-jährige Frau ums Leben kamen und die Mutter des Kindes lebensgefährlich verletzt wurde, ist am Donnerstag im Bezirksgericht Favoriten der Prozess gegen den Unglückslenker auf 27. Juni vertagt worden.

Der Lkw-Fahrer hatte am 8. Februar 2012 auf der Kreuzung Raxstraße - Laxenburger Straße beim Rechtsabbiegen die drei Fußgängerinnen übersehen, die vorschriftsmäßig einen Schutzweg überquerten.

"Hab nur irgendwas fliegen gesehen"

Der 13 Meter lange, tonnenschwere Lkw erfasste die Passantinnen, die ebenso Grünlicht hatten wie die zum Abbiegen in die Laxenburger Straße eingeordneten Fahrzeuge. "Ich hab' nur irgendetwas fliegen gesehen", schilderte eine Augenzeugin. Eine andere Frau, die das Geschehen ebenfalls beobachtet hatte, wollte die 39-jährige Mutter des Mädchens, die unter dem Lkw zu liegen gekommen war, unter dem Fahrzeug hervorziehen. Doch der Lkw sei noch einmal kurz angefahren, erinnerte sich diese Zeugin: "Er hat sie überrollt und dann herausgeschleudert."

Der Frau mussten beide Beine abgenommen werden. Erst nachdem sie aus der Intensivstation des AKH entlassen wurde, erfuhr sie, dass ihre Tochter den Unfall nicht überlebt hatte. Das Mädchen erlitt infolge des Zusammenstoßes eine tödliche Kopfverletzung. Nun erschien die Mutter in Begleitung eines Sohnes im Rollstuhl zur Verhandlung gegen den Lenker, der ebenfalls einen gezeichneten Eindruck machte.

"Ich hoffe, dass Sie mir vergeben"

"Es tut mir leid, was passiert ist, das schwere Unglück. Ich hoffe, dass Sie mir vergeben. Ich würde alles machen, um das ungeschehen zu machen", sagte der 27 Jahre alte Mann in Richtung der im Verhandlungssaal anwesenden Angehörigen. Zum Vorwurf der fahrlässigen Tötung und der Körperverletzung bekenne er sich "der Tatsache schuldig, dass ich die Fußgänger nicht gesehen und niedergestoßen habe".

Sein Mandant sei "absolut fassungslos" und "zutiefst verzweifelt", betonte Verteidiger Rainer Rienmüller. Er habe in Folge des Unfalls seinen Job aufgegeben, seine Freundin verloren und werde seit Monaten von Albträumen geplagt.

"Vergewissert, dass sich keiner am Gehsteig befindet"

Der Angeklagte erklärte in seiner Einvernahme, er sei an der Kreuzung stehen geblieben und habe das Grünlicht abgewartet. Ein anderer Lkw habe ihn dabei leicht behindert, so dass er ein wenig ausscheren habe müssen. Als er Grün bekam, sei er langsam angefahren und in die Laxenburger Straße eingebogen. Dabei habe er sich "vergewissert, dass sich keiner mehr am Gehsteig oder auf der Gehsteigkante befindet".

An den Anprall habe er keine Erinnerung: "Was danach passiert ist, kann ich nicht mehr sagen, weil die nachfolgenden Bilder für mich so schlimm gewesen sind". Dass Autos hupten, mehrere Augenzeugen lautstark schrien und heftig gestikulierten, wisse er nicht mehr: "Ich tu mir so schwer mit dem, ich denk die ganze Zeit darüber nach."

Beim nächsten Verhandlungstermin ist noch das Gutachten des verkehrstechnischen Sachverständigen Fritz Huber zu erörtern, der den Unfall analysieren und vor allem zur Frage einer allfälligen Sichtbeeinträchtigung Stellung nehmen soll. Im Fall eines Schuldspruchs droht dem Angeklagten bis zu einem Jahr Haft.

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