Trump droht Saudi-Arabien "schwere Strafe" an

US-Präsident Donald Trump
US-Präsident Donald TrumpBild: Reuters
US-Präsident Donald Trump schließt eine Ermordung Khashoggis nicht aus. Saudi-Arabiens Innenminister verwahrt sich gegen den Verdacht.

Die saudi-arabische Regierung hat sich gegen Mordvorwürfe im Fall des vermissten Journalisten Jamal Khashoggi verwahrt. Innenminister Prinz Abdel Asis bin Saud bin Najef sprach am Samstag laut der staatlichen Nachrichtenagentur SPA von "unbegründeten Anschuldigungen und Lügen".

US-Präsident Donald Trump drohte dem Verbündeten Saudi-Arabien derweil mit "schweren Strafen", sollten sich Berichte über Khashoggis Ermordung im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul bestätigen.

Delegation aus Riad in Istanbul

Innenminister Abdel Asis äußerste sich als erstes Kabinettsmitglied zu den von der Türkei erhobenen Vorwürfen. Am Wochenende war eine Delegation aus dem Königreich in Istanbul. Ziel sei es, in Zusammenarbeit mit der Türkei die Umstände von Khashoggis Verschwinden aufzuklären, sagte der Innenminister.

Die elfköpfige Delegation aus Riad inspizierte am Freitag das Konsulat in Istanbul, wie der türkische Fernsehsender NTV berichtete. Amtlichen türkischen Medien zufolge sollen sich die Delegationsmitglieder an einer Arbeitsgruppe beteiligen, deren Bildung der Sprecher von Präsident Recep Tayyip Erdogan angekündigt hatte.

UNO besorgt über Häufung von Vorfällen

Von Khashoggi fehlt seit einem Besuch im Konsulat seines Landes in Istanbul am 2. Oktober jede Spur. Türkische Ermittler gehen davon aus, dass der Regierungskritiker bei seinem Besuch im Konsulat von saudi-arabischen Agenten ermordet wurde. Saudi-Arabien bestreitet dies, ist bisher aber den Beweis dafür schuldig geblieben, dass Khashoggi das Gebäude lebend verließ.

US-Präsident Trump schloss am Samstag nicht aus, dass Saudi-Arabien für das Verschwinden Khashoggis verantwortlich sein könnte. "Könnten sie es sein? Ja", sagte Trump in der CBS-Sendung "60 Minutes" laut vorab veröffentlichten Interview-Auszügen. "Wir werden der Sache auf den Grund gehen und es wird eine schwere Strafe geben."

UN-Generalsekretär Antonio Guterres mahnte die Aufklärung des Falles an. "Wir müssen genau wissen, was passiert ist, und wir müssen genau wissen, wer verantwortlich ist", sagte Guterres dem britischen Rundfunksender BBC. Er zeigte sich besorgt, weil sich "derartige Vorfälle häufen" und "so etwas neuerdings normal erscheint".

Lagarde ist "entsetzt"

IWF-Chefin Christine Lagarde zeigte sich entsetzt über die Berichte zum Verschwinden Khashoggis. "Menschenrechte, Informationsfreiheit sind grundlegende Rechte und entsetzliche Dinge wurden berichtet, und ich bin entsetzt", sagte Lagarde beim Jahrestreffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Indonesien. Sie halte jedoch vorerst an ihrer Teilnahme an einem Wirtschaftsgipfel in Riad fest.

Bei dem "Wüsten-Davos" genannten Wirtschaftsgipfel vom 23. bis 25. Oktober will Saudi-Arabiens Kronprinz Muhammad bin Salman sein Reformprogramm präsentieren und bei ausländischen Wirtschaftsvertretern um Investitionen werben. Nach dem Verschwinden Khashoggis gingen bereits zahlreiche westliche Unternehmen auf Distanz.

Aufnahmen auf der Apple-Uhr

Die regierungsnahe türkische Zeitung "Sabah" berichtete, Khashoggi habe im Konsulat eine Apple Watch getragen, die mit einem iPhone synchronisiert gewesen sei, das er bei seiner Verlobten Hatice Cengiz gelassen habe. Die Smartwatch habe die Ereignisse im Konsulat aufgenommen, die Aufnahme sei in der Cloud gespeichert worden, allerdings sei von Saudi-Arabien versucht worden, sie teilweise zu löschen.

"Die Momente der Befragung, Folter und Ermordung Kashoggis wurden von der Apple Watch aufgenommen", berichtete "Sabah". Eine offizielle Bestätigung dafür lag nicht vor.

Die US-Zeitung "Washington Post" hatte bereits am Donnerstag berichtet, türkische Regierungsvertreter hätten US-Vertretern von Audio- und Videoaufnahmen berichtet. Darauf sei zu sehen und zu hören, wie Khashoggi in dem Konsulat verhört, gefoltert und ermordet wurde. Anschließend sei seine Leiche zerteilt worden, berichtete das Blatt, für das der 59-jährige Regierungskritiker Khashoggi seit seiner Flucht aus seiner Heimat vergangenes Jahr Kolumnen geschrieben hatte.

(sep)

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