Urlaub für Muslim-Soldaten, 30km-Marsch für andere?

Heuer fallen Christi Himmelfahrt und das Ramadan-Ende auf den gleichen Tag. Soldaten stören sich an der vermeintlichen Ungleichbehandlung bei Urlaub.

Gefechtsübungen, Märsche und Zimmerkontrollen: Für tausende Soldaten in der Rekrutenschule in der Schweiz ist damit am 21. Mai Schluss. Doch einige von ihnen haben kurz vor Ende noch eine bittere Pille zu schlucken: "Obwohl es zunächst hieß, dass wir alle übers Wochenende nach Hause dürfen, wurden wir darüber informiert, dass die Armee kurz vor Ende keine weiteren Corona-Infektionen riskieren möchte", sagt ein Soldat, der die Schule in Kloten absolviert und deshalb anonym bleiben möchte. "Die Stimmung ist gereizt, weil wir nun stattdessen einen 30-Kilometer-Marsch laufen müssen."

Nicht alle in Kloten seien jedoch vom Urlaubs-Stopp betroffen: "Da am Donnerstag der Ramadan zu Ende geht, hat man den muslimischen Soldaten wegen des Fest des Fastenbrechens Urlaub gewährt", so der Soldat. "Obwohl ich mich für meine Kollegen freue, finde ich das unfair." Schließlich sei Christi Himmelfahrt auch ein christlicher Feiertag, den er gerne mit seiner Familie verbracht hätte. "Es sollte für alle möglich sein, nach Hause zu gehen."

"Gleich wichtig wie Weihnachten"

Ein weiterer Soldat aus der Kaserne Kloten sagt: "Ich mag es meinen muslimischen Kameraden gönnen, dass sie nach Hause dürfen." Ganz in Ordnung fände er die Ungleichbehandlung jedoch nicht. "Über Ostern war es doch auch möglich, uns nach einem Corona-Test nach Hause zu entlassen."

Im Gegensatz zur Kaserne Kloten erhalten muslimische Soldaten in den Kasernen Dübendorf oder Chur keinen Urlaub, sagt ein betroffener Soldat auf Anfrage: "Sowohl in der Kaserne Dübendorf als bei meinem Kollegen, der in Chur Dienst leistet, hat man uns Muslimen keinen Urlaub gewährt." Er und seine muslimischen Kollegen fänden das ziemlich schade. "Immerhin ist das Fest bei uns vergleichbar wichtig wie Weihnachten für Christen."

Kein Urlaub über Christi Himmelfahrt vorgesehen

Für das kommende Wochenende – inklusive Christi Himmelfahrt– sei in dieser Rekrutenschule kein allgemeiner Urlaub für die Rekruten vorgesehen, sagt Armeesprecher Stefan Hofer. "Grund dafür ist die Einhaltung einer genügend langen Frist ohne Kontakt zu externen Personen vor dem RS-Ende am 21. Mai, sodass möglichst alle Soldaten und Kader die Rekrutenschule an diesem Tag gesund beenden und nach Hause zurückkehren können." Entsprechende Corona-Tests fänden in den Tagen vor der Entlassung statt.

Urlaubsgesuche von Muslimen und Musliminnen zum Fest des Fastenbrechens fielen in die Kategorie der "persönlichen Urlaube", sagt Hofer. "Das Bewilligen oder Ablehnen solcher Urlaubsgesuche steht in der Kompetenz und Verantwortung der einzelnen Schulkommandanten."

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