Tiefblaue Seen, prachtvolle Moscheen und gastfreundliche Menschen – so präsentieren Reise-Influencer Afghanistan auf Instagram, TikTok und YouTube. Das Land wird gutgelaunt wie ein Abenteuerspielplatz dargestellt – trotz der offiziellen Reisewarnung.
Längst werden auch Gruppenreisen dorthin angeboten und nachgefragt. Unbegleitetes Reisen ist in Afghanistan nicht möglich, ähnlich wie in Nordkorea.
Doch der Hype hat eine dunkle Seite, wie Brigitte.de berichtet. Afghanistan ist der einzige Staat der Welt, in dem Mädchen nach der sechsten Klasse von der Schule ausgeschlossen werden. Frauen werden systematisch aus dem Berufsleben gedrängt und in ihrer Bewegungs- und Meinungsfreiheit massiv eingeschränkt.
Fünf Jahre Taliban-Herrschaft bedeuten fünf Jahre, in denen eine ganze Generation von Mädchen um Bildung, Freiheit und Zukunft gebracht wurde. Eine von drei jungen Frauen wird vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet – manche bereits mit acht oder zehn Jahren.
Kritiker werfen den Influencern vor, dass sie von den Taliban eingeladen und manipuliert würden. Die Islamisten wollen ihr schlechtes Image aufpolieren und dringend benötigte Devisen ins Land holen.
Einige Influencer bezeichnen die Taliban sogar als "nette Typen". Eine Reisebloggerin ließ sich zum Satz hinreißen: "Hier könnte ich leben!" – während Expertinnen das Land als "schlimmsten Platz für Frauen auf Erden" bezeichnen.