Angezeigt, verklagt, angefeindet. In den 60ern und 70ern machte sich Valie Export (geboren 1940) für Feminismus stark und bei der Polizei und dem Establishment unbeliebt. 1971 stand sie mit ihrem damaligen Partner Peter Weibel wegen Pornographie und Verstoß gegen das Schmutz- und Schundgesetz vor dem Wiener Jugendgericht. Ihre aktionistischen Performances lösten Saalschlachten aus, "ihre" Version der "Smart Export"-Zigaretten ist legendär (alle: siehe Fotoshow oben).
Ihr "Tapp- und Tastkino", bei dem sie Passanten durch einen Pappkarton hindurch ihre Brüste berühren ließ, schockierte die bürgerliche Welt. Genau dieser "filmisch und fotografisch
dokumentierte Skandal" ist es auch, den die Jury der Roswitha Haftmann-Stiftung extra erwähnt. Er gehört "zum Gründungsmythos des sogenannten Aktionismus" und wirkt bis heute nach.
Die Stiftung ehrt Valie Export 2019 für ihr Lebenswerk. Am Freitag wird ihr im Kunsthaus Zürich der Roswitha Haftmann-Preis, dotiert mit 150.000 Franken (rund 140.000 Euro) verliehen. Der Preis wird an lebende Künstlerinnen und Künstler vergeben, deren Werk von überragender Bedeutung ist. Wer den Preis erhält, bestimmt der Stiftungsrat. Ihm gehören die Direktorinnen und Direktoren des Kunstmuseums Bern, des Kunstmuseums Basel, des Museums Ludwig in Köln und des Kunsthauses Zürich an. Hinzu kommen Mitglieder, die vom Stiftungsrat berufen werden.
Valie Export ist vielfach ausgezeichnet (u.a. mit dem Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst) und hatte Professuren an der University of Wisconsin-Milwaukee, der Hochschule der Künste Berlin und der Kunsthochschule für Medien Köln. Sie war bei der documenta 6 und 12 und vertrat Österreich zweimal bei der Biennale in Venedig. Der jährlich verliehene Österreichische Filmpreis basiert auf ihrem Design. Valie Export lebt in Wien.