Die Navy Seals gelten als beste Eliteeinheit der US-Streitkräfte. Ein Kriegsverbrecher-Prozess gegen eines ihrer Mitglieder erschüttert nun das Image. Sogar Trump mischt sich ein.
Ein hochdekorierter Soldat der US-Eliteeinheit Navy Seals muss sich wegen möglicher Kriegsverbrechen vor einem Militärgericht verantworten. Special Operations Chief Edward Gallagher, dessen Spitzname "Blade" ("Klinge") ist, wird vorgeworfen, im Irak bewusst unbewaffnete Zivilisten getötet zu haben, darunter auch ein junges Schulmädchen.
Viele Soldaten sahen in ihm ein Vorbild. Er bildete andere Seal-Kämpfer aus, er war Scharfschütze, Sanitäter und Bombenspezialist. Mehrfach war Gallagher mit seiner Spezialeinheit im Irak und in Afghanistan im Einsatz.
Doch damit ist es nun vorbei. Ab Mai wird Gallagher vor einem Militärgericht der Prozess gemacht. Seine eigenen Kameraden bezeugten, dass er im Irak wehrlose Zivilisten erschossen und erstochen haben soll. Später wurden seine Taten womöglich von Vorgesetzten an der Marinebasis Coronado in San Diego, Kalifornien, vertuscht.
Wehrlose erschossen und erstochen
Gallagher und seine Anwälte weisen alle Vorwürfe zurück. Doch die Beweislast erscheint erdrückend – um so mehr als seine eigenen Kameraden als Zeugen die Vorwürfe erhoben haben. So soll er 2017 an einer Tigris-Brücke in Mossul immer wieder Vorbeispazierende mit einem Scharfschützengewehr erschossen haben, darunter auch ein Schulmädchen und ein alter Mann, der Wasser holen wollte.
Zudem habe er mehrmals vor Kameraden damit geprahlt, wie viele Menschen – Männer wie Frauen – er schon getötet habe. Immer wieder habe er zudem ohne Grund wahllos mit einem Maschinengewehr in Wohngegenden gefeuert. in einem anderen Fall soll Gallagher einen kaum 15-jährigen, verwundeten und wehrlosen IS-Kämpfer mit einem Messer grausam erstochen und dann mit der Leiche und einer US-Flagge posiert haben.
Dass die mutmaßlichen Gräueltaten des Elitekämpfers überhaupt zum Thema wurden, geht wohl vor allem auf die Hartnäckigkeit anderer Navy Seals zurück. Obwohl sie intern zunächst auf große Widerstände gestoßen sein sollen, setzten sie eine Untersuchung des Falls durch.
Auch Präsident Trump schaltete sich ein
Doch der Prozess polarisiert in den USA. Denn viele sehen in Gallagher einen zu Unrecht beschuldigten Kriegshelden. Konservative US-Medien wie Fox News ergreifen offen Partei für ihn.
Auch US-Präsident Donald Trump hat sich in den Fall eingeschaltet. Auf sein Geheiß wurde der Beschuldigte vor einigen Tagen aus einer kargen Einzelzelle in eine bessere Haft-Unterkunft verlegt. Dies geschehe, so Trump, "in Anerkennung" von Gallaghers "früheren Verdiensten" als Soldat. (hos)