Urlaub im Ausland? Darauf musst du jetzt achten

"Aktuell muss man jederzeit mit weiteren Reisewarnungen rechnen", so die ÖAMTC-Juristin Verena Pronebner
"Aktuell muss man jederzeit mit weiteren Reisewarnungen rechnen", so die ÖAMTC-Juristin Verena Pronebneristock/ Symbolbild
Storno, Konsequenzen und Co.! Das musst du bei einer kurzfristigen Reisewarnung oder Quarantäne vor oder während des Urlaubs tun.

Die Covid19-Pandemie hält Reisende und Reisebranche auf Trab. Am Fall Kroatien wird deutlich, dass Verschärfungen für Touristen auch mit sehr kurzer Vorlaufzeit in Kraft treten können. Auch Italien schließt nicht aus, beschränkte Sperrzonen einzuführen, sollten die Infektionszahlen weiter steigen.

"Aktuell muss man jederzeit mit weiteren Reisewarnungen rechnen. Urlauber sollten bereits bei der Auswahl des Reiseziels bedenken, ob es im Ernstfall möglich ist, die Heimreise früher anzutreten", empfiehlt ÖAMTC-Juristin Verena Pronebner. Kurz vor der Reise ist es daher unerlässlich, sich im Detail zu informieren, z.B. mithilfe des Urlaubsservice des Mobilitätsclubs unter www.oeamtc.at/urlaubsservice.

Hilfreich ist auch, sich die Zahlen der Covid19-Fälle für die konkrete Urlaubsdestination anzusehen: Es mag sein, dass ein ganzes Land als “coronafrei“ bezeichnet wird, aber die Covid19-Fälle in einer bestimmten Region kurz vor Reisebeginn ansteigen. “Wird man wenige Tage vor dem Urlaub mit einer Reisewarnung der Stufe 5 oder 6 konfrontiert, haben Pauschalreisende jedenfalls das Recht auf eine kostenfreie Stornierung”, stellt die Expertin klar. Sie beantwortet die aktuell drängendsten Fragen für Pauschal- und Individualreisende:

Was bedeutet ein hohes Sicherheitsrisiko der Stufen 5 und 6 für meine Reise?

Vor Reisen in diese Länder wird abgeraten. Bei einem hohen Sicherheitsrisiko ab Stufe 5 ist ein kostenloser Rücktritt vom Reisevertrag nach dem Pauschalreisegesetz möglich, wenn die Reise in genau diese Region unmittelbar bevorsteht (Abreise etwa innerhalb der nächsten zehn Tage). Grundsätzlich erhalten Pauschalreisende alle geleisteten Zahlungen zurück. Bei einzeln gebuchten Leistungen ist es wie folgt: Ist beispielsweise das gebuchte Hotel in Österreich oder Italien nicht erreichbar (weil dieses z. B. in einer Sperrzone liegt), kann man dieses kostenfrei stornieren. Hat man einen Flug in ein Land gebucht, für das eine Reisewarnung besteht, gilt: Findet der Flug statt, man möchte aber nicht mehr verreisen, dann besteht kein Anspruch auf Rückerstattung der Ticketkosten. Dann ist es ratsam, mit der Airline nach einer Kulanzlösung, wie z. B. einer Umbuchung, zu suchen. Wird der Flug seitens der Airline annulliert, erhält der Fluggast die Kosten retour.

Welche Rechte habe ich, wenn mein Urlaubsland für Österreicher zum Reisezeitpunkt ein Einreiseverbot oder eine Quarantänepflicht vorsieht?

Auch hier muss man unterscheiden zwischen Pauschal- und Individualreisen. ”Wenn man z. B. Hotel plus Flug oder Bahn als Pauschalreise gebucht hat und in das Land zwar einreisen darf, dort aber zum Beispiel sofort in mehrtägige Quarantäne muss, dann besteht das Recht auf eine kostenlose Stornierung kurz vor Reiseantritt”, weiß Pronebner. “Denn eine mehrtägige Quarantäne ist eine wesentliche Änderung des Reisevertrags.” Selbst organisierte Reisende bleiben bei Nicht-Antritt eher auf den Kosten sitzen. Eine verpflichtende 14-tägige Quarantäne nach der Einreise gilt für österreichische Reisende aktuell in Estland, Lettland, Litauen sowie Irland und Island. Es ist nicht auszuschließen, dass auch andere Länder ihre Einreisebestimmungen kurzfristig ändern und z. B. eine verpflichtende Quarantäne nach der Einreise einführen.

Muss ich mich vor dem Urlaub im Ausland registrieren oder testen lassen?

Dazu gibt es fast täglich Änderungen und dementsprechend viele Unsicherheiten unter den Reisenden – auch hier ist eine kurzfristige Info von Nöten. Für Zypern oder Sardinien beispielweise sind Reisende verpflichtet, sich vor dem Urlaub online zur registrieren. Auch Griechenland verlangt zwingend eine Registrierung – per Zufall kann dann ein Covid19-Test vorgenommen werden. “Eine Reise-Registrierung über das Außenministerium ist auf jeden Fall ratsam”, sagt die ÖAMTC-Juristin.

Wer trägt die Kosten, wenn mein Hotel unter Quarantäne gestellt wird und ich länger bleiben muss?

Bei Pauschalreisen übernimmt der Reiseveranstalter die Kosten für einen Zeitraum von maximal drei Nächten, wenn die vereinbarte Rückreise aufgrund unvermeidbarer und außergewöhnlicher Umstände nicht möglich ist. Von dieser Kostenbeschränkung ausgenommen sind z. B. Personen mit eingeschränkter Mobilität und Schwangere. In Österreich regelt das Epidemiegesetz die Frage zur Kostenübernahme für einen unfreiwilligen längeren Aufenthalt. Dann sind die Kosten zwar vom Bund zu tragen – für welchen Personenkreis und welche Kosten genau das gilt, ist mangels Judikatur noch nicht geklärt. Schutzbrief-Inhaber sind auf der sicheren Seite: Der ÖAMTC-Schutzbrief übernimmt für Urlaube in Österreich bis 30. September 2020 die zusätzlichen Übernachtungskosten für den Fall einer Quarantäne – für bis zu 14 Übernachtungen. Der Schutzbrief deckt auch die Kosten für einen Test auf eine Covid-19-Infektion, wenn durch ein negatives Ergebnis eine frühere Ausreise aus einem abgesperrten Gebiet ermöglicht wird.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch.
Nav-AccountCreated with Sketch. wil TimeCreated with Sketch.| Akt:
ReisenReiseCoronavirusÖAMTC

ThemaCreated with Sketch.Weiterlesen