Unwetter: Mio.-Schäden, Katastrophenalarm

Neuerlich haben heftige Unwetter Teile von Österreich heimgesucht. Die Folgen waren am Donnerstag verheerend: In der Steiermark wurde gebietsweise Katastrophenalarm ausgelöst, knapp 350 Menschen mussten evakuiert werden. In Salzburg musste die Tauern-Autobahn nach einem Murenabgang gesperrt werden. Das Wetter-Chaos richtete insgesamt Millionen-Schäden an.

Neuerlich haben heftige Unwetter Teile von Österreich heimgesucht. Die Folgen waren am Donnerstag verheerend: In der Steiermark wurde , knapp 350 Menschen mussten evakuiert werden. In Salzburg musste die Tauern-Autobahn nach einem Murenabgang gesperrt werden. Das Wetter-Chaos richtete insgesamt Millionen-Schäden an.

Von den sintflutartigen Regenfällen am Donnerstagabend war vor allem die Obersteiermark betroffen, wo rund 350 Personen, vornehmlich in Trieben, evakuiert wurden, da über ihren Häusern Verklausungen und Geschiebesperren zu bersten drohten.

Nach heftigen Gewittern war in Teilen von Liezen, Murtal, Leoben und Bruck/Mur Katastrophenalarm gegeben worden. In Kapfenberg wurde ein Ehepaar, das im überfluteten Keller eingeschlossen war, durch Feuerwehrtaucher befreit, zehn Bewohner eines Ortsteils von Treglwang wurden mittels Radlader evakuiert, Bei Gußwerk nahe Mariazell gab eine Holzbrücke nach, wodurch eine Wallfahrerin abstürzte und schwer verletzt wurde.

Straßen- und Bahnverkehr schwer beeinträchtigt

Erst langsam entspannte sich am Freitag die Verkehrssituation: Vor allem auf der A9 Pyhrnautobahn, die wegen Vermurungen in Richtung Süden nur auf einer Spur passierbar war, gab es Probleme. Auf der B114 über den Triebener Tauern hatten Schlamm und Geröll auf 800 Meter die Straße verlegt. Die Bahnstrecke über den Schoberpass war lediglich eingleisig befahrbar.

"Wir bedauern zutiefst, dass es kein Jahr mehr gibt, in dem es zu keinen Naturkatastrophen kommt", sagte Landeshauptmann Franz Voves, der sich am Freitagnachmittag zusammen mit seinem Stellvertreter Hermann Schützenhöfer an Ort und Stelle ein Bild machte. Bei den Sachschäden werde man "immer versuchen, sehr großzügig zu sein, vor allem bei der Soforthilfe".

Wagen von Mure erfasst - Lenker schwer verletzt

In Salzburg waren diesmal hauptsächlich der Pongau und Pinzgau betroffen, wo es die Feuerwehren mit etlichen Muren und zahlreichen Überschwemmungen sowie überfluteten Kellern und Garagen zu tun hatten. Den folgenschwersten Vorfall gab es auf der A10 Tauernautobahn im Pongau. Der Lenker wurde schwer verletzt, seine Ehefrau konnte rechtzeitig aus dem Wagen flüchten. Die Sperre der A10 war am Freitagnachmittag noch aufrecht.

Starkregen löste Donnerstagabend in Gosau (Bezirk Gmunden) eine Mure aus, die ein landwirtschaftliches Anwesen bedrohte. Die Feuerwehr leitete das herabströmende Material um und bewahrte das Gebäude so vor Schäden. Die Inntalautobahn (A12) war in der Nacht auf Freitag bei Innsbruck für kurze Zeit gesperrt, weil Bäume auf die Fahrbahn zu stürzen drohten. Die Feuerwehren standen vor allem im Unterland im Dauereinsatz und mussten Keller auspumpen. Betroffen waren die Bezirke Schwaz, Kufstein und Kitzbühel.

Forststraße weggerissen, Millionen-Schäden in der Landwirtschaft

Ein heftiges Gewitter mit Starkregen löste am Donnerstagabend in Gosau eine Mure aus. Die Schlamm- und Geröllmassen rissen eine Forststraße weg und bedrohten ein landwirtschaftliches Anwesen, in dem eine Familie wohnt. Die Feuerwehr leitete das herabströmende Material um und bewahrte das Gebäude so vor Schäden. Umliegende Wiesen wurden aber stark vermurt.

Die Hagelunwetter in der Steiermark und in Tirol verursachten schwere Schäden in der Landwirtschaft. Die Hagelversicherung bezifferte dies am Freitag mit fünf Millionen Euro, der Schwerpunkt lag in der Steiermark. Betroffen waren vor allem Ackerkulturen, Gemüse, Obst, Wein, Grünland und Glashäuser. Allein in der Steiermark waren es 10.000 Hektar oder 4,4 Millionen Euro. In Tirol bezifferten die Versicherungsexperten den Schaden auf einer Fläche von 1.000 Hektar mit 600.000 Euro. Schwerpunkte waren dort die Bezirke Innsbruck-Land und Kitzbühel.

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Hintergrund - Wo und wie bilden sich Gewitter?

Ein Gewitter ist eine bei hochreichender, feuchtlabiler Schichtung der Atmosphäre auftretende Wettererscheinung, die mit elektrischen Entladungen (Blitzen) und daraus folgenden Donnergeräuschen, mit starken, meist schauerartigen Niederschlägen (bisweilen als Hagel) sowie mit heftigen, böigen Winden verbunden ist. Bei den Gewitter-Arten wird traditionell zwischen "Wärmegewittern" und "Frontgewittern" unterschieden.

Die zur Entstehung von Gewittern bzw. zur Bildung von Gewitterwolken notwendige Labilisierung der Luftmassen kann durch mehrere, zum Teil zusammenwirkende Ursachen hervorgerufen werden:


Durch starke Erwärmung der bodennahen Luftschichten infolge Sonneneinstrahlung (Wärmegewitter)
Durch Hebung der Luft beim Durchzug von Fronten, insbesondere von Kaltfronten (Frontgewitter)
Durch zunehmende Labilisierung der Luftmasse, wenn in der Höhe kühlere Luft heranströmt
Durch Hebung feuchtwarmer Luft an Gebirgshindernissen (orographische Gewitter). Diese Hebung der Luft an Gebirgshindernissen ist auch der Grund für die große Anzahl an Gewittern im Alpenvorland.


Laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) lässt sich Österreich - grob vereinfacht - in drei Gewitter-Zonen teilen: In den inneralpinen Bereich mit jährlich bis zu 20 Gewittertagen, einen Übergangsbereich mit 20 bis 35 Gewittertagen sowie die gewitterreichen Zonen des Alpennordrandes und des Klagenfurter und Grazer Beckens mit über 35 Gewittertagen pro Jahr.

Gewitter sind sehr lokale Wetterereignisse, die meist nur kleine Bereiche betreffen. Ein Beispiel: Während im vergangenen Jahr über der Inneren Stadt in Wien Gewitter niedergingen, die in 24 Stunden 84 Millimeter Niederschlag brachten, wurden im selben Zeitraum bei der Wetterstation in Wien-Unterlaa lediglich vier Millimeter gemessen.

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