Ex-KAV-Chef Marhold: "Es wurde alles zerschlagen"

Der ehemalige Leiter des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV), Wilhelm Marhold. Archivbild, Oktober 2010.
Der ehemalige Leiter des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV), Wilhelm Marhold. Archivbild, Oktober 2010.Bild: picturedesk.com/APA

Am Freitag wird Ex-KAV-Chef Wilhelm Marhold erneut vor der U-Kommission erwartet. Er bleibt dabei: die Mehrkosten beim KH Nord seien erst unter seinem Nachfolger entstanden.

Die Untersuchungskommission in der Causa Krankenhaus Nord hat kurz vor ihrem Abschluss zur 20. Sitzung am Freitag drei wichtige Zeugen geladen, die nun allesamt zum bereits zweiten Mal aussagen sollen. Neben der ehemaligen SPÖ-Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely und Architekt Albert Wimmer will die Kommission vor allem auch noch den Ex-Generaldirektor des Krankenanstaltenverbundes (KAV), Wilhelm Marhold, befragen.

Der frühere Spitälerchef Marhold hatte bereits im Juli vergangenen Jahres seine Aussage getätigt, mehrere Zeugen hatten allerdings in Folge seinen Angaben widersprochen.

Besonders Marholds Nachfolger an der Spitze des KAV, Udo Janßen, hatte behauptet, dass das Projekt bereits "am 30.04.2014", mit dem Ausscheiden Marholds, "nicht mehr im Kosten- und Zeitplan war". Im Gespräch mit "Heute.at" erklärt der 65-Jährige, warum sich aus seiner Sicht nichts an der Sachlage und Schuldfrage geändert hat:

"Behaupte das nicht nur, ich kann es beweisen"

Janßens Angaben seien völlig "tatsachenwidrig", ärgert sich der Ex-KAV-Chef. Nicht einmal das Datum sei richtig: Der 31. Mai 2014 (nicht Ende April) sei zwar sein formales Pensionierungsdatum gewesen, allerdings nur aufgrund längerem Krankenstand und Rekonvaleszenz nach einer Operation. Bereits am 12. Dezember 2013 habe er im Rahmen der Aufsichtsratssitzung offiziell alle Funktionen als Generaldirektor zurückgelegt und an Janßen übergeben. Das Sitzungsprotokoll beweise das, so Marhold.

Das Projekt sei unter seiner Führung "gemäß Kontrolle nach Plan" verlaufen. "Ich behaupte das nicht nur, ich kann es beweisen", so der Ex-KAV-Generaldirektor, der dazu das Kostenblatt des Prüfvermerks vom 27. November 2013 vorlegen will. Diese Prüfvermerke wurden alle vier Wochen durch eine externe Begleitkontrolle erstellt – inklusive Kostenverfolgung und Risikodarstellung.

Keine Kontrolle durch Janßen?

Eine laufende Kontrolle und engmaschiges Risikomanagement sei "das Wichtigste an so einem Bau", erklärt der frühere Spitälerchef. Auf Basis dieser Daten habe er regelmäßig Auftraggebersitzungen beigewohnt. Sitzungen die Nachfolger Udo Janßen habe schleifen lassen, wie auch der externe Kontrolleur Walter Nemeth zu Protokoll gab.

Er habe das KH Nord in guten Händen geglaubt, schildert Marhold gegenüber "Heute.at". Doch mit der Insolvenz der Fassaden-Firma begann auch dieses offenbar zu bröckeln. Die unter anderem damit zusammenhängenden folgenden Verzögerungen im Bau sollen sich in Mehrkosten von rund 300 Millionen Euro zu Buche geschlagen haben.

"Mit keinem Wort erwähnt"

Noch am 31. Jänner sei bei einer Aufsichtsratssitzung, zu der er als Berater dazugeholt worden sei, von dem drohenden Konkurs des Unternehmens noch keine Rede gewesen. Projektleiter Thomas Balasz habe diesen in seinem Fortschrittsbericht "mit keinem Wort erwähnt". Auch die begleitende Kontrolle hätte diese nicht in ihrem Prüfbericht vermerkt, aber vor Verzögerungen in der Planung der technischen Ausstattung des KH Nord gewarnt.

Für Marhold ist klar: Alles was ab 12. Dezember 2013 geschah, passierte in Verantwortung von Udo Janßen und Projektleiter Balasz. Unter Janßen seien viele wichtige Mitarbeiter gegangen. "Es wurde alles zerschlagen, aber keine neuen Strukturen aufgebaut", so der KAV-Leiter.

Marhold, Porr und die Pension

Seit seinem Abgang vom KAV – er spricht von einer "Lebensentscheidung" – geht Marhold jetzt alles "etwas ruhiger" an. Untätig ist er aber auch jetzt nicht. Der 65-Jährige ist in seinem Ruhestand als selbstständiger Berater in der privaten Gesundheitswirtschaft tätig. Die ÖVP will ihm am Freitag vor allem zu seinen Verbindungen zum Unternehmen Hospitals Projektentwicklung befragen.

Der Grund: Hospitals ist eine Tochtergesellschaft des Bauriesen Porr, der den Rohbau des KH Nord errichtete, sowie Partner der Ortner Gesmbh für Haustechnik, einem Teil der ebenfalls in dem Projekt involvierten IGO-Ortner Gruppe.

Marhold zieht hier einen klaren Strich: Seine Tätigkeit in den letzten fünf Jahren stehe in keinem Zusammenhang mit der Stadt Wien.

Die Firma Hospitals betont derweil: "Es gab nie ein Beratungsverhältnis zwischen der Firma Hospitals und Herrn Marhold. Die diesbezügliche Aussage von Herrn Marhold entspricht nicht den Tatsachen", so Hospitals-Geschäftsführer Stefan Günther gegenüber "Heute.at".

21. Sitzung bereits fixiert

Auch mit der Befragung am Freitag sind die Untersuchungen aber nicht abgeschlossen. Der nächste Termin steht bereits fest. Am Dienstag, dem 9. April sind KAV-Generaldirektorin Evelyn Kölldorfer-Leitgeb, Architekt Kurt Buchta von "Moser Architects" sowie Gottfried Böhm, ein Mitglied der Projektsteuerung, geladen. (rcp)

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