Die Lage in Ägypten bleibt chaotisch, seit Freitag gibt es eine allgemeine Reisewarnung von Österreichs Außenministerium. Nach den Freitagsgebeten kam es wieder zu blutigen Zusammenstößen zwischen Muslimbrüdern und Sicherheitskräften. Alleine in Kairo sollen am ausgerufenen "Freitag der Wut" 50 Menschen getötet worden sein. Auch in anderen Städten und Regionen gab es Tote und Verletzte.
50 Menschen getötet worden sein. Auch in anderen Städten und Regionen gab es Tote und Verletzte.
Unterstützer des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi hatten zu einem "Tag der Wut" gegen die Übergangsregierung aufgerufen, die mit den Streitkräften zusammenarbeitet. Dieser wurde dann auch in die Tat umgesetzt.
Bei den Protesten wurden am Freitag nach vorläufigen Zählungen mindestens 70 Menschen getötet. Die meisten Opfer gab es am Rande der zentralen Kundgebung am Ramses-Platz in der Innenstadt von Kairo. Der Muslimbruderschaft zufolge erschoss die Polizei hier 45 Demonstranten.
Maschinengewehrfeuer in mehreren Stadtteilen Kairos
In der Hauptstadt Kairo war nach den Freitagsgebeten an mehreren Stellen Maschinengewehrfeuer zu hören. Reporter und Augenzeugen zählten wie schon am Mittwoch an verschiedenen Stellen zahlreiche Leichen. Mehrere Stadtviertel von Kairo erinnerten an Schlachtfelder. Die Übergangsregierung erklärte, sie müsse ein "terroristisches Komplott der Muslimbrüder" niederschlagen.
Nach Angaben von Augenzeugen waren an den gewalttätigen Zusammenstößen nicht nur demonstrierende Islamisten und Angehörige der Sicherheitskräfte beteiligt, sondern auch Anwohner, die Demonstranten mit Steinen und Messern attackierten.
Angriffe auf Polizeistationen
Das Nachrichtenportal "Al-Ahram" meldete, sieben Menschen seien im Kugelhagel ums Leben gekommen, als sich die Polizei und angreifende Islamisten ein Gefecht um die Esbekiya-Polizeistation in Kairo lieferten. Die Polizeistation liegt in der Nähe des Ramses-Platzes, auf der die zentrale Kundgebung der Muslimbruderschaft stattfand. Insgesamt seien bei den Ausschreitungen in den vergangenen 24 Stunden 24 Polizisten getötet worden.
Auch in anderen ägyptischen Städten und Regionen kam es zu schweren Zusammenstößen, bei denen mehrere Tote gab. Zehn Menschen starben, als sich die Polizei in der Provinz Kafr al-Sheikh Islamisten entgegenstellte, die versuchten, das Gouverneursgebäude und eine Polizeistation zu stürmen. Dutzende von Angreifern und Polizisten wurden nach Angaben des Innenministeriums verletzt.
Vier Demonstranten wurden demnach in der Stadt Ismailia von der Polizei erschossen. Fünf Tote und 15 Verletzte zählte die Polizei in der Stadt Damietta, wo Anhänger von Ex-Präsident Mursi ebenfalls eine Polizeistation angriffen. Ein Polizist wurde in Neu-Kairo an einer Straßensperre erschossen. Ein junger Mann starb bei einem Schusswechsel zwischen Polizisten und Demonstranten neben einer Moschee in Al-Arish auf der Sinai-Halbinsel. In der Oasenstadt Fayoum wurden nach Straßenschlachten zwischen Demonstranten und der Polizei fünf Leichen und 20 Verletzte in ein Krankenhaus gebracht.
Freitags-Proteste der Islamisten beendet
Ein Zusammenschluss ägyptischer Islamisten hat zum Ende der Proteste am Freitag aufgerufen. Die Kundgebungen von Unterstützern des durch die Armee entmachteten Staatschefs Mohammed Mursi gegen die Militärführung sollten mit dem Abendgebet gegen 20.00 Uhr MESZ enden, teilten die Islamisten am Abend mit. Zugleich riefen sie ihre Anhänger dazu auf, ab sofort täglich zu demonstrieren.