US-Wahl-Chaos im "Swing-State" Florida

Bild: Reuters

Fehlerhafte Wahlcomputer, manipulierbare Software, gefälschtee Stimmkarten: Kurz vor der Entscheidung um die US-Präsidentschaft geht im Land die Angst vor Wahlbetrug um. In Florida kam esbereits zum Eklat. Republikaner und Demokraten bringen schon jetzt ihre Anwälte in Stellung.

Fehlerhafte Wahlcomputer, manipulierbare Software, gefälschtee Stimmkarten: Kurz vor der Entscheidung um die US-Präsidentschaft geht im Land die Angst vor Wahlbetrug um. In Florida kam esbereits  zum Eklat. Republikaner und Demokraten bringen schon jetzt ihre Anwälte in Stellung. 





Die USA stehen vor einer der spannendsten Präsidentenwahlen der jüngsten Geschichte. Am Tag vor der Abstimmung liegen Amtsinhaber Barack Obama und sein Herausforderer Mitt Romney in allen Umfragen Kopf an Kopf. Allerdings werden Obama in sechs der neun am stärksten umkämpften Swing-States bessere Chancen eingeräumt. Doch die Unsicherheit bei den Voraussagen ist groß.



In den Bezirken Palm Beach und Miami-Dade, also ausgerechnet dort, wo es bei Entscheidungen um die US-Präsidentschaft schon öfters Auffälligkeiten gab, tobt das nächste Wahl-Drama. Tausende standen dort am Wochenende bis zu sieben Stunden lang Schlange, um vorzeitig ihre Stimme abzugeben. Doch als die Frühwahlfrist am Samstagabend endete, schlossen die Helfer pünktlich alle Pforten - obwohl draußen noch Hunderte harrten.
Anzeige in Florida

Die Demokratische Partei erstattete am Sonntag Anzeige, weil zahlreiche Wähler ihre Stimme nicht abgeben konnten, obwohl die Behörden diese Möglichkeit eigens angekündigt hatten. Gouverneur Rick Scott, ein Parteifreund Romneys, hatte die Termine für eine vorzeitige Stimmabgabe eingeschränkt. Im Gegenzug sollte es im Bezirk Miami-Dade vier Stunden lang möglich sein, persönlich per Briefwahl abzustimmen. Das Wahllokal war aber nur knapp eine Stunde geöffnet.



Der Vorfall weckt Erinnerungen an das Florida-Debakel bei der US-Präsidentschaftswahl 2000, die schließlich der Republikaner George W. Bush gewann. Damals hatten fehlerhafte Lochkarten und veraltete Lesegeräte eine Neuauszählung der Stimmzettel erforderlich gemacht. Auch dieses Jahr bereiten genau dort die Wahlkarten wieder Sorgen: Rund 27.000 Fernwahlkarten müssen wegen eines Design-Fehlers nun per Hand erfasst werden.



Unsichere Computer

Wie früher stehen auch jetzt die Wahlcomputer wieder im Mittelpunkt der Kritik. Die Maschinen im fraglichen Bezirk von Hamilton in Ohio zum Beispiel - und in mehr als einem Dutzend anderer Staaten - stammen von der texanischen Firma Hart Intercivic. Deren Apparate sind berüchtigt für Ausfälle, Mechanikprobleme und Zählfehler.



Nach Ansicht von Computerexperten wäre es möglich, durch Manipulation der Software das Wahlresultat zu beeinflussen. Michael Duniho, ein pensionierter Analyst der Spionagbehörde NSA, will herausgefunden haben, dass Wahlergebnisse in seinem Heimatstaat Arizona seit Jahren "koordiniert und massiv" manipuliert worden seien - zugunsten der Republikaner.





Obama mit 48 % vorne

In Ohio, das wegen seiner 18 zu vergebenden Wahlmänner-Stimmen als entscheidend für einen Gesamtsieg gilt, konnte Obama laut einer am Sonntag veröffentlichten Reuters/Ipsos-Erhebung seinen Vorsprung ausbauen. Der Demokrat liegt gegenwärtig bei 48 Prozent, sein republikanischer Herausforderer Romney bei 44 Prozent. In der Umfrage vom Vortag hatte der Präsident lediglich mit einem Prozentpunkt vorne gelegen. Ein Sieg in dem Mittel-West-Staat ist extrem wichtig, denn in den USA gilt seit Jahrzehnten die Faustregel: Wer Ohio gewinnt, hat den Wahlsieg praktisch in der Tasche.

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