Vater lässt Sohn (12) in Badezimmer verhungern

Luis Posso bringt seinen unterernährten Sohn ins Krankenhaus, die Ärzte können dem Kind nicht mehr helfen – nur noch die Polizei alarmieren.
Eduardo Posso hat vor seinem Tod ein wahres Martyrium erlebt. Der Zwölfjährige wurde am 24. Mai bewusstlos in ein Krankenhaus in Bloomington im US-Staat Indiana gebracht. Sein Vater und seine Stiefmutter gaben an, der Bub sei am Tag zuvor krank geworden und zu schwach gewesen, um zu essen. Als sie ihn am nächsten Morgen berührt habe, habe er sich kalt angefühlt, behauptete die Frau. Die Hilfe kam für Eduardo jedoch zu spät: Kurz nach seiner Ankunft wurde er für tot erklärt.

Die Ermittlungen zeigten, dass die Version von Luis Posso (32) und seine Lebenspartnerin Dayana Medina-Flores (25) nicht stimmen. Eduardos Leiche wies klare Spuren von Misshandlung und Vernachlässigung auf. Am ganzen Körper hatte er mehrere Schnittwunden, Geschwüre und Blutergüsse. Das Kind war zudem stark unterernährt. Posso und Medina-Flores wurden daraufhin festgenommen und des Mordes angeklagt. Ihre Kaution wurde auf jeweils 500.000 Dollar festgesetzt.

Sozialdienst kannte die Familie, unternahm aber nichts

Aus Gerichtsunterlagen geht hervor, dass Eduardo in den Wochen vor seinem Tod im Badezimmer des Motels, in dem die Familie lebte, an einen Badetuchhalter gefesselt worden war. Dabei soll er ein elektrisches Hunde-Schockhalsband getragen haben, berichtet der Sender CNN. Posso und seine Partnerin sperrten das Kind ein, während sie Werbebroschüren für einen Wanderzirkus verteilten.

CommentCreated with Sketch.12 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Im Haushalt wohnten drei weitere Kinder: Ein neunjähriges Mädchen und zwei Buben im Alter von fünf und zwei Jahren. Sie waren wohlauf und wurden nun in Obhut gegeben. Wie der lokale Sender WTSP berichtet, sei die Familie in den vergangenen Monaten fünfmal von Sozialarbeitern besucht worden. Bei jedem Mal hätten sie allerdings alles in Ordnung vorgefunden.

Selfies mit gefesseltem Sohn

Auf dem Handy der Stiefmutter fanden die Ermittler ein Video, das den Jungen angeschnallt in einer Badewanne zeigt. Auf den Aufnahmen ist auch Medina-Flores zu sehen, wie sie mit einem weiteren Kind das Badezimmer betritt und Eduardo ignoriert. Auch der Vater hatte kompromittierendes Material auf seinem Mobiltelefon: In einer Textnachricht schrieb er auf Spanisch: "Eduardo hat sich fast aus den Fesseln befreit." Zudem habe der Vater ein Selfie gemeinsam mit seinem Sohn in der Badewanne gemacht.

Im Motelzimmer stellte die Polizei Ketten, Schnüre, Fesseln und Vorhängeschlösser sicher. Bei einer Anhörung vor Gericht gab die Stiefmutter schließlich zu, dass Eduardo von seinem Vater oft "mit einem Gürtel, seinen Händen oder einem Schuh geschlagen" worden sei.

Der Bub hatte Angst

Aurea Garcia, die leibliche Mutter des toten Jungen, wohnt in Florida. Sie habe nicht einmal gewusst, dass ihr Sohn nach Indiana gezogen sei, bis die Polizei sie mit der traurigen Nachricht aufgesucht habe. Garcia erzählte CNN, dass sie nach der Scheidung von Posso im Jahr 2016 das Sorgerecht über ihre Kinder verloren habe. Der Vater habe Eduardo und seine 9 Jahre alte Schwester eines Tages abgeholt und nie mehr zurückgebracht. Weil Garcia eine Gerichtsanhörung verpasst habe, sei das Sorgerecht ihrem Ex-Mann übertragen worden.

Sie habe aber gewusst, dass Posso sehr grob mit den Kindern umgehe. Das sei unter anderem ein Grund für die Trennung gewesen. Aber sie hätte sich nie vorstellen können, dass er zu einer solchen Misshandlung fähig sein könnte.

Mutter dachte, sie bekomme Eduardo zurück

Zum letzten Mal habe sie ihren Sohn im November 2017 gesehen. Er habe abgemagert gewirkt. "Ich meinte, das sei nur, weil er Cornflakes zum Nachtessen bekomme." Viel gesprochen habe Garcia mit ihrem Sohn während des Besuches nicht, denn der Junge habe Angst gehabt, zu reden.

Der Tod ihres Sohnes versetzte Aurea Garcia in einen Schock: "Ich begann zu schreien, als ich davon erfuhr." Sie habe zunächst gedacht, die Polizeibeamten wollten mit ihr reden, weil sie nun endlich wieder ihre Kinder zurückbekomme.

(red)

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